Mittelstands-Initiative, KI-Integration

Mittelstands-Initiative startet: KI-Integration für Handwerksbetriebe

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 14:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Handwerk setzt verstärkt auf KI: Neue Online-Plattform gestartet, Ausbildungszahlen steigen und Unternehmen investieren in digitale Lösungen.

KI im Handwerk: Neue Plattform und steigende Ausbildungszahlen
Ein Handwerker nutzt ein Tablet mit digitalen Einblendungen in einer modernen Werkstatt, um KI im Handwerk zu symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk hat eine neue Online-Plattform in Betrieb genommen, die speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Betriebe zugeschnitten ist. Das digitale Angebot bündelt die Ergebnisse der sogenannten Digitalisierungswerkstatt, die über den Zeitraum von April 2025 bis April 2026 durchgeführt wurde. Die Initiative richtet sich an mehr als 1.000 Handwerksbetriebe und stellt praxisnahe Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) in den Mittelpunkt.

Das Informationsangebot umfasst neben Vorträgen und Workshops auch konkrete Anwendungsbeispiele, die den Einstieg in die KI-Technologie erleichtern sollen. Ziel der Plattform ist es, den Betrieben aufzuzeigen, wie technologische Neuerungen den Arbeitsalltag effizienter gestalten können, ohne dabei den Kern des Handwerks zu verdrängen.

KI als Faktor für die Attraktivität der Ausbildung

Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres rückt die Rolle von KI im Handwerkssektor verstärkt in den Fokus. Handwerkspräsident Jörg Dittrich unterstrich in diesem Zusammenhang, dass der Einsatz moderner Technologien den Wirtschaftszweig für junge Menschen attraktiver mache. Er stellte jedoch klar, dass KI zwar administrative und planerische Tätigkeiten unterstützen, aber handwerkliche Kernaufgaben wie das Eindecken eines Daches oder die Installation einer Wärmepumpe nicht ersetzen könne.

Die Relevanz der Technologie für die Berufswahl zeigt sich bereits in der Praxis. In Ostbrandenburg verzeichneten die Kammern bis Ende Juni 2026 insgesamt 454 neue Ausbildungsverhältnisse im Handwerk, was einem Zuwachs von 25 Stellen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch in der Hauptstadt zeigt sich eine Trendwende: Carola Zarth, Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, meldete für das Jahr 2025 ein Plus von über 500 vergebenen Ausbildungsplätzen gegenüber dem Vorjahr. Als Grund für diesen Trend nannte sie unter anderem die Suche junger Menschen nach zukunftssicheren Berufen, in denen KI als unterstützendes Werkzeug fungiert. Ein Beispiel hierfür ist der 19-jährige Corbinian Fuchs, der ein duales Studium abbrach, um eine Handwerkslehre zu beginnen, da er eine Übernahme seiner bisherigen Finanz-Tätigkeit durch KI befürchtete.

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Branchenlösungen und technologische Fortschritte

Die technologische Entwicklung im Sektor schreitet unterdessen schnell voran. Das Bielefelder Unternehmen Label Software hat seine Betriebssoftware Labelwin sowie die zugehörige mobile Anwendung um einen KI-Assistenten erweitert. Dieser kann über Sprache oder Text gesteuert werden und übernimmt Verwaltungsaufgaben wie das Anlegen von Kundendienstaufträgen oder Adressdaten.

Ähnliche Fortschritte meldet die Wave Trockensysteme GmbH, die das KI-basierte Steuerungssystem „Brain“ von Interkey nutzt. Techniker können die Anlagen hierbei in natürlicher Sprache beschreiben, statt komplexen Programmiercode verwenden zu müssen. Dies habe die Entwicklungszeit von 12 auf 2 Wochen reduziert. Das System soll ab dem dritten Quartal 2026 verfügbar sein und arbeitet offline, was den Datenschutzanforderungen entgegenkommt.

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Marktdaten und Herausforderungen

Trotz des technologischen Potenzials besteht in der Breite noch Spielraum. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nutzen aktuell 40 % der deutschen Unternehmen KI, was einem Anstieg von 118 % seit dem Jahr 2024 entspricht. Bemerkenswert ist, dass auch kleine Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern fast diesen Wert erreichen. Dennoch verzichten 60 % der Unternehmen bislang auf den Einsatz. Als Hauptgründe wurden fehlende Relevanz (61 %), mangelnde Kapazitäten (34 %) und Datenschutzbedenken (29 %) angeführt. Parallel dazu stieg der Anteil der Stellenanzeigen mit KI-Anforderungen von 10 % im Zeitraum 2019/22 auf 17 % im Jahr 2025.

Auch auf politischer Ebene werden neue Weichen gestellt. Am 30.07.2026 starteten das Bundesdigitalministerium und der Verband Databund die „Mittelstands-Initiative“, um die Expertise der mittelständischen IT-Branche stärker in die Verwaltungsdigitalisierung einzubinden. Zudem hat die Plattform Industrie 4.0 unter der Leitung von Siemens und TRUMPF Anfang Juli beschlossen, ihren Fokus verstärkt auf industrielle KI und den Aufbau eines entsprechenden Ökosystems für den Mittelstand zu legen. Ein erster Arbeitsplan hierzu soll bis September 2026 vorgelegt werden.

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