Muttermilch: HMO schützen Neugeborene vor Antibiotikaresistenzen
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen geben neue Einblicke in die präventive Wirkung von Muttermilch gegenüber der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen bei Neugeborenen.
Eine Anfang September 2026 im Fachmagazin Cell Reports Medicine veröffentlichte Studie des spanischen Forschungsrats CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) zeigt auf, wie spezifische Inhaltsstoffe der Muttermilch das kindliche Mikrobiom schützen können. Im Zentrum der Forschung stehen dabei die sogenannten Muttermilch-Oligosaccharide (HMO).
Die Rolle von HMO bei der Reduktion von Resistenzgenen
Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass Muttermilch-Oligosaccharide eine entscheidende Funktion bei der Minimierung von Antibiotikaresistenz-Genen im Darm von Säuglingen einnehmen. Den Forschern zufolge korreliert exklusives Stillen signifikant mit einer geringeren Häufigkeit sowie einer reduzierten Vielfalt dieser Gene.
HMO sind komplexe Zuckerverbindungen, die in hoher Konzentration in der menschlichen Muttermilch vorkommen, jedoch vom Säugling selbst nicht direkt verdaut werden können. Stattdessen dienen sie als Substrat für nützliche Darmbakterien.
Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass dieser Mechanismus die Ansiedlung und Vermehrung von Bakterien erschwert, die Träger von Resistenzgenen sind. Damit leistet die natürliche Ernährung einen Beitrag dazu, das Risiko für die Entwicklung schwer behandelbarer Infektionen bereits im frühen Kindesalter zu senken.
Datengrundlage und methodische Analyse
Die wissenschaftliche Analyse des CSIC stützt sich auf eine breite Datenbasis aus zwei verschiedenen europäischen Regionen. Insgesamt umfasste die Studie Proben von 256 Säuglingen. Davon stammten 57 Babys aus Valencia und 199 Babys aus den Niederlanden. Durch diesen grenzübergreifenden Ansatz konnten die Forscher regionale Einflüsse berücksichtigen und die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse zur Wirkung von HMO untermauern.
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Die Untersuchung konzentrierte sich auf die genetische Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Dabei wurde analysiert, in welchem Umfang Gene vorhanden sind, die Bakterien unempfindlich gegenüber gängigen Antibiotika machen. Die Forscher stellten fest, dass die schützende Wirkung der Muttermilch insbesondere dann zum Tragen kommt, wenn die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten keine zusätzliche Nahrung oder Ersatzmilch erhielten.
Einfluss der Geburtsmethode auf das Mikrobiom
Neben der Ernährung identifizierte die Studie weitere Faktoren, welche die Präsenz von Resistenzgenen im kindlichen Körper beeinflussen. Ein wesentlicher Aspekt war dabei der Modus der Entbindung. Die Wissenschaftler stellten signifikante Unterschiede in den Resistenzgenen zwischen Babys fest, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, und solchen, die vaginal geboren wurden.
Diese Beobachtung deckt sich mit früheren Erkenntnissen der Mikrobiom-Forschung, wonach die erste bakterielle Besiedlung während des Geburtsvorgangs eine prägende Rolle für das Immunsystem und die Darmflora spielt.
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Die aktuelle Studie des CSIC verdeutlicht jedoch, dass die Ernährung durch Muttermilch und die darin enthaltenen Oligosaccharide auch bei unterschiedlichen Startbedingungen einen regulierenden Einfluss auf die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen ausüben kann.
Die gewonnenen Erkenntnisse könnten laut den beteiligten Experten künftig dazu beitragen, die Entwicklung von Säuglingsnahrung zu optimieren oder gezielte therapeutische Ansätze zur Stärkung des kindlichen Mikrobioms zu entwerfen. Die Bedeutung des exklusiven Stillens wird durch diese Daten im Kontext der globalen Herausforderung durch Antibiotikaresistenzen erneut unterstrichen.
