Multiples Myelom: Bispezifische Antikörper erreichen 100% Ansprechrate
25.06.2026 - 17:42:09 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie belegt erstmals in der Erstlinientherapie außergewöhnliche Erfolge.
Durchbruch in der Induktionstherapie
Die Phase-2-Studie GMMG-HD10/DSMM-XX unter Federführung der Unikliniken Heidelberg und Würzburg hat beeindruckende Ergebnisse geliefert. 49 transplantationsgeeignete Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplen Myelom erhielten eine Kombination aus dem bispezifischen Antikörper Teclistamab, Daratumumab und Lenalidomid – teils ergänzt um Bortezomib.
Das Ergebnis: eine Gesamtansprechrate von 100 Prozent. Besonders bemerkenswert ist die Tiefe des Ansprechens. Nach drei und sechs Monaten war bei allen auswertbaren Proben keine minimale Resterkrankung (MRD) mehr nachweisbar. Selbst hochempfindliche Methoden fanden keine Tumorzellen im Knochenmark. Eine komplette Remission mit MRD-Negativität erreichten 91,8 Prozent der Probanden – und das bereits vor der geplanten Erhaltungstherapie.
Die Daten veröffentlichte das Team am heutigen Donnerstag in der Fachzeitschrift Nature Medicine.
Nebenwirkungen bleiben relevant
So vielversprechend die Wirksamkeit: Das Sicherheitsprofil erfordert Aufmerksamkeit. Unerwünschte Ereignisse der Grade 3 oder 4 traten bei 91,8 Prozent der Teilnehmer auf. Lymphopenie und Neutropenie waren mit je 59,2 Prozent die häufigsten Komplikationen.
Ein Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) entwickelten 67,3 Prozent der Patienten – allerdings nur in den milderen Graden 1 und 2. Todesfälle durch die Therapie gab es keine.
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Die nächste Hürde steht bereits fest: Im Juli 2026 startet eine Phase-3-Studie an 60 Standorten. Sie soll die Ergebnisse in einem größeren Patientenkollektiv bestätigen.
CAR-T-Zellen: Forscher knacken Resistenzmechanismus
Parallel arbeiten Wissenschaftler der Technischen Universität München an einem grundlegenden Problem der Immuntherapie. Warum erleiden manche Patienten nach einer BCMA-gerichteten CAR-T-Behandlung ein Rezidiv?
Die Antwort: Das Proteasom baut das Oberflächenprotein BCMA auf den Myelomzellen ab. Die Krebszellen werden für die Therapie unsichtbar.
In einer Pilotstudie mit zehn Patienten setzten die Forscher den Proteasom-Inhibitor Carfilzomib ein – mit Erfolg. Bei sechs Patienten, deren CAR-T-Zellen noch im Körper aktiv waren, kehrte die Wirksamkeit zurück. Größere klinische Studien zur Rezidivbehandlung sind bereits geplant.
Heidelberg Pharma stellt Weichen
Angst vor Rückfällen nach Immuntherapie? Forscher haben einen Resistenzmechanismus geknackt. Erfahren Sie in unserem Report, wie Proteasom-Inhibitoren die CAR-T-Zell-Therapie wieder wirksam machen können – und welche Fragen Sie Ihrem Onkologen stellen sollten. Report zu Rückfallrisiken jetzt sichern
Abseits der klinischen Forschung gibt es auch unternehmerische Neuigkeiten. Die Heidelberg Pharma AG verkleinerte auf ihrer virtuellen Hauptversammlung am Dienstag den Aufsichtsrat von sieben auf fünf Mitglieder. Neu im Gremium: Jack Yefei Ling.
Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2024/2025 fiel deutlich aus: über 98 Prozent Zustimmung des vertretenen Grundkapitals. Das auf Antikörper-Wirkstoff-Konjugate spezialisierte Unternehmen setzt damit seine organisatorische Neuausrichtung fort – ein weiterer Mosaikstein im Trend zu hochpräzisen, datengesteuerten Therapieansätzen.
