Wildbienen, Insektenhotels

Wildbienen brauchen mehr als Insektenhotels

16.05.2024 - 13:12:50

Mindestens die HÀlfte der Wildbienenarten in Deutschland ist gefÀhrdet, warnt eine Expertin. Es fehle an Futterpflanzen und NistplÀtzen. Im Garten eines PensionÀrs in Hessen ist beides reichlich vorhanden.

Am sonnigen Hang im Garten von PensionĂ€r Karsten Klenke summt und brummt es an diesem warmen FrĂŒhlingstag. Es sind zahlreiche Wildbienen unterwegs - darunter Pelzbienen, Sandbienen und Mauerbienen. Der ehemalige Polizist und Hobby-Biologe hat auf seinem GrundstĂŒck mit vielen verschiedenen BlĂŒhpflanzen ein Insektenparadies geschaffen. An der Hauswand hĂ€ngen Nisthilfen aus Holz oder Lehm.

Diese UnterstĂŒtzung ist fĂŒr die Insekten enorm wichtig - denn: «In Deutschland sind mindestens die HĂ€lfte der Wildbienenarten gefĂ€hrdet und das wird momentan durch den Klimawandel nicht besser», sagt die Biologie-Professorin Alexandra-Maria Klein von der UniversitĂ€t Freiburg mit Blick auf den Weltbienentag am 20. Mai. Neben einem Mangel an Futterpflanzen und fehlenden Nistmöglichkeiten setzten den Tieren Pestizide und die teils extremen Wetterbedingungen zu. Pestizide sind Mittel gegen BeikrĂ€uter, Schadinsekten und Pilzkrankheiten an Nutzpflanzen.

Erdhummeln lassen sich gut beobachten

In Deutschland gibt es nach Angaben von Klein rund 570 Wildbienenarten. Wenn man in der Natur unterwegs ist und welche sehen möchte, dann hat man die besten Chancen bei Erdhummeln oder auch Steinhummeln mit ihrem markanten roten Po. Diese Hummeln leben in sogenannten Staaten zusammen, was eine Sichtung wahrscheinlicher macht. Die Mehrzahl der ĂŒbrigen Wildbienen lebt alleine, wie etwa die recht verbreitete Rote Mauerbiene.

Da viele Wildbienenarten im Boden nisten, seien die weitverbreiteten Bienenhotels nur fĂŒr weniger als zehn Prozent der Arten ein Angebot, sagt die Professorin fĂŒr Naturschutz und Landschaftsökologie. «BienenhĂ€uschen können allerdings sehr hilfreich sein bei der Bildungsarbeit.» Bei aufklappbaren Modellen lasse sich gut zeigen, was die Bienen und die Larven machen.

Honigbiene bleibt bei schlechtem Wetter im Stock

Bei der BestĂ€ubung fĂŒllen Wildbienen die Nischen aus, die von den Honigbienen nicht besetzt werden. «Die Honigbiene ist ja hochkomplex. Wenn morgens eine Arbeiterin aus dem Stock fliegt und merkt: 'Pfff, es ist zu kalt', dann sagt sie ihren Schwestern Bescheid: 'Geht bloß nicht raus heute.' Dann fliegen diese Bienen nicht.» Aber viele Wildbienen seien schon frĂŒh im Jahr und auch bei ungĂŒnstigen Wetterbedingungen unterwegs. «Die können es sich gar nicht leisten, in ihrem Haus zu bleiben. Sie leben ja alleine.»

Damit Wildbienen ĂŒberleben können, seien vielfĂ€ltige LebensrĂ€ume wichtig, bekrĂ€ftigt die Professorin. «Jeder, der einen Garten oder einen Balkon hat, kann eine BlĂŒhwiese fĂŒr Bienen und andere Insekten wachsen lassen.»

Der Biologe Johann-Christoph Kornmilch hat in einem bundesweiten Pilotprojekt erforscht, was Wildbienen hilft. Demnach seien in der Landwirtschaft solche BlĂŒhstreifen sinnvoll, die mit ihren Pflanzenarten an heimische Bienen angepasst sind. Auch große, extra angelegte NisthĂŒgel hĂ€tten sich bewĂ€hrt.

«Ich wĂŒnschte mir ein bundesweites Sicherungsnetz fĂŒr Bienen», sagt der Experte. Daran könnten sich etwa Gemeinden oder Landwirte beteiligen und fĂŒr bienenfreundliche Strukturen sorgen, ĂŒber die sich die Tiere auch verbreiten können. In den StĂ€dten helfe schon, wenn beim MĂ€hen die BlĂŒhzeit abgewartet werde, sagt Kornmilch.

«Wildbienen sind einfach unglaublich schön»

Da die verschiedenen Wildbienenarten das ganz Jahr unterwegs sind, sei es wichtig, dass immer etwas blĂŒht, betont Hobby-Forscher Klenke. «Ich fördere die Mannigfaltigkeit», sagt der 77-JĂ€hrige, der in seinem Garten rund 38 Arten gezĂ€hlt hat. Reger Flugbetrieb herrscht an steinernen Trögen, in denen Wildbienen an zahlreichen Erdlöchern ein- und ausfliegen. Auch Klenke sieht den Verlust von Lebensraum als grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr Wildbienen. Durch reine Graswirtschaft auf vielen Feldern fehlten immer mehr Futterpflanzen, die Nektar und Pollen anbieten.

Klenke eignete sich im Laufe der Jahre Fachwissen an, nachdem er sich schon in jungen Jahren fĂŒr Bienen und Hummeln interessiert hatte. Auch Professorin Klein ist von ihren Forschungsobjekten fasziniert. Jeden Tag beobachte man etwas Neues, es gebe wahnsinnig viel zu entdecken, sagt sie. «Und wenn man sie sich etwas grĂ¶ĂŸer anschaut oder sie fotografiert, merkt man: Wildbienen sind einfach unglaublich schön.»

@ dpa.de