Muskelfett, Stoffwechsel

Muskelfett und Stoffwechsel: MRT-Auswertung von 11.348 Personen zeigt Risiken

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen Organ- und Muskelfett mit Stoffwechselwerten; zugleich beeinflussen Muskelaktivität und -beschaffenheit die Glukoseverarbeitung.

Stoffwechselgesundheit: Fettverteilung und Muskelfunktion zählen mehr als Gewicht
Ein steriler, moderner MRT-Raum mit einer medizinischen Bildgebungsanlage in gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung des menschlichen Körpers liefert präzisere Hinweise auf die Stoffwechselgesundheit als das reine Körpergewicht. Aktuelle Auswertungen großer Kohortenstudien verdeutlichen, dass nicht allein das Gesamtgewicht oder die reine Muskelmasse über metabolische Risiken entscheiden, sondern vor allem die Fettverteilung.

Eine Auswertung von Magnetresonanztomographie-Daten (MRT) der NAKO-Gesundheitsstudie vom 7. Oktober 2026 zeigt, dass ein höherer Fettanteil zwischen den Muskeln mit ungünstigeren Stoffwechselwerten zusammenhängt. Für diese Untersuchung wurden Daten von 11.348 Personen analysiert.

Muskelqualität und Organfett im Fokus großer Kohorten

Ergänzende Erkenntnisse liefert eine Querschnittsanalyse von Devarakonda et al. an der Louisiana State University, die Daten von 59.269 Teilnehmenden der UK Biobank auf Basis von Röntgen- und MRT-Scans untersuchte.

Die im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism veröffentlichte Arbeit zeigte, dass das metabolische Syndrom sowie ein erhöhtes glykiertes Hämoglobin bei einer höheren Gesamt- und größenadjustierten fettfreien Masse häufiger auftraten. Seltener waren diese Auffälligkeiten hingegen bei einem höheren Anteil der fettfreien Masse am gesamten Körpergewicht.

Die beobachteten Zusammenhänge variierten dabei am stärksten mit dem Fettgewebe um die inneren Organe. Fett in der Muskulatur modifizierte einige dieser Assoziationen, während eine statistische Kontrolle für das Organfett die Effekte abschwächte.

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Geschlechtshormone wiesen geringe, je nach gewähltem Maß variierende Effekte auf. Da es sich um ein Querschnittsdesign handelte, lassen die Ergebnisse keine Kausalaussagen zu. Zudem wiesen die Autoren darauf hin, dass die fettfreie Masse kein direktes Maß für den reinen Skelettmuskel darstellt.

Funktion vor Masse: Erkenntnisse aus Interventionsstudien

Dass die reine Muskelmasse für Stoffwechselfunktionen oft weniger ausschlaggebend ist als deren Aktivität und Beschaffenheit, belegen auch frühere experimentelle Untersuchungen. Bereits 1989 zeigte ein Versuch in Dänemark, bei dem Probanden nur ein Bein trainierten und das andere in Ruhe ließen, dass das trainierte Bein nach einer Insulin-Infusion bei gleicher Muskelmasse mehr Glukose aufnahm.

In einer weiteren Untersuchung trainierten zehn Männer mit Typ-2-Diabetes sechs Wochen lang ein Bein; das trainierte Bein klärte bei identischer Muskelmasse mehr Glukose und wies mehr Glukosetransporter sowie Insulinrezeptoren auf.

Ebenso unterstreicht eine Yale-Studie mit 24 jungen, schlanken und nach Alter, Gewicht sowie Aktivität gematchten Personen die Rolle der muskulären Glukoseverarbeitung.

Die insulinresistente Gruppe bildete nach zwei kohlenhydratreichen Mahlzeiten 61 Prozent weniger Muskelglykogen. Gleichzeitig verdoppelten sich die Leberfett-Neubildung und die Lebertriglyceridsynthese mehr als, während die Bluttriglyceride um 60 Prozent stiegen und das HDL-Cholesterin um 20 Prozent sank.

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Dass Bewegung den Muskelstoffwechsel unmittelbar beeinflusst, zeigte sich zudem bei zwölf insulinresistenten Personen: Eine 45-minütige Einheit auf dem Ellipsentrainer verdreifachte die Kohlenhydrataufnahme des Muskels nach dem Essen und senkte die Leberfettbildung um 30 Prozent – ganz ohne Muskelzuwachs. Dieser Effekt war nach 48 Stunden noch vorhanden und nach fünf Tagen verschwunden.

Auch im Hinblick auf klinische Endpunkte tritt die reine Masse oft hinter funktionelle Parameter zurück. Eine Untersuchung des Sarcopenia Definitions and Outcomes Consortium an 18.800 älteren Personen ergab, dass Griffkraft und Gehgeschwindigkeit Stürze, Frakturen, Mobilitätsverlust und Tod voraussagten, während die per DEXA-Scan gemessene fettfreie Masse keinen solchen Zusammenhang zeigte.

In einer Semaglutid-Studie ohne Sport stieg die Griffkraft um 4,5 Kilogramm trotz entsprechender DEXA-Aussagen, und der Anteil von Personen mit sarkopener Adipositas fiel infolge des Fettverlusts von 49 auf 33 Prozent.

Erforschung der Stoffwechselflexibilität im Alter

Die molekularen Mechanismen hinter diesen Veränderungen sind Gegenstand aktueller Verbundforschung. Der vom FWF geförderte Cluster of Excellence MetAGE bündelt unter der Leitung von Frank Madeo von der Universität Graz, Thomas Scherer von der Medizinischen Universität Wien und Thomas Pieber von der Medizinischen Universität Graz mehr als 70 Forschende.

Im Zentrum der Arbeiten steht die sogenannte Stoffwechselflexibilität. Im Zuge des Alterns nehmen chronische Entzündungen zu, die zelluläre Selbstreinigung lässt nach und die Mitochondrienfunktion verändert sich.

Einflüsse von Ernährung, kontrolliertem Fasten und pharmakologischen Interventionen werden derzeit in der Pro-MetAGE-Studie an den Standorten Graz und Wien erforscht.

Praktische Anwendungen zur Erfassung dieser Parameter nutzt unter anderem das Healthy Aging Center der Medizinischen Universität Graz: Dort kommen Bod-Pod-Messungen zur Ermittlung von Fett- und Muskelmasse sowie Ganzkörper-MRT-Scans zur detaillierten Analyse der Fettverteilung zum Einsatz, da das reine Körpergewicht nur begrenzte Aussagen über den tatsächlichen metabolischen Gesundheitszustand erlaubt.

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