Meta verliert Cambridge-Analytica-Prozess: Millionenstrafe in New Mexico droht
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Jury im US-Bundesstaat New Mexico hat Meta im Zusammenhang mit dem Cambridge-Analytica-Skandal in mehreren Punkten haftbar gemacht.
Millionen mögliche Verstöße
Die Geschworenen kamen zu dem Ergebnis, dass Nutzer bei Datenschutz und Redefreiheit in die Irre geführt worden seien. Die Jury befand den Konzern bei den meisten der insgesamt 34 Fragen für verantwortlich.
Nach Angaben aus dem Gerichtssaal ging es angesichts der Zahl betroffener Nutzer jeweils um 1,3 bis 2,1 Millionen Verstöße. Der zuständige Richter muss nun die Höhe der Strafe festlegen. Pro Verstoß kann eine Sanktion von bis zu 5.000 US-Dollar verhängt werden.
Cambridge Analytica und der Facebook-Skandal
Der Skandal hatte 2018 das Vertrauen in Facebook schwer beschädigt. Daten aus einer Nutzerumfrage waren zur Erstellung von Profilen verwendet und mit der Analysefirma Cambridge Analytica geteilt worden. Auch das Team des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump griff vor der US-Wahl 2016 darauf zurück.
Insgesamt waren rund 87 Millionen Nutzerkonten betroffen. Meta zahlte unter anderem rund sechs Milliarden US-Dollar an die US-Regierung, um Ermittlungen in diesem Zusammenhang beizulegen.
Vorwürfe zur Meinungsfreiheit
New Mexico reichte 2021 Klage ein. Neben dem Umgang mit Nutzerdaten ging es dabei auch um die Meinungsfreiheit auf der Plattform. Anlass waren Erkenntnisse aus der Aufarbeitung des Skandals und ein Bericht eines Whistleblowers.
Darin hieß es unter anderem, einige prominente Konten seien heimlich von den Regeln für zulässige Inhalte ausgenommen worden. Meta wies die Entscheidung zurück und erklärte, das Unternehmen werde sich weiter gegen die Vorwürfe verteidigen.
Meta verweist auf Verfassungsrechte
Der Konzern betonte, er habe nach der US-Verfassung das Recht, seine Plattformen im Interesse der Nutzer zu betreiben. Dazu gehörten nach Darstellung des Unternehmens die Priorität der Meinungsfreiheit, der Schutz von Nutzerinformationen und die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten.
Ein Verfahren mit langer Vorgeschichte
Der Fall reicht in die politische und gesellschaftliche Aufarbeitung des Facebook-Datenskandals von 2018 zurück. Damals wurde bekannt, dass Daten von Nutzerkonten über eine scheinbar harmlose Umfrage abgeschöpft, für Persönlichkeitsprofile genutzt und an Cambridge Analytica weitergegeben worden waren. Die Informationen wurden auch im Umfeld des US-Wahlkampfs 2016 eingesetzt.
Das aktuelle Verfahren in New Mexico verbindet Datenschutz mit der Frage, wie Meta seine Plattformen betreiben und Inhalte moderieren darf. Damit steht nicht nur der Umgang mit persönlichen Daten im Mittelpunkt, sondern auch das Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Nutzer, der Kontrolle über Plattformregeln und dem verfassungsrechtlich geschützten Recht auf freie Meinungsäußerung.
Finanzielles Risiko und Signalwirkung
Die mögliche Strafhöhe hängt davon ab, wie der Richter die festgestellten Verstöße bewertet. Bei Millionen betroffenen Nutzern kann sich ein gesetzlicher Höchstbetrag von 5.000 US-Dollar pro Verstoß rechnerisch zu einer erheblichen Summe addieren. Für Meta wäre dies neben früheren Vergleichen und Sanktionen ein weiterer finanzieller und reputationsbezogener Belastungsfaktor.
Für Nutzer ist das Urteil vor allem deshalb relevant, weil es die Verantwortung großer Plattformen für Datenschutzversprechen und interne Regeln berührt. Zugleich ist die Entscheidung noch nicht das Ende des Verfahrens: Zunächst muss der Richter die Strafe festlegen, außerdem hat Meta angekündigt, sich weiter gegen die Vorwürfe zu verteidigen.
