Multimedikation im Alter: 2,3 Millionen Australier haben erhöhtes Sturzrisiko
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deWenn ältere Menschen zeitgleich mehrere Arzneimittel einnehmen müssen, steigt die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wechsel- und Nebenwirkungen deutlich an. Welche Ausmaße diese Problematik annehmen kann, verdeutlicht eine Untersuchung der University of Adelaide, die im International Journal of Clinical Pharmacy veröffentlicht und über die in einem Bericht vom 19. Oktober 2026 informiert wurde.
Auf Basis einer zehnprozentigen Stichprobe von Abrechnungsdaten des staatlichen Programms Pharmaceutical Benefits Scheme (PBS), die mehr als 323.500 Personen ab 65 Jahren umfasste, ermittelten die Wissenschaftler eine landesweite Hochrechnung: Demnach erhielten rund 2,4 Millionen ältere Australier mehrere Medikamente, deren Nebenwirkungsprofile sich überlappen.
Häufige Risiken durch kumulierende Wirkstoffprofile
Die Überlagerung pharmakologischer Effekte betrifft der Auswertung zufolge zentrale Organsysteme und Körperfunktionen. Als häufigste überlappende Nebenwirkungsprofile ermittelte die University of Adelaide Risiken für Stürze und Frakturen bei rund 2,3 Millionen Betroffenen.
Eine medikamentenbedingte Obstipation betrifft hochgerechnet 1,7 Millionen ältere Menschen, während Risiken für Nierenschäden bei mehr als 1,2 Millionen Personen festgestellt wurden.
Dr. Imaina Widagdo, Leitautorin an der University of Adelaide, verwies laut einem Bericht vom 20. Oktober 2026 darauf, dass bestimmte Wirkstoffkombinationen Schwindel sowie die Balance beeinträchtigen und auf diese Weise das Sturzrisiko erhöhen können. Gleichzeitig warnte die Forscherin Betroffene vor einer eigenmächtigen Absetzung verordneter Arzneimittel.
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Hohe Kosten und vermeidbare Belastungen für das Gesundheitssystem
Die gesundheitlichen Gefahren durch parallele Verordnungen belasten auch das Versorgungssystem erheblich. Nach Angaben der University of Adelaide kommt es australienweit pro Jahr zu rund 250.000 medikamentenbedingten Krankenhausaufnahmen.
Die damit verbundenen Kosten belaufen sich auf jährlich rund 1,4 Milliarden Australische Dollar. Besonders relevant für die Versorgungsplanung ist dabei die Einschätzung der Forscher, dass zwei Drittel dieser Klinikaufenthalte potenziell vermeidbar wären.
Die Rolle strukturierter Medikationsüberprüfungen
Um diesen Risiken systematisch zu begegnen, fordern die Forscher der University of Adelaide eine stärkere Nutzung strukturierter Medikationsüberprüfungen durch Apotheker und Hausärzte. Widagdo hob hervor, dass Medikationsprüfungen durch Fachkräfte in Apotheken dazu dienen sollen, bestehende Risiken frühzeitig und gezielt zu identifizieren.
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Diese Forderung nach mehr Überprüfungen auf Basis der Studienergebnisse aus Adelaide bekräftigte auch Pharmacy Daily in einem Bericht vom 20. Oktober 2026. Durch die koordinierte Begutachtung aller verordneten Präparate sollen problematische Wechselwirkungen verringert werden, ohne die notwendige medikamentöse Therapie der Patienten zu gefährden.
