Nackenmanipulation, Embolien

Nackenmanipulation: Fünf Embolien nach unprofessioneller Behandlung

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 14:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem Tod eines 42-Jährigen warnen Fachleute vor Gefäßverletzungen durch Nackenmanipulationen und fordern Behandlungen durch befugte Fachkräfte.

Türkei: Tödliche Nackenmanipulation löst Debatte über Qualifikation aus
Ein steriler, professioneller Behandlungsraum in einer Klinik mit einer medizinischen Untersuchungsliege bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Anwendung manueller Therapien durch nicht ausreichend qualifizierte Personen steht nach einem folgenschweren Zwischenfall in der Türkei erneut im Fokus der medizinischen Fachdiskussion.

Der Fall des 42-jährigen Berat Topay, der nach einer unprofessionellen Nackenmanipulation in Istanbul-Beyo?lu verstarb, verdeutlicht die potenziell tödlichen Risiken solcher Eingriffe, wenn sie außerhalb kontrollierter medizinischer Rahmenbedingungen durchgeführt werden.

Der Vorfall und seine klinischen Folgen

Nach Berichten vom September 2026 ereignete sich der zugrunde liegende Vorfall bereits am Abend des 21. Mai 2026 gegen 21:00 Uhr in der Wohnung des Beschuldigten ?enol Karata?. Der als TIR-Fahrer tätige Topay suchte Karata?, den er bereits seit vier bis fünf Jahren kannte, aufgrund von Nacken- und Rückenschmerzen auf.

Vor der eigentlichen Manipulation des Nackens, im Türkischen als „Boyun kütletme“ bezeichnet, wurden laut vorliegenden Informationen Massagen und Hacamat (Schröpfen) durchgeführt.

Unmittelbar nach der Nackenmanipulation verschlechterte sich der Zustand des Patienten massiv. Topay verlor das Bewusstsein, woraufhin im Okmeydan? Prof. Dr. Cemil Ta?ç?o?lu ?ehir Hastanesi ein Herzstillstand festgestellt wurde.

Trotz intensivmedizinischer Betreuung konnte er nicht gerettet werden. Fortschrittliche radiologische Untersuchungen belegten im September 2026 eine traumatisch bedingte Schädigung der Halsgefäße sowie fünf separate Embolien im Gehirn, die infolge des Eingriffs aufgetreten waren.

Medizinische Risikobewertung bei Hochgeschwindigkeitsmanipulationen

Fachärzte warnen eindringlich vor den Gefahren plötzlicher und scharfer Bewegungen im Nackenbereich. Doç. Dr. Melih Üçer erklärte im Rahmen der Berichterstattung Anfang September 2026, dass Hochgeschwindigkeits-Nackenmanipulationen ein zwar kleines, aber sehr reales Risiko für schwerwiegende Komplikationen bergen.

Eine sogenannte Dissektion der Vertebralarterien kann demnach Gerinnsel auslösen, wobei Symptome unter Umständen erst Stunden oder Tage nach dem Eingriff auftreten. Das typische „Knacken“ bei einer solchen Behandlung sei lediglich eine Kavitation – das Platzen von Gasbläschen – und kein Indikator für eine erfolgreiche oder korrekte medizinische Korrektur.

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Weitere Experten, darunter Kenan Zafer Aksungur, betonten bereits am 8. September 2026, dass Manipulationen am oberen Teil des Nackens zu den riskantesten Eingriffen gehören. In diesem Bereich liegen die Atlas- und Axis-Wirbel eng verzahnt mit den Hauptarterien, die die Blutversorgung des Gehirns sicherstellen. Eine unkontrollierte Manipulation könne in dieser kritischen Zone zu Gefäßrissen, Schlaganfällen, Lähmungen oder dem Hirntod führen.

Rechtliche Einordnung und professionelle Standards

Die Türkische Physiotherapie-Vereinigung (TFTR) nahm im September 2026 dezidiert Stellung zu dem Fall. In einer Erklärung hieß es, dass eine Manipulation, die zum Tod führt, in diesem Kontext nicht als bloße Fahrlässigkeit, sondern als Mord zu werten sei.

Die Vereinigung verwies darauf, dass Chiropraktik und Osteopathie keine unabhängige Diagnosebefugnis verleihen. Solche Eingriffe dürften ausschließlich in lizenzierten Einrichtungen von befugten Fachkräften vorgenommen werden.

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Der im Fall Topay beschuldigte 43-jährige ?enol Karata? gab an, lediglich über ein fünf bis sechs Jahre altes Zertifikat aus einem Masseur-Kurs zu verfügen. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung sowie Verstoßes gegen das Gesetz Nr. 1219 inhaftiert.

Prof. Dr. ?üheda Özçak?r unterstrich in einer Stellungnahme vom 9. September 2026, dass die Gesundheit niemals Personen ohne entsprechende Befähigung anvertraut werden dürfe.

In der Türkei existiere für Manipulationen, Chiropraktik oder Osteopathie keine direkte Primärausbildung; diese Leistungen dürften nur auf Basis einer offiziellen Zertifizierung durch das Gesundheitsministerium erbracht werden.

Physiotherapeuten warnten in diesem Zusammenhang erneut davor, dass jede Manipulation ohne vorherige eingehende medizinische Untersuchung lebensgefährliche Folgen haben kann.

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