Meta-Ultimatum: Instagram-Anzeigen mit Kinderpornografie in Indien
06.07.2026 - 00:44:53 | boerse-global.de
Mehrere Ministerien haben Meta, Telegram und Signal mit strengen Auflagen belegt – von Kinderpornografie bis Urheberrechtsverletzungen reichen die Vorwürfe.
Schwere Vorwürfe gegen Instagram-Werbung
Das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) stellte Meta am 5. Juli ein Ultimatum. Grund: In Instagram-Anzeigen soll kinderpornografisches Material verbreitet worden sein. Eine BBC-Recherche hatte am 3. Juli aufgedeckt, dass bezahlte Anzeigen mit eindeutigen Suchbegriffen Nutzer direkt zu Telegram-Kanälen führten – dort wurde illegales Material für umgerechnet rund einen Euro verkauft.
Die Behörde forderte Meta auf, sämtliche betroffenen Anzeigen umgehend zu deaktivieren. Innerhalb von sieben Tagen muss der Konzern eine detaillierte Stellungnahme vorlegen. Entscheidend: Für bezahlte Werbeinhalte kann sich Meta nicht auf die übliche Haftungsfreistellung nach Paragraf 79 des indischen IT-Gesetzes berufen. Meta selbst gab an, die identifizierten Anzeigen bereits entfernt und die dazugehörigen Konten gesperrt zu haben.
WhatsApp-Usernamen: Regierung bremst Ausrollen
Parallel dazu gerät Meta wegen der Einführung von Benutzernamen bei WhatsApp unter Druck. Ursprünglich sollte der Konzern bis zum 6. Juli Stellung nehmen – die Frist wurde nun auf den 9. Juli verlängert. Die Regierung befürchtet, dass die neue Funktion Betrug und Identitätsdiebstahl erleichtern könnte. Meta betont zwar, dass Usernamen optional und durch eine PIN geschützt seien, doch Neu-Delhi verlangt einen Stopp der Einführung, bis ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind.
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Telegram im Visier: Piraterie und Prüfungsbetrug
Besonders hart trifft es Telegram. Das Informations- und Rundfunkministerium forderte den Dienst am 4. Juli auf, die Verbreitung von Filmen und Streaming-Inhalten entschiedener zu bekämpfen. Die Plattform muss ihre Erkennungs- und Löschsysteme verschärfen und gegen Wiederholungstäter vorgehen. Ein Maßnahmenbericht ist binnen 15 Tagen fällig.
Die Liste der Konflikte ist lang: Erst am 21. Juni wurde Telegram in Indien vorübergehend gesperrt – Hintergrund waren Betrugsvorfälle und durchgestochene Prüfungsfragen bei der landesweiten Medizineraufnahmeprüfung NEET-UG. Zudem musste Telegram die Funktion zum nachträglichen Bearbeiten von Nachrichten bis Ende Juni deaktivieren. Bereits im Frühjahr 2026 ordneten die Behörden die Löschung von über 3.000 speziell auf Piraterie ausgerichteten Kanälen an. Weltweit hat Telegram seit Jahresbeginn immerhin über 274.000 Gruppen und Kanäle entfernt.
Signal und Arattai: Auch die Konkurrenz wird geprüft
Die Regierung beschränkt sich nicht auf Meta und Telegram. Auch der als besonders sicher geltende Messenger Signal sowie die indische App Arattai erhielten am 2. Juli Auflagen. Das MeitY forderte Sicherheitsvorkehrungen gegen möglichen Betrug durch Benutzernamen.
Bemerkenswert: Die Dienste handhaben die Auffindbarkeit völlig unterschiedlich. Während Telegram-Usernamen öffentlich durchsuchbar sind, ist die Funktion bei Signal standardmäßig deaktiviert und nicht indexiert. Die Bürgerrechtsorganisation Internet Freedom Foundation (IFF) kritisierte das Vorgehen der Regierung scharf. Die Aufforderungen entbehrten einer soliden rechtlichen Grundlage im geltenden IT-Gesetz, so die Organisation. Zudem stelle sich die Frage, ob das Ministerium überhaupt befugt sei, bestimmte Funktionen einer Plattform zu verbieten.
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Das verschärfte Vorgehen ist Teil einer umfassenden Strategie: Indien will digitale Plattformen stärker in die Pflicht nehmen – bei der Moderation von Inhalten, dem Schutz Minderjähriger und der Bekämpfung von Betrug. Sollten die Unternehmen den aktuellen Anordnungen nicht nachkommen, drohen rechtliche Schritte nach dem geltenden Informationstechnologierecht.
