Minneapolis, Robotaxis

Minneapolis: Robotaxis nur mit Fahrer – Stadt regelt Arbeitsplatzschutz

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Minneapolis prüft eine Robotaxi-Verordnung mit menschlicher Aufsicht und Mindestlohn, während autonome Dienste den Druck auf Fahrer erhöhen.

Minneapolis plant strenge Regeln für Robotaxis mit Sicherheitsbegleiter
Eine leere, regennasse Straßenkreuzung in Minneapolis bei Dämmerung, die die städtische Atmosphäre der Regulierungsdebatte einfängt. Illustration mit AI erstellt.

Der Stadtrat von Minneapolis prüft eine neue Verordnung, die den Einsatz autonomer Fahrzeuge im kommerziellen Sektor streng reglementieren soll. Die Initiative mit dem Titel „Workers Drive Minneapolis“ sieht vor, dass Robotaxis künftig nur dann eine städtische Lizenz erhalten, wenn sie mit einem menschlichen Sicherheitsbegleiter besetzt sind. Damit reagiert die Kommunalpolitik auf Befürchtungen über massive Arbeitsplatzverluste im Fahrdienstsektor.

Menschliche Aufsicht und Mindestlohn als Kernforderungen

Der von den Stadträten Wonsley, Osman, Chavez und Chowdhury vorgelegte Entwurf zielt darauf ab, für kommerzielle Robotaxis einen lizenzierten Fahrer im Fahrersitz vorzuschreiben. Dieser sogenannte „Human Safety Monitor“ muss jederzeit Zugriff auf Lenkung, Bremse und Gas haben.

Zudem soll für diese Position ein Mindestlohn gelten. Die Verordnung würde Anbieter wie Waymo, Tesla und Zoox dazu verpflichten, städtische Lizenzen zu erwerben, während der reine Fernbetrieb der Fahrzeuge untersagt bliebe.

Nach Angaben der Initiatoren betrifft die Regelung potenziell über 10.000 Rideshare-Fahrer in der Region. Da der Bundesstaat Minnesota derzeit über keine eigene Regulierung für autonome Fahrzeuge (AV) verfügt und ein entsprechender Vorstoß auf Staatsebene im Jahr 2026 scheiterte, übernimmt die Stadt hier eine Vorreiterrolle.

Anhörungen zu dem Vorhaben sind für den 22. und 29. September 2026 geplant, eine Abstimmung könnte am 1. Oktober 2026 folgen. Das Inkrafttreten ist für Oktober 2027 vorgesehen.

Wirtschaftlicher Druck auf die Gig-Economy

Hintergrund der strengen Regulierungsvorschläge sind Daten zur wirtschaftlichen Auswirkung autonomer Flotten auf menschliche Fahrer. In Atlanta, wo Waymo seit Juni 2025 vollautonom operiert, berichten Fahrer von Uber und Lyft über monatliche Einkommensrückgänge zwischen 15 und 25 Prozent.

Marktanalysen von Gridwise Analytics stützen diese Beobachtungen: Im vierten Quartal 2025 sank die Zahl der Fahrten pro Stunde in Märkten mit aktiven Robotaxi-Diensten um 5,3 Prozent, während der landesweite Rückgang lediglich bei 2,6 Prozent lag.

In Los Angeles verzeichneten die Stundenlöhne der Fahrer ein Minus von 3,7 Prozent, in San Francisco sank der Verdienst um 1,7 Prozent. Die Gewerkschaft der Rideshare-Fahrer in Atlanta schlug vor diesem Hintergrund bereits eine Sonderabgabe von 0,50 bis 1,00 US-Dollar pro Robotaxi-Fahrt vor, um einen Umschulungsfonds für betroffene Beschäftigte zu finanzieren.

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Strategische Neuausrichtung der Mobilitätskonzerne

Während Städte wie Minneapolis regulierend eingreifen, treiben Mobilitätskonzerne die Automatisierung weiter voran. Waymo testet bereits seit November 2025 die sechste Generation seiner Technologie unter winterlichen Bedingungen in Minneapolis, bislang jedoch ohne Passagiere.

Bis März 2026 verzeichnete das Unternehmen in zehn US-Städten rund 500.000 wöchentliche Fahrten. Die Sicherheitsbilanz zeigt laut Branchenberichten 90 Prozent weniger Unfälle mit Schwerverletzten über eine Distanz von 127 Millionen autonomen Meilen.

Lyft weitete sein Angebot Anfang September 2026 aus und bietet in Nashville nun Waymo-Fahrten direkt über die eigene App an. In diesem Zusammenhang soll im Oktober 2026 ein Wartungsdepot eröffnen, in dem etwa die Hälfte der über 70 Vollzeitstellen mit ehemaligen Lyft-Fahrern besetzt werden soll. Konkurrent Uber verfolgt ebenfalls eine konsequente Strategie in Richtung Autonomie.

In einem internen Memo von Anfang September 2026 gab das Unternehmen die Streichung von etwa 3.300 Stellen in der Verwaltung bekannt, wobei der CEO das Ziel einer autonomen Zukunft bekräftigte. Uber meldete zuletzt einen Quartalsumsatz von 14,2 Milliarden US-Dollar und ein Plus beim operativen Gewinn von 30 Prozent.

Nationale Strategie und regulatorische Hürden

Auch auf Bundesebene gewinnt das Thema an Bedeutung. US-Verkehrsminister Sean Duffy stellte am 9. September 2026 eine nationale Strategie für automatisierte Fahrzeuge für die Fiskaljahre 2026 bis 2030 vor. Diese priorisiert die Sicherheit und regulatorische Eindeutigkeit, um die US-Innovation zu fördern. Gleichzeitig prüfen Behörden wie die NHTSA Sicherheitsdefekte bei autonomen Systemen.

Neben arbeitsrechtlichen Fragen rücken auch Anforderungen an die Barrierefreiheit in den Fokus. In Las Vegas, wo Waymo im August 2026 die Genehmigung für den Einsatz von 1.000 fahrerlosen Fahrzeugen erhielt, wurde Ende August Einspruch gegen den Betrieb eingelegt.

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In Atlanta melden Uber- und Lyft-Fahrer seit dem Waymo-Start Einkommensrückgänge von 15 bis 25 Prozent – und Minnesota hat bislang keine eigene AV-Regulierung. Wenn Sie als Kommunalpolitiker oder Gewerkschafter den Arbeitsplatzschutz jetzt verbindlich regeln wollen, liefert Ihnen dieser Leitfaden die entscheidenden Hebel. Checkliste Arbeitsplatzschutz Gig-Economy jetzt anfordern

Der Vorwurf lautet, dass gesetzliche Anforderungen an barrierefreie Fahrzeuge nicht ausreichend erfüllt seien. Ein Sprecher von Waymo erklärte dazu, dass das Unternehmen die entsprechenden Vorgaben erfüllen werde.

Analysten von S&P Global gehen davon aus, dass eine wirtschaftliche Parität zwischen autonomen Systemen und menschlichen Fahrdiensten erst um das Jahr 2040 erreicht wird. Bis dahin bleibt das Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz bestehender Arbeitsverhältnisse ein zentrales Thema für kommunale und nationale Gesetzgeber.

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