Minerva Humanoids: 10 Millionen Dollar fĂŒr Roboter gegen Hochrisiko-EinsĂ€tze
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das in San Francisco ansĂ€ssige Robotik-Startup Minerva Humanoids hat das Ende seiner bisherigen Entwicklungsphase unter Ausschluss der Ăffentlichkeit bekannt gegeben. Das Ende 2025 gegrĂŒndete Unternehmen sicherte sich in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde rund 10 Millionen US-Dollar.
Mit dem frischen Kapital soll die Entwicklung humanoider Roboter vorangetrieben werden, die speziell fĂŒr gefĂ€hrliche industrielle und behördliche Aufgaben wie BombenentschĂ€rfung und Arbeiten auf Bohrinseln konzipiert sind.
Kapital fĂŒr Prototypen und semi-autonome Systeme
AngefĂŒhrt wurde die Finanzierungsrunde von der Risikokapitalgesellschaft General Catalyst, zusammen mit den Co-Lead-Investoren Long Journey Ventures und Credo Ventures. Zu den weiteren Geldgebern gehören MVP Ventures, Kaya, RunwayVC, Compound, Founders Embassy, Hugging Face, Codecademy, YG, Walter Ventures, Tiny Ventures, Chaotica und Babylon. Zudem beteiligten sich Business Angels wie Thomas Wolf von Hugging Face und Laura Modiano von OpenAI.
Das Unternehmen plant, die Mittel fĂŒr die Finalisierung der Prototypen sowie den Ausbau semi-autonomer FĂ€higkeiten zu verwenden. Eine weitere Finanzierungsrunde sei bereits zeitnah vorgesehen, wĂ€hrend die Skalierung der industriellen Fertigung fĂŒr das kommende Jahr angestrebt wird.
Geleitet wird das Startup von CEO Sandor Felber, einem frĂŒheren Mitarbeiter von MIT CSAIL und dem Optimus-Programm von Tesla, sowie CTO Maurice Rahme, der zuvor sechs Jahre bei Boston Dynamics am Robotermodell Stretch gearbeitet hat. Als erster Ingenieur stieĂ Ali Kuwajerwala zum Kernteam.
Spezialisierter Roboter fĂŒr extreme Arbeitsumgebungen
Das System namens âRogerâ unterscheidet sich von allgemeinen Servicerobotern durch seinen Fokus auf Hochrisikobereiche. Vom ersten Konzept bis zum gehenden Modell vergingen laut Unternehmensangaben fĂŒnf Monate. Bislang existieren drei Prototypen der Serie Roger 1 bis 3, darunter ein voll funktionsfĂ€higer elektromagnetischer Prototyp.
Gesteuert wird die Maschine ĂŒber ein Virtual-Reality-Headset, wĂ€hrend die Softwareplattform namens âMinerva Intelligenceâ Aufgaben wie Balance, Navigation und das Wiederaufrichten nach StĂŒrzen eigenstĂ€ndig regelt.
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Das Erlernen der Bedienung soll lediglich wenige Minuten in Anspruch nehmen. Als KernmĂ€rkte nennt Minerva Humanoids die Onshore- und Offshore-Ăl- und Gasindustrie, KampfmittelrĂ€umdienste (Explosive Ordnance Disposal, EOD), den Gefahrgutbereich sowie Sicherheitsaufgaben an GroĂflughĂ€fen.
Das Startup verweist darauf, dass jÀhrlich schÀtzungsweise 7.000 BeschÀftigte im Energiesektor im Dienst sterben. Diese SchÀtzung beruht auf Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 330.000 tödlichen ArbeitsunfÀllen bei 3,46 Milliarden weltweiten ArbeitskrÀften, umgelegt auf die von der Internationalen Energieagentur (IEA) bezifferte Energiebelegschaft von 76 Millionen Menschen.
Auch intern unterstreicht das Unternehmen diesen Sicherheitsanspruch: Die KonferenzrÀume am Standort San Francisco sind nach IndustrieunfÀllen wie Tschernobyl, Deepwater Horizon und Piper Alpha benannt, wo 1988 bei einer Nordsee-Bohrplattform-Explosion 167 Menschen ums Leben kamen.
CEO Felber betonte dazu, dass solche Spezialsysteme zwar mehr als herkömmliche Konsumentenroboter kosteten, aber deutlich weniger als ein Menschenleben.
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Westliche Lieferketten und behördliche Tests
Minerva Humanoids teilt seine AktivitĂ€ten geografisch auf: Die Software- und KI-Entwicklung erfolgt in den USA, wĂ€hrend die Fertigung der Hardware und Prototypen in Stuttgart angesiedelt ist. Die spĂ€tere Produktion soll ausschlieĂlich in Deutschland und den USA erfolgen, wobei bewusst auf Einzelkomponenten aus chinesischer Fertigung verzichtet wird.
Robin Dechant, Partner bei General Catalyst, verwies in diesem Zusammenhang auf die wachsende Bedeutung souverÀner westlicher Robotik vor dem Hintergrund des chinesischen Branchenschwerpunkts.
Erste bezahlte Pilotprojekte sollen im Herbst beginnen. Bisher prÀsentierte das Startup das System beim NATO EOD Centre of Excellence im slowakischen Samorin. Zudem laufen Tests mit dem FBI sowie NATO DIANA, und ein Pilotvorhaben mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium ist vorgesehen. On-Site-Erprobungen finden bereits an zwei der zehn verkehrsreichsten FlughÀfen statt.
Forschungsseitig bestehen Kooperationen mit der MBZUAI fĂŒr Energieanwendungen sowie der University of Waterloo fĂŒr Sichtsysteme bei Rauch, Dunkelheit und SensorausfĂ€llen. Technische Eckdaten zu Traglast, Akkulaufzeit, Geschwindigkeit, Genauigkeit oder Latenz wurden bisher ebenso wenig veröffentlicht wie konkrete Kundennamen.
