Mental, Load

Mental Load: R+V-Studie zeigt 89% MĂŒtter stĂ€ndig belastet

09.06.2026 - 10:22:55 | boerse-global.de

Politik und Wirtschaft fordern mehr FlexibilitÀt, wÀhrend Studien hohe Belastung bei Familien und Alleinstehenden belegen.

Work-Life-Balance: Debatte um Arbeitszeit und Belastung
Mental - Eine Person steht an einer Weggabelung, die symbolisch die Spannung zwischen Berufs- und Privatleben darstellt. 09.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Wirtschaftsvertreter eine engere Verzahnung fordern, warnen Gewerkschaften vor den psychischen Folgen.

Das Ende der Balance?

Jeff Bezos hat eine klare Meinung zum Thema Work-Life-Balance: Er lehnt den Begriff ab. In einem Interview Anfang Juni 2026 plĂ€dierte der Amazon-GrĂŒnder fĂŒr eine „Work-Life-Harmonie“. Seine Argumentation: Beruf und Privatleben stĂŒnden in einer sich gegenseitig beeinflussenden Beziehung. Wer zu Hause zufrieden sei, bringe mehr Energie in den Job – und umgekehrt.

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Bundeskanzler Friedrich Merz geht noch weiter. In einem Podcast erteilte er dem Modell einer „Lifestyle-Teilzeit“ eine Absage. „Leistung muss sich wieder lohnen“, so der Kanzler. Solar-Pionier Floyd Janning untermauert diese Linie mit einem konkreten Arbeitspensum: 60 bis 70 Stunden pro Woche seien nötig, um im Wettbewerb zu bestehen.

Die RealitÀt der BeschÀftigten

Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Aktuelle Erhebungen belegen: Rund 63 Prozent der BerufstĂ€tigen fĂŒhlen sich am Ende des Arbeitstages erschöpft. Besonders hart trifft es Familienhaushalte.

Eine reprĂ€sentative Studie der R+V Versicherung vom 8. Juni zeigt: Vier von fĂŒnf Familien leiden unter permanenter mentaler Dauerbelastung – dem sogenannten Mental Load. Besonders Frauen sind betroffen. 89 Prozent der befragten MĂŒtter gaben an, stĂ€ndig an alle organisatorischen Belange der Familie denken zu mĂŒssen.

Familienministerin Karin Prien erkennt die Notwendigkeit einer besseren Vereinbarkeit an. Gleichzeitig stehen KĂŒrzungen beim Elterngeld im Raum – ein Vorgehen, das SPD, GrĂŒne und Linke scharf kritisieren.

Der Kampf ums Arbeitszeitgesetz

Die schwarz-rote Koalition plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Kernpunkt: Die tÀgliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll durch eine flexiblere wöchentliche Grenze ersetzt werden.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi schlÀgt Alarm. Sie bezeichnet die PlÀne als ideologisch motiviert und warnt vor Arbeitsschichten von bis zu 13 Stunden. Auch Michael Vassiliadis von der IGBCE sieht keinen Mehrwert: Bestehende TarifvertrÀge böten bereits ausreichend FlexibilitÀt.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden. Kommentatoren weisen darauf hin, dass diese Regelung in der digitalisierten Arbeitswelt kaum noch der RealitĂ€t entspricht – viele BeschĂ€ftigte erledigen abends noch berufliche Aufgaben.

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Homeoffice: Segen oder Fluch?

Auch die rĂ€umliche Flexibilisierung wird zunehmend kritisch betrachtet. Eine im Juni diskutierte Langzeitstudie des Fachjournals Science wertete Daten von ĂŒber 500.000 Personen aus den Jahren 2011 bis 2024 aus.

Das Ergebnis: Homeoffice fĂŒhrt bei Alleinstehenden zu einem deutlichen Verlust an Sozialkontakten und höherer psychischer Belastung. In Familienhaushalten ließen sich diese Effekte nicht in gleichem Maße nachweisen. Arbeitspsychologin Laura Venz empfiehlt daher hybride Arbeitsmodelle, um soziale Isolation zu vermeiden.

Blick nach Österreich

WĂ€hrend Deutschland noch ĂŒber die Rahmenbedingungen streitet, setzt Österreich neue Akzente. Seit dem 8. Juni ist dort ein neues Modell der Weiterbildungszeit verfĂŒgbar. Es fördert lebenslanges Lernen und stĂ€rkt die betriebliche Mitverantwortung – bei höheren Einkommen mĂŒssen Arbeitgeber 15 Prozent beitragen.

de | wissenschaft | 69506157 |