Munich Re kauft Cyberversicherer At-Bay für 575 Millionen Dollar
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Munich Re Group baut ihre Position im Markt für Cyberversicherungen massiv aus. Wie der Rückversicherer am 19. August 2026 bekannt gab, übernimmt das Unternehmen das US-amerikanische Insurtech At-Bay zu einem Unternehmenswert von 575 Millionen US-Dollar.
Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Mit diesem Schritt integriert Munich Re einen der führenden Anbieter für Cyber-Risikomanagement in den Vereinigten Staaten in sein Portfolio.
Strategische Ausrichtung auf das KMU-Segment
At-Bay hat sich als Top-10-Cyberversicherer auf dem US-Markt etabliert und betreut rund 40.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen ein gebuchtes Brutto-Prämienvolumen (GWP) von 278 Millionen US-Dollar. At-Bay beschäftigt etwa 280 Mitarbeiter und soll künftig unter der Aufsicht der HSB-Gruppe, einer Tochtergesellschaft der Munich Re, agieren.
Die Akquisition erfolgt in einem Marktumfeld, das von einer zunehmenden Professionalisierung der Cyberkriminalität geprägt ist. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass die technologische Expertise von At-Bay, insbesondere bei der automatisierten Risikobewertung, entscheidend für die Profitabilität im Segment der mittelständischen Kunden ist.
Beschleunigte Angriffszyklen fordern Versicherer heraus
Hintergrund der Übernahme ist die drastische Verkürzung der Reaktionszeiten bei Cyberangriffen. Daten von CrowdStrike aus dem Jahr 2026 belegen, dass die durchschnittliche Zeit vom ersten Zugriff eines Angreifers bis zur sogenannten lateralen Bewegung im Netzwerk lediglich 29 Minuten beträgt. Zudem kommen 82 % der Einbrüche inzwischen ohne den Einsatz klassischer Malware aus.
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Weitere Analysen von Pondurance verdeutlichen die Geschwindigkeit moderner Angriffe: Während die sogenannte Ausbruchszeit (Breakout Time) bei etwa einer Stunde liegt, erfolgt die vollständige Verschlüsselung von Systemen oft innerhalb von 12 Stunden.
Besonders anspruchsvolle Akteure verweilen laut den Untersuchungen 24 bis 48 Stunden in den Zielnetzwerken und exfiltrieren dabei teilweise über 100 Gigabyte an Daten. Ein massiver Anstieg wurde zudem bei ClickFix-Angriffen verzeichnet, die im Jahr 2025 um 563 % zunahmen.
Wachsender Druck durch KI-Risiken und Regulierung
Neben klassischen Erpressungs-Szenarien rücken KI-gestützte Bedrohungen in den Fokus. Die Zahl der Klagen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz hat sich von 2021 bis 2025 etwa verzehnfacht. Das FBI registrierte für das Jahr 2025 KI-gestützte Betrugsverluste in Höhe von 893 Millionen US-Dollar. Deepfakes sind mittlerweile für etwa jeden neunten Betrugsversuch verantwortlich.
Gleichzeitig verschärft sich der regulatorische Rahmen. Die NIS2-Richtlinie erweitert den Geltungsbereich in Deutschland auf etwa 29.500 Unternehmen, wobei Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Umsatzes drohen. Auch die EU-KI-Verordnung sieht für Verstöße gegen Hochrisiko-Bestimmungen, die seit dem 2. August 2026 gelten, empfindliche Strafen von bis zu 35 Millionen Euro vor.
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Branchenweite Initiativen für mehr Resilienz
Die Versicherungswirtschaft reagiert auf diese Entwicklungen mit verstärkter Kooperation. So wurde die „SentinelOne Risk Assurance Initiative“ gestartet, an der neben At-Bay auch Versicherer wie AXA XL, Coalition, Travelers und CFC beteiligt sind.
Ziel ist es, Kunden den Zugang zu Sicherheitsplattformen zu Vorzugskonditionen zu ermöglichen. Die Association of British Insurers (ABI) fordert zudem in Zusammenarbeit mit PwC UK eine engere Abstimmung zwischen Versicherungspolicen und staatlichen Resilienzinitiativen sowie einen verstärkten Datenaustausch über Schadensereignisse.
Experten raten Versicherungsnehmern dazu, ihre Risiken wie interne Datenlecks oder Ransomware-Bedrohungen gezielt auf etablierte Sicherheitsstandards wie NIST CSF oder ISO/IEC 27001 abzubilden, um die Versicherbarkeit langfristig zu gewährleisten.
