Millionen snoozen täglich: Was die Forschung wirklich dazu sagt
13.05.2026 - 22:33:18 | boerse-global.deLange galt Snoozen als schädlich. Doch aktuelle Studien zeichnen ein differenzierteres Bild.
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Studie mit 21.000 Nutzern: 56 Prozent snoozen regelmäßig
Eine groß angelegte Untersuchung des Brigham and Women’s Hospital in Boston erschütttert alte Gewissheiten. Die Forscher um Rebecca Robbins analysierten im Frühjahr 2025 die Gewohnheiten von über 21.000 Smartphone-Nutzern. Die Auswertung von mehr als drei Millionen Schlafphasen brachte klare Zahlen: Rund 56 Prozent aller untersuchten Nächte endeten mit einer Snooze-Phase.
Das Problem liegt in den frühen Morgenstunden. Dieser Zeitraum ist besonders reich an REM-Schlaf – der Phase, in der wir träumen und das Gehirn Erlebnisse verarbeitet. „Das wiederholte Auslösen des Alarms fragmentiert diese wichtigen Schlafstadien“, erklärt Robbins. Statt eines konsolidierten Schlafblocks erleben Snoozer kurze, oberflächliche Intervalle, die kaum zur Erholung beitragen.
Die Daten zeigen: Regelmäßige Snoozer verbringen im Schnitt elf Minuten länger im Bett – klagen aber häufiger über Tagesmüdigkeit. Bei Viel-Snoozern, die an über 80 Prozent der Morgen die Taste drücken, liegt der Zeitverlust durch Unterbrechungen bei durchschnittlich 20 Minuten pro Tag.
Ăśberraschende Wende: Snoozen kann kognitive Leistung verbessern
Entgegen der pauschalen Kritik liefert eine Studie der Universität Stockholm überraschende Ergebnisse. Tina Sundelin veröffentlichte ihre Forschung Ende 2023 im Journal of Sleep Research. Das Team befragte 1.732 Erwachsene und führte eine Laborstudie mit 31 regelmäßigen Snoozern durch.
Die Erkenntnis: Eine Snooze-Dauer von 30 Minuten kann die kognitive Leistung unmittelbar nach dem Aufstehen verbessern. Probanden mit einer halben Stunde Schlummerzeit schnitten in Tests zu Rechengeschwindigkeit und Gedächtnis besser oder zumindest nicht schlechter ab als nach abruptem Wecken.
Sundelin erklärt den Effekt so: Das Snoozen ermöglicht das Aufwachen aus einer leichteren Schlafphase – statt aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden. Während der 30-minütigen Snooze-Zeit fanden im Schnitt noch 20 Minuten echter Schlaf statt. Die Gesamtschlafzeit reduzierte sich dadurch nur geringfügig.
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Chronotypen im Visier: Wer snoozt und warum?
Stephen Mattingly von der University of Notre Dame veröffentlichte 2022 im Fachmagazin SLEEP eine Studie mit Fokus auf die demografischen Profile von Snoozern. Anhand von 450 Vollzeitbeschäftigten zeigte sich: 57 Prozent snoozten gewohnheitsmäßig. Besonders betroffen: Frauen, jüngere Menschen und sogenannte Spättypen – Nachteulen.
Mattingly beobachtete, dass Snoozer insgesamt einen höheren Ruhepuls aufwiesen und ihr Schlaf häufiger gestört war. Ein zentraler Aspekt ist die sogenannte Schlafträgheit – jener Zustand der Benommenheit nach dem Aufwachen.
Während die Stockholmer Studie zeigt, dass Snoozen die kognitiven Symptome der Schlafträgheit kurzfristig mildern kann, warnen andere Experten vor hormonellen Folgen. Der natürliche Aufwachprozess ist mit einem Cortisol-Anstieg verbunden, der den Körper auf den Tag vorbereitet. Wiederholte Alarme können diesen Prozess stören.
In der Fachwelt wird diskutiert, ob die Verwirrung der inneren Uhr langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen erhöhen könnte. Der Grund: Der Körper wird ständig zwischen Schlaf- und Wachimpulsen hin- und hergerissen.
Zwischen Alltagspragmatismus und Schlafhygiene
Die Diskrepanz zwischen der Robbins-Studie (2025) und der Sundelin-Untersuchung (2023) verdeutlicht: Die Auswirkungen des Snoozens hängen stark von der individuellen Ausgangslage ab. Massendaten aus dem Alltag deuten auf eine Verschlechterung der Schlafqualität durch Fragmentierung hin. Die kontrollierte Laborumgebung zeigt dagegen, dass gesunde, regelmäßige Snoozer kurzfristig von einem sanfteren Übergang profitieren können.
Wirtschaftlich betrachtet hat das Phänomen erhebliche Relevanz. Produktivitätseinbußen durch Schlafträgheit und chronischen Schlafmangel sind für Unternehmen ein bekannter Faktor. Besonders Abendtypen neigen in einer Arbeitswelt mit frühen Startzeiten zum Snoozen – ein Hinweis auf „Social Jetlag“. Diese Menschen nutzen die Schlummertaste oft nicht aus Bequemlichkeit, sondern als Kompensationsmechanismus für chronische Erschöpfung.
Schlafmediziner betonen daher: Das Snoozen ist häufig nur ein Symptom für ein tieferliegendes Problem – den Mangel an ausreichendem, qualitativ hochwertigem Gesamtschlaf.
Personalisierte Weckstrategien als Ausblick
Für die Zukunft erwarten Experten eine stärkere Individualisierung der Aufwachroutine durch Technologie. Die Forschung zeigt: Starre Weckzeiten und Standard-Snooze-Intervalle von neun Minuten – ein historisches Relikt mechanischer Wecker – sind nicht für jeden optimal. Intelligente Wecksysteme nutzen Wearables oder Sensoren, um den Nutzer in einer phase des leichten Schlafs zu wecken.
Klinische Empfehlungen für 2026 konzentrieren sich darauf, den Wecker so spät wie möglich zu stellen und dann sofort aufzustehen. Falls das Snoozen unverzichtbar erscheint, raten Fachleute dazu, das Intervall auf maximal 20 bis 30 Minuten zu begrenzen. Langfristig bleibt das Ziel der Schlafmedizin jedoch die Verbesserung der allgemeinen Schlafhygiene – um die Abhängigkeit von der Schlummertaste zu verringern und eine natürliche, erholsame Nachtruhe zu fördern.
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