Midjourney vs. Hollywood: Richter soll Studios zur KI-Offenlegung zwingen
03.07.2026 - 22:28:49 | boerse-global.de
Einblick in deren interne Künstliche Intelligenz. Ein Rechtsstreit mit Sprengkraft für die gesamte Branche.
Eskalation im Copyright-Streit
Midjourney hat Anfang Juli 2026 einen Antrag beim zuständigen Bundesgericht eingereicht, der die drei großen Filmstudios zwingen soll, ihre internen KI-Entwicklungen offenzulegen. Konkret fordert das Unternehmen Richter John Kronstadt auf, eine Entscheidung eines Magisterrichters vom Juni zu kippen. Dieser hatte die Beweisermittlung auf öffentlich zugängliche KI-Anwendungen beschränkt.
Die Anwälte von Midjourney argumentieren, dass die internen Geschäftspläne, Trainingsdatensätze und Modellgewichte der Studios direkt für die Verteidigung relevant seien. „Die Studios werfen uns Urheberrechtsverletzungen vor, während sie selbst mit unlizenzierten Daten arbeiten“, so die Kernbotschaft der Rechtsabteilung.
Studios unter Druck
Der Fall begann, als Disney, Universal und Warner Bros. Midjourney wegen angeblich KI-generierter Figuren verklagten. Nun dreht der Anbieter den Spieß um: Er beruft sich auf „Fair Use“ und den Rechtsgrundsatz der „unreinen Hände“ – wer selbst unrechtmäßig handle, könne keine Ansprüche gegen andere geltend machen.
Die Studios wehren sich gegen die Offenlegung. Ihre Argumentation: Interne Forschung und Modellgewichte seien für den ursprünglichen Rechtsstreit irrelevant. Midjourneys Anwalt Bobby Ghajar hält dagegen: „Transparenz darüber, wie diese Unternehmen ihre eigenen Modelle trainieren, ist für ein faires Verfahren unerlässlich.“
New York verschärft Regeln für KI-Werbung
Parallel zum Rechtsstreit verschärft sich die Regulierung. Seit dem 2. Juli 2026 gilt in New York ein Gesetz, das Werbeanzeigen mit KI-generierten Personen klar kennzeichnen muss. Bei Verstößen drohen Strafen von umgerechnet rund 930 Euro für die erste Zuwiderhandlung und bis zu 4.650 Euro für Wiederholungstäter.
Die neuen Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte sind erst der Anfang einer umfassenden Regulierungswelle. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Unternehmen, den Überblick über Fristen und Pflichten des EU AI Acts zu behalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Die Branche wächst rasant: Prognosen zufolge werden die globalen Werbeeinnahmen 2026 um fast neun Prozent steigen.
Neue Regeln für Schauspieler und KI
Seit dem 1. Juli 2026 gelten zudem neue Bestimmungen der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA. Produktionen, die KI-Technologien einsetzen, müssen nun die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Künstler einholen und angemessene Vergütung sowie Nennung sicherstellen.
Internationaler Regulierungstrend
Der Druck auf Tech-Konzerne wächst weltweit. In Großbritannien hat die Wettbewerbsbehörde CMA Google im Juni 2026 angewiesen, objektive Kriterien für die Ranking-Suchergebnisse anzuwenden – auch bei KI-generierten Inhalten. Ein separater Beschluss gibt Verlagen mehr Kontrolle über KI-Zusammenfassungen: Sie können künftig blockieren, dass ihre Inhalte dafür genutzt werden.
Während Behörden weltweit die Transparenzregeln für KI-Modelle verschärfen, müssen Betriebe ihre Compliance-Strategien zügig anpassen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie Haftungsrisiken proaktiv minimieren. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Südkorea zieht nach: Das überarbeitete Netzwerkgesetz tritt am 7. Juli in Kraft und verlangt strengere Prüfstandards für digitale Inhalte. Und Kalifornien setzt seit Jahresbeginn 2026 mit dem Training Data Transparency Act Maßstäbe: Unternehmen müssen offenlegen, mit welchen Datensätzen sie ihre KI-Modelle trainieren.
Der Trend ist eindeutig: Die Ära der unkontrollierten KI-Entwicklung neigt sich dem Ende zu. Midjourneys Vorstoß könnte dabei zum Präzedenzfall werden – nicht nur für Hollywood, sondern für die gesamte Kreativwirtschaft.
