Mütter nach der Geburt: Körperliche Aktivität sinkt im ersten Jahr um 24 Prozent
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 16:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Förderung der psychischen Gesundheit durch gezielte Bewegungsprogramme gewinnt in der aktuellen fachlichen Debatte zunehmend an Bedeutung. Experten und verschiedene Initiativen betonen, dass regelmäßige körperliche Aktivität nicht nur die physische Leistungsfähigkeit steigert, sondern eine essenzielle Säule für die mentale Fitness, das emotionale Wohlbefinden und die soziale Teilhabe darstellt. Dies betrifft alle Altersstufen von Kindern bis hin zu Senioren.
Regionale und internationale Bewegungsinitiativen
Ein Beispiel für die Umsetzung dieser Erkenntnisse ist die landesweite Wanderaktion „Samen buiten“, die im Rahmen der Initiative „Walk of Life“ vom 10. bis 12. Oktober 2026 an über 100 Orten in den Niederlanden stattfindet. Der Auftakt am 10. Oktober fällt bewusst mit dem World Mental Health Day zusammen.
In Katwijk aan Zee werden in diesem Zeitraum kostenfreie, fünf Kilometer lange Morgen-Wanderungen angeboten. Das Projekt, das 2024 ins Leben gerufen wurde, richtet sich an Personen zwischen 18 und 100 Jahren und wird von Organisationen wie Nature For Health und De Groene GGZ unterstützt.
Auch in Deutschland gibt es verstärkt niederschwellige Angebote zur Förderung der Gemeinschaft. In Frankfurt am Main hat sich seit dem Sommer 2026 ein wöchentlicher Spazierclub etabliert, der ohne Anmeldung kostenfreie Rundgänge anbietet.
In Schwerin finden bereits seit zwei Jahren organisierte Single-Spaziergänge für die Altersgruppe über 60 Jahre statt. Ziel dieser Initiativen ist es, soziale Isolation zu verringern und durch moderate Bewegung den Austausch zu fördern.
Medizinische Forschung und therapeutische Ansätze
Aus medizinischer Sicht unterstreicht Richard Crevenna von der Medizinischen Universität Wien die Bedeutung von Krafttraining als Ergänzung zum Ausdauersport. Die Skelettmuskulatur fungiere als wichtiges Stoffwechselorgan, welches die Glukoseaufnahme und Insulinsensitivität verbessere.
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Besonders für Frauen ab der Menopause sei progressives Krafttraining wertvoll, um dem beschleunigten Knochenmasseverlust entgegenzuwirken. Die allgemeinen Empfehlungen sehen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche sowie Kräftigungsübungen an zwei Tagen vor.
Im Bereich der pädiatrischen Onkologie starteten die Universitätskliniken in Köln und Essen die Studie BEPPO. Das Projekt wird seit Oktober 2025 mit rund 7,3 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des G-BA gefördert.
Ziel ist es, bewegungstherapeutische Interventionen in die Regelversorgung für erkrankte Kinder und Jugendliche zu überführen. Eine Auswertung von über 12.000 Studien belegt laut den Projektverantwortlichen, dass individuell angepasste Programme sicher sind und die Ausdauer sowie Muskelkraft der jungen Patienten signifikant verbessern.
Betriebliches Gesundheitsmanagement und familiäre Herausforderungen
Auch die Arbeitswelt rückt stärker in den Fokus. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe bietet neue Weiterbildungen für Fachkräfte im betrieblichen Gesundheitsmanagement an, um Bewegung und Gesundheit direkt am Arbeitsplatz zu integrieren. Laut einer gemeinsamen Untersuchung der FOM Hochschule und der Barmer hat die Corona-Pandemie das Bewusstsein für betriebliche Prävention nachhaltig gestärkt.
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Gleichzeitig weist die Forschung auf Hürden im Alltag hin. Eine Studie der Hochschule Fulda aus dem Jahr 2026 zeigt, dass die körperliche Aktivität von Müttern ein Jahr nach der Geburt um durchschnittlich 24 Prozent sinkt und auch nach fünf Jahren deutlich reduziert bleibt. Als Ursachen werden der hohe Zeitaufwand für Kinderbetreuung und eine ungleiche Verteilung der Haushaltspflichten angeführt.
Soziale Inklusion und achtsamkeitsbasierte Konzepte
Andere Projekte verknüpfen Bewegung mit dem Abbau von Vorurteilen. Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt ermöglicht Schülern in Braunsbedra durch das Projekt „Rollstuhlsport macht Schule“ einen Perspektivwechsel, um Hemmungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung abzubauen.
Ergänzend dazu entstehen im öffentlichen Raum neue Ruhezonen, wie etwa im Bottroper BernePark. Dort wurden spezielle Liegemöbel mit Audio-Achtsamkeitsübungen kombiniert. Diese mit Psychologen entwickelten Programme sollen Parkbesuchern helfen, Stresssymptome durch kurze, angeleitete Einheiten direkt in der Natur zu reduzieren.
Experten der American Psychological Association weisen darauf hin, dass rund 77 Prozent der Menschen regelmäßig körperliche Stresssymptome erleben, denen durch gezieltes Training der Beweglichkeit und Entspannung entgegengewirkt werden könne.
