Mentale, Gesundheit

Mentale Gesundheit im Job: 366 Fehltage je 100 DAK-Versicherte

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt eine deutliche LĂŒcke beim wahrgenommenen Wohlbefinden; zugleich stiegen psychisch bedingte Fehltage 2025 um 6,9 Prozent.

Psychische Belastung im Job: Warum Hobbys strukturelle Probleme nicht lösen
Unbearbeitete Tonfigur auf einem Holztisch mit einem Schwamm und einer Gabel bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

FachbeitrĂ€ge und Erfahrungsberichte plĂ€dieren verstĂ€rkt dafĂŒr, Hobbys ohne Leistungsdruck auszuĂŒben, und kritisieren zugleich oberflĂ€chliche Beschwichtigungen bei psychischen Sorgen im beruflichen Kontext. Ein Ausgleich im Privaten gewinnt an Bedeutung, stĂ¶ĂŸt jedoch an Grenzen, wenn strukturelle Überlastungen am Arbeitsplatz lediglich durch individuelle Achtsamkeitsappelle abgefedert werden sollen.

FreizeitaktivitÀten ohne Perfektionsanspruch

Um mentale Entlastung zu finden, setzen viele BeschĂ€ftigte auf bewusst niedrigschwellige AktivitĂ€ten. Eine Autorin plĂ€diert in einem Bericht fĂŒr gemĂ€chliches Spazierengehen anstelle sportlicher LeistungsvorsĂ€tze.

WÀhrend sie mehrmals pro Woche das Berliner Tempelhofer Feld aufsucht und sich 10.000 Schritte tÀglich als Richtwert setzt, erreicht sie an normalen Arbeitstagen etwa die HÀlfte. Bereits 15 Minuten tÀgliches Gehen beschreibt sie als wirksam zur Stressminderung.

Auch kreative BeschÀftigungen stehen im Zeichen des Verzichts auf Perfektionismus. Ein Erfahrungsbericht hebt das Modellieren mit lufttrocknender Modelliermasse als entspannendes Hobby hervor.

Bei Materialkosten von weniger als 3 Euro fĂŒr eine Packung und einer Trocknungszeit von rund zwei Tagen genĂŒgen einfache KĂŒchenwerkzeuge wie Messer, feuchter Schwamm und Gabel, wĂ€hrend Nagellack zum Bemalen dienen kann. Die WĂ€nde der WerkstĂŒcke sollten rund einen halben Zentimeter messen und einige Tage bei Raumtemperatur aushĂ€rten.

Zudem verweisen Berichte auf Studien, wonach digitale Malerei auf Tablets bei Studierenden Stress Àhnlich wirksam reduzieren kann wie traditionelle Methoden mit Papier und Stift, was neue ZugÀnge in Bildungsumgebungen eröffne.

Betriebliche RealitÀt und strukturelle Defizite

FreizeitaktivitĂ€ten können systemische Probleme in Unternehmen jedoch nicht lösen. Die SRH betont, dass betriebliche Yoga- oder Achtsamkeitsangebote weder realistische Arbeitsmengen noch ausreichende Personalbesetzungen, verlĂ€ssliche Arbeitszeiten oder EntscheidungsspielrĂ€ume ersetzen. BeschĂ€ftigte sollten Überlastungen konkret ansprechen sowie Pausen und freie Zeiten konsequent schĂŒtzen.

Der Handlungsbedarf im Arbeitsumfeld ist messbar: Laut SRH fĂŒhrten psychische Erkrankungen bei DAK-versicherten BeschĂ€ftigten im Jahr 2025 zu rund 366 ArbeitsunfĂ€higkeitstagen je 100 Versicherte, was einem Anstieg von 6,9 % gegenĂŒber 2024 entspricht. Eine entsprechende Krankschreibung dauerte durchschnittlich 34,2 Tage.

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Vor diesem Hintergrund lĂ€uft die bundesweite Woche der Seelischen Gesundheit bis zum 20. Oktober 2026. Zum Welttag der seelischen Gesundheit forderte auch der ÖGB prĂ€ventive Maßnahmen, ausreichend Personal und lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle.

Claudia Neumayer-Stickler, Referatsleiterin beim ÖGB, bezeichnete steigende psychisch bedingte KrankenstĂ€nde trotz zuletzt leicht gesunkener Gesamtzahlen als klares Signal, Belastungen am Arbeitsplatz genauer zu prĂŒfen.

Diskrepanzen zwischen FĂŒhrungskrĂ€ften und BeschĂ€ftigten

Wie weit Selbstwahrnehmung und RealitĂ€t auseinanderliegen, zeigt die Great Employee Benefits Studie 2026, fĂŒr die 8.000 Mitarbeitende und 3.147 FĂŒhrungskrĂ€fte in acht europĂ€ischen MĂ€rkten befragt wurden, darunter 1.000 BeschĂ€ftigte und 381 Arbeitgebende in Deutschland.

WĂ€hrend 83 % der deutschen Arbeitgebenden glauben, das Wohlbefinden ihrer Teams ausreichend zu fördern, fĂŒhlen sich lediglich 53 % der Mitarbeitenden tatsĂ€chlich unterstĂŒtzt.

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Zugleich empfinden 49 % der deutschen Mitarbeitenden ihre Arbeitsbelastung als langfristig nicht nachhaltig. Nur 50 % fĂŒhlen sich wohl dabei, Stress mit FĂŒhrungskrĂ€ften zu thematisieren – der niedrigste Wert im LĂ€ndervergleich.

ZusĂ€tzliche Unsicherheit entsteht durch den technologischen Wandel. Laut dem KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt halten 42,8 % der KI-kundigen Personen ihren Arbeitsplatz fĂŒr ersetzbar.

FachbeitrĂ€ge betonen daher, dass Arbeitgeber nach Paragraph 5 des Arbeitsschutzgesetzes psychische Belastungen bei technischen Neuerungen neu beurteilen mĂŒssen und Artikel 4 des EU-KI-Gesetzes Unternehmen zur Förderung der KI-Kompetenz verpflichtet.

Ein Kolumnist verweist zudem darauf, dass an einem produktiven Tag oft nur etwa 3 Stunden auf konzentrierte Tiefenarbeit entfallen, wĂ€hrend die ĂŒbrige Zeit fĂŒr Kommunikation und Routine benötigt werde. Statt reiner Anwesenheit sollten daher transparente Ergebnisse im Mittelpunkt stehen.

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