Microsoft beendet Publisher: Abschied von Office-Klassiker ab Oktober
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 05:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft bereitet eine umfassende Umgestaltung seines Produktportfolios vor. Im Zentrum dieser Strategie steht die Einstellung des Desktop-Publishing-Programms Publisher, das zum 1. Oktober 2026 offiziell aus dem Abonnement-Dienst Microsoft 365 entfernt wird. Damit setzt das Unternehmen seinen Kurs fort, ältere Anwendungen zugunsten moderner Cloud- und KI-Lösungen auszuphasen.
Fristen für Publisher und Office LTSC 2021
Nutzer der Software haben nach aktuellen Planungen weniger als zwei Monate Zeit, um ihre bestehenden Dateien zu sichern oder zu migrieren. Microsoft empfiehlt, Publisher-Dateien rechtzeitig in die Formate PDF oder Word zu konvertieren, bevor der Zugriff über Microsoft 365 endet. Als Begründung für diesen Schritt führt das Unternehmen eine geringe Nutzung der Anwendung an. Viele der bisherigen Funktionen von Publisher werden laut Unternehmensangaben mittlerweile durch die Programme Word und PowerPoint abgedeckt.
Parallel zum Ende von Publisher läuft zum 1. Oktober 2026 auch der Support für Office LTSC 2021 aus. Dieser Schritt unterstreicht den verstärkten Fokus auf die abonnementbasierten Cloud-Modelle.
Kostenstruktur und Migrationsaufwand
Der Wechsel in die aktuelle Cloud-Umgebung ist für Unternehmenskunden mit erheblichen Investitionen verbunden. Ein Abonnement für Microsoft 365 E5 schlägt derzeit mit 57 Euro pro Nutzer und Monat zu Buche, während die E3-Variante 36 Euro kostet. Wer zusätzlich die KI-Unterstützung Copilot nutzen möchte, muss mit weiteren Kosten in Höhe von 30 Euro pro Monat kalkulieren.
Branchenbeobachter schätzen die Gesamtkosten für eine umfassende Migration auf 50.000 Euro bis 200.000 Euro, abhängig von der Unternehmensgröße und dem Umfang der zu übertragenden Datenbestände.
KI-Strategie und Copilot-Entwicklung
Ein wesentlicher Treiber für die aktuelle Transformation ist die Integration künstlicher Intelligenz. Die Nutzung von Copilot hat sich laut internen Daten verfünfzehnfacht; mehr als eine Million Organisationen setzen das Werkzeug bereits ein. Dennoch zeigen Marktdaten eine differenzierte Akzeptanz: Von den insgesamt 450 Millionen verkauften Microsoft-365-Lizenzen entfallen bisher weniger als 4,5 Prozent auf kostenpflichtige Copilot-Abonnements. Branchenanalysten weisen zudem darauf hin, dass nur etwa 20 bis 30 Prozent der zahlenden Nutzer die KI-Funktionen tatsächlich wöchentlich verwenden.
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Trotz dieser Diskrepanz wächst die Zahl der bezahlten Copilot-Nutzer stetig und liegt nun bei über 30 Millionen, was einer sequenziellen Verdopplung entspricht. In diesem Zusammenhang hat Microsoft zudem den neuen kostenpflichtigen Autopilot-Agenten „Scout“ eingeführt, während experimentelle Formate wie Copilot Podcasts und Labs eingestellt werden.
Änderungen bei Teams, Edge und OneDrive
Auch über die Kernanwendungen hinaus gibt es Anpassungen. Der Teams Live Chat wird bis zum 5. Oktober 2026 eingestellt. Seit dem 6. August 2026 ist die Erstellung neuer Instanzen für neue Mandanten bereits blockiert. Als Alternativen verweist das Unternehmen auf das Dynamics 365 Contact Center oder das Copilot Studio.
Im Bereich des Webbrowsers Edge beginnt ab August 2026 die schrittweise Einstellung von Erweiterungen, die auf dem Manifest V2 basieren. In den Entwicklerversionen Canary, Dev und Beta wird dieser Prozess eingeleitet und soll bis Ende 2026 vollständig abgeschlossen sein. Dies führt unter anderem dazu, dass der Werbeblocker uBlock Origin deaktiviert wird und lediglich die eingeschränkte Lite-Version verfügbar bleibt. Unternehmenskunden erhalten hierfür eine Ausnahmefrist bis Anfang 2027.
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Zuletzt sorgte die Installation von OneDrive Photos für Aufmerksamkeit, die Ende Juli 2026 ohne explizite Zustimmung der Nutzer erfolgte. Nach öffentlicher Kritik kündigte Microsoft an, ab September 2026 eine separate Deinstallationsoption bereitzustellen. Biometrische Daten aus der Gesichtserkennung, die standardmäßig deaktiviert bleibt, werden nach 30 Tagen gelöscht.
Rekordzahlen zum Ende des Geschäftsjahres
Trotz der Umstrukturierungen verzeichnet Microsoft starke Finanzzahlen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz auf 90,0 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das operative Ergebnis legte um 18,3 Prozent auf 40,6 Milliarden US-Dollar zu, während der Nettogewinn mit 35,8 Milliarden US-Dollar ein Wachstum von 31,3 Prozent verzeichnete. Maßgeblich für diesen Erfolg war unter anderem die Cloud-Plattform Azure, die ein Wachstum von 41 Prozent erzielte und nun einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar ausweist. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz zwischen 89,9 und 91,0 Milliarden US-Dollar.
