Multiple Sklerose: 90 Tage PropionsÀure senken Biomarker sNfL
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn das Immunsystem dauerhaft leicht aktiviert bleibt, ohne dass eine akute Infektion oder Verletzung vorliegt, sprechen Mediziner von chronischen niedriggradigen EntzĂŒndungen. Dieser unterschwellige Zustand gilt als wesentlicher Treiber fĂŒr eine Vielzahl chronischer Erkrankungen.
Mehrere wissenschaftliche Publikationen widmen sich den biologischen Ursachen, genetischen Markern und therapeutischen Ansatzpunkten dieser dauerhaften Immunaktivierung.
Genetische Scores und phÀnotypische ZusammenhÀnge
Ein Forschungsteam entwickelte einen ĂŒber verschiedene Abstammungslinien hinweg anwendbaren EntzĂŒndungsscore (multi-ancestry iPRS), der auf dem sogenannten INFLA-Score basiert. Letzterer setzt sich aus C-reaktivem Protein (CRP), Thrombozyten, Leukozyten sowie dem Granulozyten-Lymphozyten-VerhĂ€ltnis zusammen.
Die Modellierung erfolgte anhand von 421.368 DatensĂ€tzen aus der UK Biobank und wurde im Forschungsprogramm All of Us mit 265.068 Personen, darunter 4.833 mit Biomarkerdaten, ĂŒberprĂŒft, wie cell.com am 08.10.2026 berichtete.
Der iPRS sagte den INFLA-Score statistisch signifikant voraus (RÂČ=0,026; ?=0,980; p<2Ă10?Âč?) und zeigte eine Assoziation mit 47 von 2.821 untersuchten PhĂ€notypen. Zu den stĂ€rksten Assoziationen zĂ€hlten erhöhte Leukozyten mit einer Odds Ratio (OR) von 1,19, ankylosierende Spondylitis (OR 1,4) sowie Zöliakie (OR 0,713).
Insgesamt 17 von 40 verfĂŒgbaren PhĂ€notypen lieĂen sich in der BioVU-Datenbank replizieren. Wurden Varianten des HaupthistokompatibilitĂ€tskomplexes (MHC-SNPs) herausgerechnet, hob dies die Assoziationen mit bekannten Autoimmunerkrankungen auf.
Stoffwechselwege im Darm und zellulÀre Signalpfade
Auch metabolische Pfade spielen eine Rolle. Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t Kiel und US-amerikanische Partner untersuchten chronisch-entzĂŒndliche Darmerkrankungen (CED).
Bei aktiver CED ist die Bildung von NAD? aus Tryptophan durch eine verringerte Produktion des Enzyms QPRT beeintrÀchtigt, wodurch sich QuinolinsÀure anstaut und die zellulÀre Energieversorgung der Darmschleimhaut beeintrÀchtigt wird. Dies bestÀtigten Patientenkohorten und Modelle.
Was haben Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und stĂ€ndige MĂŒdigkeit gemeinsam? Die ĂŒberraschende Antwort steckt in einem kostenlosen Ratgeber ĂŒber stille EntzĂŒndungen, den bereits tausende Deutsche heruntergeladen haben. Kostenlosen Ratgeber zur antientzĂŒndlichen ErnĂ€hrung anfordern
Der Organismus weicht auf alternative NAD?-Wege aus, darunter Nicotinamid. Die klinische Studie ORNATUS prĂŒft derzeit lokal wirksames Nicotinamid bei Colitis ulcerosa; Arbeiten dazu erschienen unter anderem im Journal of Crohnâs and Colitis, in Cell Reports und im International Journal of Tryptophan Research.
Auf zellulÀrer Ebene identifizierte ein internationales Team das Protein HERC4 als Regulator des Zelltods. HERC4 ubiquitiniert RIPK1 und leitet damit die Bildung des Zelltod-Komplexes II ein, worauf je nach Expressionsniveau Apoptose oder Nekroptose folgt.
In Mausmodellen bewahrte das Fehlen von HERC4 vor systemischer EntzĂŒndung durch TNF und vor akuter LeberschĂ€digung. Geplant ist nun die Entwicklung oral verabreichbarer niedermolekularer HERC4-Hemmer, deren Wirkspektrum im Vergleich zu TNF-Inhibitoren evaluiert wird.
Neue therapeutische AnsÀtze und klinische Beobachtungen
Im kardiovaskulĂ€ren Bereich erforscht ein internationales Konsortium unter Beteiligung des UniversitĂ€tsklinikums WĂŒrzburg im EU-Projekt CARDIO den Einsatz regulatorischer CAR-T-Zellen. Diese sollen ĂŒberschieĂende EntzĂŒndungen nach einem Herzinfarkt bremsen und Atherosklerose-Plaques modifizieren.
FĂŒr das Projekt sind rund 7 Millionen Euro aus Horizon Europe vorgesehen, wovon rund 2,8 Millionen Euro nach WĂŒrzburg flieĂen; angestrebt werden vorproduzierte Spenderzellen.
In einer weiteren WĂŒrzburger Arbeit an Mausmodellen zeigte sich, dass eine Verschiebung der FLT1-Expression zur löslichen Isoform sFLT1 die GefĂ€Ăneubildung nach GewebeschĂ€den förderte und die Herzregeneration nach einem Infarkt verbesserte.
Wer sich mit chronischer MĂŒdigkeit und Schmerzen befasst, sollte prĂŒfen, ob stille EntzĂŒndungen die Ursache sind. Dieser kostenlose Selbsttest verrĂ€t Ihnen, ob Ihr Körper betroffen ist und wie Sie mit den richtigen Lebensmitteln gegensteuern können. Zum kostenlosen EntzĂŒndungs-Selbsttest
Dass auch lokale Herde systemische Spuren hinterlassen, zeigte eine zweijĂ€hrige longitudinale Studie des Kingâs College London an 65 Personen mit apikaler Parodontitis: Nach einer erfolgreichen Wurzelbehandlung verĂ€nderten sich mehr als die HĂ€lfte der untersuchten Stoffwechselprodukte vorteilhaft. Verzweigtkettige AminosĂ€uren sanken nach drei Monaten signifikant, Glukose und Pyruvat waren nach zwei Jahren deutlich reduziert.
DarĂŒber hinaus beleuchten weitere Projekte die Ausbreitung von EntzĂŒndungsprozessen. In Mausmodellen zu Tau-Pathologien drangen durch periphere dendritische Zellen aktivierte CD8?-T-Zellen ins Gehirn ein und trieben Neurodegeneration voran.
In einer Phase-2b-Studie mit 101 Erwachsenen mit stabiler Multipler Sklerose senkte eine 90-tÀgige Gabe von 500 mg PropionsÀure zweimal tÀglich den Biomarker sNfL signifikant und zeigte einen Trend zur Besserung motorischer Fatigue, ohne dass schwerwiegende Nebenwirkungen auftraten. Das österreichische Exzellenzcluster MetAGE mit mehr als 70 Forschenden analysiert parallel in Graz und Wien anhand der Pro-MetAGE-Studie, wie ErnÀhrung, Fasten und pharmazeutische Interventionen die StoffwechselflexibilitÀt beim Altern modulieren können.
