Mentale, Erschöpfung

Mentale Erschöpfung: Studie mit 31 Erwachsenen zeigt sinkende Anstrengungsbereitschaft

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung verbindet anspruchsvolle Denkaufgaben mit geringerer Anstrengungsbereitschaft und zeigt, dass Spiele einzelne kognitive Fähigkeiten unterschiedlich beeinflussen.
Ein leerer Schreibtisch mit einer Tasse und Papierblättern in einer ruhigen, dämmerigen Arbeitsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Intensive geistige Anstrengung hinterlässt deutliche Spuren in der menschlichen Handlungsbereitschaft. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass fordernde Denksitzungen vor allem die Bereitschaft zu weiteren Mühen herabsetzen.

Zugleich zeigt die Forschung, dass digitale Spiele oder Denkaufgaben das Gehirn nicht pauschal stärken, sondern vielmehr das kognitive Gleichgewicht zwischen verschiedenen Leistungsbereichen gezielt verschieben.

Biochemische Veränderungen und schwindende Motivation

Welche Prozesse im Kopf ablaufen, wenn geistige Aufgaben ermüden, untersuchte eine Versuchsreihe mit 31 gesunden Erwachsenen. Die Probanden absolvierten an verschiedenen Tagen jeweils zweimal eine 20-minütige, anspruchsvolle Gedächtnisaufgabe.

Eine leichte elektrische Stimulation einer vorderen Hirnregion steigerte zunächst deren Leistungsfähigkeit, führte mittels Magnetresonanzspektroskopie jedoch auch zu einer messbar höheren Konzentration des Botenstoffs Glutamat.

Im Anschluss sank die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich für anstrengende Folgeaufgaben zu entscheiden, selbst wenn diese mit einer höheren finanziellen Belohnung verbunden waren.

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Im Vergleich zu einem Durchlauf mit simulierter Stimulation wählten die Probanden nach der echten Stimulation signifikant seltener die schwierigere Variante und gaben sich mit weniger Geld für leichtere Aufgaben zufrieden.

Verstärkte Hirnaktivität, chemische Veränderungen und ein Rückgang der Motivation stehen somit in direktem Zusammenhang. Allerdings verursacht die Anreicherung von Glutamat die mentale Erschöpfung nicht allein. Zudem bleibt bisher offen, inwieweit dieser Mechanismus auch bei anhaltender oder krankhafter Erschöpfung eine Rolle spielt.

Neuronale Schaltkreise der mentalen Müdigkeit

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte eine Untersuchung der Universität Johns Hopkins und des Kennedy Krieger Instituts, die in der Fachzeitschrift The Journal of Neuroscience erschien. Anhand von 28 gesunden Erwachsenen beobachteten die Wissenschaftler, dass wiederholte Arbeitsgedächtnisaufgaben zu spürbarer Müdigkeit führten.

Auch hier zogen die Probanden im Anschluss leichtere Optionen vor und verzichteten auf höhere Belohnungen. Bildgebende Verfahren zeigten dabei eine veränderte funktionelle Konnektivität zwischen dem dorsolateralen präfrontalen Kortex und der rechten Insula.

Der beteiligte Forscher Vikram Chib von der Universität Johns Hopkins gab jedoch zu bedenken, dass die Daten unter kontrollierten Bedingungen im Resonator erhoben wurden und die Übertragbarkeit auf den Alltag noch eingehender überprüft werden müsse.

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Das Phänomen der kognitiven Ermüdung wird im Fachwörterbuch der American Psychological Association als Zustand mentaler Erschöpfung und verringerter Effizienz infolge fordernder Aufgaben beschrieben. Ein automatischer Abfall der Leistungsfähigkeit ist damit zwar nicht zwingend belegt, bei anhaltenden Konzentrationsproblemen raten Fachleute jedoch zu einer ärztlichen Abklärung.

Verschiebung kognitiver Profile statt Universaltraining

Dass geistiges Training nicht zu einer pauschalen Steigerung der Hirnleistung führt, belegen zudem zwei Arbeiten der Allgemeinen Psychologie der Universität Padua, veröffentlicht in Computers in Human Behavior Reports und Behavioural Brain Research. Die Untersuchungen an Vorschulkindern verdeutlichen, dass Aktivitäten spezifische Funktionen fördern, dies jedoch auf Kosten anderer Fähigkeiten geschehen kann.

In einer ersten Untersuchung mit 48 Vorschulkindern, die Mario Kart und die Legeaufgabe Tangram umfasste, schulten beide Formate zwar rasche Reaktionen.

Traten jedoch vermehrt Ablenkungen auf oder war ein hohes Maß an kognitiver Kontrolle gefordert, arbeiteten die Kinder weniger effizient, und ihre Zielgenauigkeit wies größere Schwankungen auf. Eine zweite Studie begleitete 33 fünfjährige Kinder nach einer 30-minütigen Spielrunde Mario Kart gegen computergesteuerte Gegner.

Die Kinder richteten ihre Aufmerksamkeit danach verstärkt auf neue Positionen. Bei einer feinmotorischen Aufgabe, bei der zwölf Münzen zügig in einen Schlitz gesteckt werden mussten, zeigte sich in den letzten sechs Durchgängen zudem ein deutlicher Vorteil der dominanten Hand.

Nach Ansicht der Forscher der Universität Padua belegen die Ergebnisse kein generelles Gehirntraining, sondern eine gezielte Verlagerung von Prioritäten im Aufmerksamkeits- und Kontrollsystem. Daraus könnten sich neue pädagogische und klinische Ansätze ergeben, etwa zur Unterstützung bei Legasthenie oder ADHS, bei denen Reize entsprechend der jeweils geforderten Funktion variiert werden sollten.

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