Midnight, Mimosa

Midnight Mimosa: Malware steckt ab Werk in gĂŒnstigen Android-Handys

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 08:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bitdefender fand die vorinstallierte Schadsoftware auf MediaTek-GerÀten in mehr als 150 LÀndern; die Ursache in der Lieferkette bleibt ungeklÀrt.
Nahaufnahme einer komplexen Mikrochip-Platine auf einem industriellen Arbeitstisch. Illustration mit AI erstellt.

Anwenderberichte auf Entwicklerplattformen wie XDA verdeutlichen das Ausmaß einer tief im Betriebssystem verankerten Bedrohung: VerdĂ€chtige Anwendungen tauchen auf betroffenen GerĂ€ten selbst nach einer manuellen Löschung wieder auf.

Beim Modell Doogee Fire 3 Max zeigte sich die Schadsoftware nach einem offiziellen Firmware-Update und ließ sich erst durch das ZurĂŒcksetzen auf eine frĂŒhere Softwareversion beheben. Hinter den VorfĂ€llen steht die Schadsoftware "Midnight Mimosa", die Sicherheitsforscher des Unternehmens Bitdefender in der Firmware tausender preiswerter Android-Smartphones entdeckt haben.

Globale Verbreitung auf GerÀten mit MediaTek-Chips

Laut einem Bericht, den Bitdefender am 8. Oktober 2026 veröffentlichte, erstreckt sich die Kampagne ĂŒber mehr als 150 LĂ€nder. Die Malware wird seit mindestens zwei Jahren beobachtet, wobei die AktivitĂ€ten ĂŒber rund zwei Jahre hinweg nachverfolgt wurden. Zu den am stĂ€rksten betroffenen LĂ€ndern gehören Mexiko, Frankreich und Italien, gefolgt von den USA, Deutschland, Brasilien und Spanien.

Untersuchungen der Sicherheitsforscher ergaben, dass ausnahmslos alle identifizierten infizierten GerĂ€te mit Prozessoren von MediaTek ausgestattet sind, wenngleich nicht jedes gĂŒnstige Modell mit diesen Chips automatisch betroffen ist.

Besonders hĂ€ufig tritt die Infektion bei bestimmten GerĂ€temodellen auf: Das Cubot KINGKONG X macht ĂŒber 11 % der erfassten FĂ€lle aus, wĂ€hrend auf das Doogee S200 X ĂŒber 4 % entfallen.

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Neben regulÀren Budget-Modellen fand sich die Schadsoftware zudem auf gefÀlschten GerÀten, die optisch Modellen wie dem Samsung S24 Ultra, S25 Ultra, S26 Ultra, Note 18 Ultra oder SM-S938B nachempfunden sind. Betroffen sind auch FÀlschungen unter Bezeichnungen wie i17 Pro Max, i16_Pro_Max und 17_Pro_Max im Stil von Apple-GerÀten sowie Nachbauten wie das Honor Magic 15 MAX.

Systemrechte und Umgehung von Google-Scannern

Die Bedrohung operiert ĂŒber spezifische Schadpakete mit den Bezeichnungen com.android.system.lite, com.android.sys.prot, com.android.sys.gmsprot und com.android.sys.bcprot. Um Entdeckungen durch Google-Play-Scanner zu verhindern, nistet sich die Malware direkt in der System-Partition ein und setzt auf plattform-signierte Zertifikate.

Nach Erkenntnissen von Bitdefender wurde die Firmware mit Zertifikaten des chinesischen Unternehmens Shenzhen Zediel signiert. Zudem deaktiviert die Schadsoftware zeitweilig den Google Play Store, um SicherheitsprĂŒfungen ĂŒber Google Play Protect zu unterbinden.

Durch die weitreichenden Systemrechte können HintermĂ€nner aus der Ferne Programmcode ausfĂŒhren, beliebige Anwendungen installieren oder löschen und Berechtigungen eigenstĂ€ndig vergeben. Die gekaperten GerĂ€te lassen sich als sogenannte Residential-Proxys missbrauchen oder fĂŒr verteilte Überlastungsangriffe (DDoS) einspannen. Ein Schwerpunkt der Angreifer liegt auf automatisiertem Werbebetrug ĂŒber unsichtbare Browserfenster und simulierte Klicks.

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Eingriff in die Lieferkette erschwert Bereinigung

Im Rahmen der Kampagne werden mindestens 32 verschiedene Schad-Apps verteilt, darunter vermeintliche Wetterdienste, Dateimanager, Texterkennungsprogramme und Werkzeuge zur Audiobearbeitung. WÀhrend 13 dieser Anwendungen auch im regulÀren Google Play Store gelistet waren und denselben Kontrollserver nutzen, fehlen ihnen dort die tiefgreifenden Systemprivilegien der vorinstallierten Variante.

Ein herkömmliches ZurĂŒcksetzen auf die Werkseinstellungen reicht nicht aus, um die Schadsoftware loszuwerden, da sie fest in der System-Partition verankert bleibt. Eine Bereinigung erfordert laut Bitdefender eine vollstĂ€ndige Neuinstallation einer sauberen Firmware durch den Hersteller oder gezielte Eingriffe ĂŒber die Android Debug Bridge (ADB).

Die Forscher vermuten eine Kompromittierung innerhalb der Lieferkette als Ursache fĂŒr die ab Werk infizierten GerĂ€te; welcher Akteur dafĂŒr verantwortlich ist und auf welcher Stufe die Manipulation erfolgte, bleibt ungeklĂ€rt.

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