Nach Herzinfarkt: Nur 44 Prozent erreichen den LDL-Zielwert unter 55 mg/ dl
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei genetisch bedingten Fettstoffwechselstörungen reicht eine Anpassung der ErnĂ€hrung nach EinschĂ€tzung von Medizinern hĂ€ufig nicht aus, um die GefĂ€Ăgesundheit wirksam zu schĂŒtzen. Fachleute betonen, dass LebensstilĂ€nderungen allein bei stark erhöhten Werten an ihre Grenzen stoĂen, und warnen zugleich vor dem unkritischen Einsatz von NahrungsergĂ€nzungsmitteln wie Lecithin.
Da Störungen des Fettstoffwechsels und Bluthochdruck oft ĂŒber Jahre hinweg unbemerkt bleiben, steigt bei ausbleibender Behandlung das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Komplikationen wie Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle erheblich.
Risiken primÀrer Fettstoffwechselstörungen und Zielwertverfehlungen
Besonders gravierend stellt sich die Situation bei erblichen Erkrankungen dar. Nach Angaben von KLINIKFUCHS betrifft die heterozygote familiÀre HypercholesterinÀmie (FH) etwa eine von 200 Personen in der Bevölkerung und geht typischerweise mit Gesamtcholesterinwerten zwischen 6,5 und 13 mmol/l (250 bis 500 mg/dl) einher.
Die weit seltenere homozygote Form betrifft etwa 1 zu 250.000 bis 1 zu 1 Million Menschen; hier liegen die Gesamtcholesterinwerte bei ĂŒber 13 mmol/l (mehr als 500 mg/dl).
Ein LDL-Wert von mehr als 4,9 mmol/l (190 mg/dl) gilt bereits als deutlicher Hinweis auf eine primĂ€re Störung. Da die familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie das Risiko einer vorzeitigen koronaren Herzkrankheit massiv steigert, raten Fachkreise zu einer frĂŒhzeitigen Diagnostik, systematischer Behandlung und Familienscreenings.
In der Praxis besteht bei der Kontrolle von Risikowerten jedoch eine erhebliche LĂŒcke. Bei den Praevenire Gesundheitstagen in Eisenstadt berichtete der Kardiologe Christoph Weiser, dass der LDL-Durchschnitt in Ăsterreich bei 135 mg/dl liege.
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Nach einem Herzinfarkt, einer Katheterintervention oder einer Bypass-Operation erreichen laut Weiser lediglich 44 Prozent der Betroffenen den empfohlenen Zielwert von unter 55 mg/dl. FĂŒr gesunde Erwachsene mit geringem Herz-Kreislauf-Risiko liegt der Zielwert dagegen bei unter 116 mg/dl.
Welche volkswirtschaftlichen Dimensionen die Unterversorgung hat, verdeutlichen Daten des Instituts fĂŒr Höhere Studien (IHS): Erhöhtes Cholesterin verursacht in Ăsterreich einen jĂ€hrlichen Schaden von 1,17 Milliarden Euro.
Grenzen von LebensstilmaĂnahmen und medikamentöse Senkungsraten
Zur therapeutischen Absenkung stehen wirksame medikamentöse Optionen zur VerfĂŒgung. Wie im Rahmen der Gesundheitstage in Eisenstadt dargelegt wurde, ermöglichen Standardstatine eine Absenkung des LDL-Cholesterins um 30 Prozent, hochwirksame Statine um 50 Prozent und die Kombination aus Statin und Ezetimib um 65 Prozent. Eine zusĂ€tzliche Gabe von PCSK9-Hemmern kann den Wert um bis zu 85 Prozent verringern.
ErnÀhrungsumstellungen können solche Effekte bei primÀren Störungen nicht ersetzen, wie auch wissenschaftliche Studien zu spezifischen NÀhrstoffen zeigen.
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Eine Auswertung von 265 Humanstudien durch ih-research.com, darunter 156 randomisierte kontrollierte Untersuchungen mit insgesamt 12.147 Probanden, zeigte unter GrĂŒntee oder GrĂŒntee-Extrakt lediglich leichte Senkungen von Gesamt- und LDL-Cholesterin, wĂ€hrend die Resultate fĂŒr HDL und Triglyceride uneinheitlich blieben.
Eine Metaanalyse mit 613 Teilnehmenden wies unter GrĂŒntee-Catechin-Extrakt eine Triglyceridsenkung um 0,18 mmol/l und einen HDL-Anstieg um 0,07 mmol/l nach; eine weitere Metaanalyse mit 13.062 Personen berichtete von niedrigerem Gesamt- und LDL-Cholesterin.
Auch ErnĂ€hrungsformen wie die ketogene Kost fĂŒhren nicht zu einer umfassenden Besserung aller Lipidparameter: Eine sechsmonatige Untersuchung der Washington University School of Medicine an Probanden mit Fettleber und Adipositas ergab zwar nach fĂŒnf Monaten eine Verringerung des Leberfetts von 19,4 auf 6,2 Prozent unter ketogener Kost, die Werte fĂŒr LDL, ApoB und Triglyceride unterschieden sich jedoch nicht signifikant von Gruppen mit mediterraner oder fettarmer Kost. FĂŒr Betroffene genetisch bedingter Störungen bleibt daher die Ă€rztlich ĂŒberwachte medikamentöse Therapie die zentrale SĂ€ule der PrĂ€vention.

