Microsoft-Klage, Copilot-Erfolg

Microsoft-Klage: Copilot-Erfolg massiv schöngeredet – 3,3% Conversion

13.06.2026 - 21:25:20 | boerse-global.de

Aktionäre verklagen Microsoft wegen angeblicher Schönfärberei des Copilot-Erfolgs. Die Aktie fiel nach schwachen Quartalszahlen und hohen Investitionen.

Microsoft: Milliarden-Sammelklage wegen KI-Erfolgsmärchen
Microsoft-Klage - A legal gavel with glowing circuit patterns, representing a lawsuit against a tech company over AI. Dark and professional. 13.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Der Vorwurf: Das Unternehmen habe den Erfolg seiner KI-Produkte massiv schöngeredet.

Die Anwaltskanzlei Robbins Geller Rudman & Dowd LLP hat die Klage im Auftrag von Anlegern eingereicht, die Microsoft-Aktien zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 28. Januar 2026 erworben haben. Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Copilot-Produktlinie – Microsofts Vorzeige-KI für Büroanwendungen.

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KI-Modelle hinken der Konkurrenz hinterher

Die Klageschrift zeichnet ein düsteres Bild: Microsofts KI-Modelle sollen in Tests hinter denen der Wettbewerber zurückgelegen haben. Hinzu kommen Probleme mit der Markenwahrnehmung, der Benutzerfreundlichkeit und der tatsächlichen Nutzung der Software.

Besonders brisant: Die Conversion-Rate von kostenlosen zu zahlenden Nutzern fiel offenbar deutlich niedriger aus als erwartet. Von rund 450 Millionen gewerblichen Microsoft-365-Kunden sollen lediglich 15 Millionen auf die kostenpflichtige Copilot-Version umgestiegen sein. Das entspricht einer Quote von gerade einmal 3,3 Prozent.

Die Kläger werfen Microsoft zudem vor, Rechenkapazitäten von der Azure-Cloud-Plattform abgezogen zu haben, um die eigene KI-Infrastruktur zu versorgen – mit möglichen negativen Folgen für die Cloud-Performance.

Kapitalausgaben explodieren – Aktie stürzt ab

Der Auslöser für die juristische Auseinandersetzung war eine Finanzmitteilung am 28. Januar 2026. Damals gab Microsoft bekannt, dass die Investitionsausgaben im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 auf 37,5 Milliarden Euro (umgerechnet rund 37,5 Milliarden US-Dollar) gestiegen waren. Gleichzeitig schwächelte das Azure-Wachstum.

Die Folge: Der Aktienkurs brach um rund zehn Prozent ein. Berichte über interne Copilot-Probleme und eine anschließende Umstrukturierung der KI-Abteilungen im Februar und März 2026 setzten den Kurs weiter unter Druck.

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Aktuell notiert die Microsoft-Aktie bei rund 390,74 Euro – ein Minus von 17,4 Prozent seit Jahresbeginn. Zum Vergleich: Der DAX konnte im selben Zeitraum leichte Gewinne verzeichnen.

Analysten bleiben trotzdem optimistisch

Trotz der juristischen Turbulenzen zeigen sich viele Marktexperten weiterhin zuversichtlich. Das Papier handle unterhalb des fairen Werts, heißt es. Analysten prognostizieren für 2029 einen möglichen Umsatz von 510,6 Milliarden Euro und Gewinne von 192,9 Milliarden Euro.

Die Mehrheit der Analysten bleibt bullish: 32 Kaufempfehlungen stehen lediglich zwei Halte-Ratings gegenüber. Die Wells Fargo vergibt ein „Overweight"-Rating mit einem Kursziel von 650 Euro, während Citizens mit einem „Outperform"-Rating und einem Ziel von 550 Euro startet.

NHS setzt weiter auf Copilot

Ungeachtet der juristischen Auseinandersetzungen treibt Microsoft die KI-Expansion im öffentlichen Sektor voran. Der britische National Health Service (NHS) plant, Microsoft 365 Copilot für mehr als 500.000 Mitarbeiter auszurollen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet der Konzern Investitionsausgaben von über 190 Milliarden Euro – ein Großteil davon fließt in den Ausbau der KI-Infrastruktur.

Anleger, die während des Klagezeitraums Verluste erlitten haben, können noch bis zum 11. August 2026 die Rolle des Hauptklägers beantragen. Das Verfahren dürfte sich über Jahre hinziehen – und die Frage beantworten, ob Microsoft seine KI-Strategie zu optimistisch verkauft hat.

de | wissenschaft | 69535890 |