MigrÀne: Atogepant senkt Attacken um 64% stÀrker als Topiramat
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachwelt rĂŒcken neue Erkenntnisse zur Behandlung und zum VerstĂ€ndnis chronischer MigrĂ€ne verstĂ€rkt in den Fokus. Ein aktueller Bericht, der Anfang August in Form eines FachgesprĂ€chs mit der Expertin Dagny Holle-Lee veröffentlicht wurde, beleuchtet die KomplexitĂ€t dieser Erkrankung, von der in Deutschland Millionen Menschen betroffen sind. Dabei stehen nicht nur die klassischen Symptome wie Ăbelkeit, Sprachstörungen oder die sogenannte Aura im Mittelpunkt, sondern auch die differenzierte Abgrenzung zu gewöhnlichen Kopfschmerzen sowie praktische AnsĂ€tze fĂŒr den Alltag der Betroffenen.
Besonderheiten der MigrÀne im fortgeschrittenen Alter
Aktuelle Auswertungen italienischer Registerdaten, die im Rahmen des EAN-Kongresses im Jahr 2026 vorgestellt wurden, verdeutlichen signifikante Unterschiede im Krankheitsverlauf je nach Altersgruppe. Bei Patienten ĂŒber 60 Jahren zeigt sich die MigrĂ€ne deutlich hĂ€ufiger in einer chronischen Verlaufsform. WĂ€hrend in dieser Altersgruppe 28 % der Betroffenen unter chronischen Beschwerden leiden, liegt dieser Anteil bei den unter 45-JĂ€hrigen bei 18 %.
Interessanterweise nimmt die IntensitĂ€t der Attacken im Alter leicht ab. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerteten Ă€ltere Patienten ihre Schmerzen im Schnitt mit 7, wĂ€hrend jĂŒngere Betroffene einen Wert von 8 angaben. Auch das Auftreten einer Aura ist bei ĂŒber 60-JĂ€hrigen mit 7 % seltener als bei den unter 45-JĂ€hrigen, bei denen dieser Wert 17 % erreicht. Ein kritisches Ergebnis der Registerdaten betrifft den Medikamentengebrauch: Etwa 50 % der Ă€lteren Patienten neigen zu einem Ăbergebrauch von Schmerzmitteln, im Gegensatz zu 24 % bei den unter 30-JĂ€hrigen. Als primĂ€re Auslöser wurden bei Ă€lteren Menschen vermehrt körperliche Bewegung und Stress identifiziert.
Fortschritte in der medikamentösen PrÀvention
Im Bereich der Pharmakotherapie lieferte die im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlichte Phase-3b-Studie TEMPLE neue Vergleichswerte fĂŒr die MigrĂ€neprĂ€vention. Untersucht wurde die Wirkung von 60 mg Atogepant tĂ€glich im Vergleich zu Topiramat an 545 Teilnehmern aus zwölf LĂ€ndern.
Die Ergebnisse der TEMPLE-Studie sind vielversprechend: Atogepant reduzierte die MigrĂ€netage bei 64% der Patienten um mindestens die HĂ€lfte â und das bei deutlich weniger Nebenwirkungen als Topiramat. Erfahren Sie, welche neuen Optionen es gibt und wie Sie sie im Alltag nutzen. Jetzt kostenlosen MigrĂ€ne-Leitfaden anfordern
Die Ergebnisse bescheinigen Atogepant eine ĂŒberlegene VertrĂ€glichkeit. WĂ€hrend 30 % der Probanden unter Topiramat die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrachen, lag dieser Anteil bei Atogepant lediglich bei 12 %. Auch in der Wirksamkeit zeigten sich deutliche Differenzen: Eine Reduktion der monatlichen MigrĂ€netage um mindestens 50 % erreichten 64 % der Patienten unter Atogepant, gegenĂŒber 39 % in der Vergleichsgruppe.
ZusĂ€tzliche klinische Endpunkte stĂŒtzen diese Beobachtungen. Der HIT-6-Score, der die BeeintrĂ€chtigung durch Kopfschmerzen misst, sank in der Atogepant-Gruppe um 11,7 Punkte (Topiramat: -7,4). Im LebensqualitĂ€tsfragebogen MSQ v2.1 wurden Verbesserungen von 33,5 gegenĂŒber 23,1 Punkten gemessen. Zudem bewerteten 69 % der Patienten ihren Zustand unter Atogepant als âviel besserâ, wĂ€hrend dies bei Topiramat nur auf 37 % der Teilnehmer zutraf.
Real-World-Daten zur Anwendung von Rimegepant
Ăltere MigrĂ€nepatienten greifen oft zu vielen Schmerzmitteln â rund 50% riskieren einen Ăbergebrauch. Dabei gibt es moderne PrĂ€ventionsansĂ€tze, die besser vertrĂ€glich sind. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Ăbergebrauch vermeiden und Ihre Therapie optimieren. Leitfaden gegen MedikamentenĂŒbergebrauch sichern
ErgĂ€nzend zu kontrollierten Studien liegen seit Juli 2026 Daten aus einer Real-World-Studie vor, die im Fachmagazin Cephalalgia veröffentlicht wurden. Die Untersuchung begleitete 150 Patienten mit behandlungsresistenter MigrĂ€ne ĂŒber einen Zeitraum von drei Monaten. Bei einer Einnahme von 75 mg Rimegepant an jedem zweiten Tag sank die Zahl der monatlichen Kopfschmerztage signifikant von durchschnittlich 12 auf 7,5 Tage. Die reinen MigrĂ€netage reduzierten sich von 10 auf 6 Tage.
Laut der Studie erreichten 36 % der Teilnehmer eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Kopfschmerztage, bei den MigrĂ€netagen lag dieser Wert bei 43 %. Eine vollstĂ€ndige Remission wurde bei 11 % der Probanden beobachtet. Als hĂ€ufigste Nebenwirkungen traten Ăbelkeit (13 %) und Verstopfung (8 %) auf, wobei die Abbruchrate mit 7 % auf eine insgesamt gute Akzeptanz der Therapie hindeutet.
