Mikrobiom und MS: Schutzbaakterie Akkermansia massiliensis entdeckt
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle bei Autoimmunerkrankungen. Neue Studien zeigen: Bestimmte Bakterien schützen vor MS – andere lösen sie aus.
Schutzbakterium entdeckt
Forscher identifizierten Akkermansia massiliensis als potenziellen Schutzfaktor gegen Multiple Sklerose. Die Studie aus Genes & Immunity (Juli 2026) zeigt: Ein niedriger Spiegel dieses seltenen Bakteriums im Darm erhöht das MS-Risiko.
Der Mechanismus hängt mit dem FcRL3-Gen zusammen. Eine Genvariante, die dessen Aktivität senkt, erhöht FcRL5 und senkt gleichzeitig die Akkermansia-Konzentration. Kompliziert wird es durch antagonistische Pleiotropie: Derselbe Signalweg könnte bei Lupus, rheumatoider Arthritis oder Morbus Basedow das Gegenteil bewirken.
Überraschende Wirkung von MS-Therapien
Die Universität Bonn entdeckte einen unerwarteten Effekt von Ocrelizumab. Die B-Zell-Depletionstherapie mobilisiert regulatorische B-Zellen aus dem Darm ins zentrale Nervensystem. Dort setzen sie schützende Faktoren frei, die Entzündungen im Gehirn dämpfen.
Höhere Konzentrationen dieser Faktoren bedeuten bessere Behandlungserfolge. Allerdings warnte der Hersteller vor seltenen Leberfunktionsstörungen nach der ersten Infusion.
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Gute und böse Darmbewohner
Die Forschung unterscheidet zunehmend zwischen schützenden und schädlichen Bakterien. Während Akkermansia massiliensis schützt, identifizierten Wissenschaftler in PNAS (April 2025) Lachnospiraceae als mögliche MS-Auslöser. In Versuchen mit keimfreien Mäusen lösten diese Bakterien MS-ähnliche Symptome aus.
Auch bei Lupus gibt es einen Verdächtigen: Ruminococcus gnavus. Die NYU Langone Health fand im Juli 2026 heraus, dass das Bakterium über den TLR2-Rezeptor eine Lupus-Nephritis auslösen kann. Bei etwa der Hälfte der untersuchten Lupus-Patienten war es stark vertreten.
Nebenwirkungen: Gewichtsverlust
Die Gattung Akkermansia hat noch ein weiteres Talent. Eine klinische Studie in Nature Medicine testete pasteurisiertes Akkermansia muciniphila an 90 übergewichtigen Probanden. Nach einer achtwöchigen Diät und 24-wöchiger Erhaltungsphase nahm die Bakterien-Gruppe nur 1,2 Kilogramm wieder zu – die Placebogruppe 3,2 Kilogramm. Rund 40 Prozent der Behandelten verloren sogar weiter an Gewicht.
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Nature Microbiology (Juli 2026) zeigt zudem: Das Bakterium nutzt spezifische Sulfatasen zum Mucin-Abbau im Dickdarm. Forscher konnten in Tierversuchen bereits ein KI-entwickeltes Peptid namens LR testen, das die Darmbarriere stärkt und Akkermansia-Wachstum fördert.
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