NĂ€chtlicher Harndrang: Studie mit 6.000 Menschen verknĂŒpft Flavonoide mit seltenerem Wasserlassen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deNÀchtlicher Harndrang betrifft viele Menschen in der zweiten LebenshÀlfte und kann die SchlafqualitÀt sowie die allgemeine Gesundheit beeintrÀchtigen. Eine im Fachjournal Scientific Reports am 5. Februar 2025 veröffentlichte Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass die ErnÀhrung eine Rolle spielen könnte.
Auf Basis von Erhebungsdaten der US-Gesundheitsbefragung NHANES aus den Jahren 2007 bis 2010 bei knapp 6.000 US-Erwachsenen ĂŒber 40 Jahren stellten Forschende fest, dass eine höhere Aufnahme von Flavonoiden mit seltenerem nĂ€chtlichem Wasserlassen einherging. Als nĂ€chtliches Wasserlassen wurden in der Untersuchung mindestens zwei ToilettengĂ€nge pro Nacht definiert.
ZusammenhÀnge der Flavonoidaufnahme und Risiken der Nykturie
Innerhalb der sekundĂ€ren Pflanzenstoffe fielen laut der Studie in Scientific Reports vor allem bestimmte Untergruppen auf: Anthocyane, Flavan-3-ole und Flavonole zeigten besonders deutliche Assoziationen. Allerdings handelt es sich um eine Querschnittsstudie, die lediglich einen statistischen Zusammenhang abbildet und keine KausalitĂ€t belegt. Ein Nachweis fĂŒr die Wirkung eines einzelnen Lebensmittels wurde nicht erbracht.
Die Relevanz des Themas ist vor allem fĂŒr Ă€ltere Generationen hoch. Laut der Publikation steigt bei ĂŒber 60-JĂ€hrigen mit jedem zusĂ€tzlichen nĂ€chtlichen Gang zur Toilette die Sturzgefahr. Die PrĂ€valenz sturzbedingter Folgen durch Nykturie liegt der Untersuchung zufolge bei 15 Prozent. Wenn zwei oder mehr nĂ€chtliche GĂ€nge den Schlaf regelmĂ€Ăig stören, wird eine Ă€rztliche AbklĂ€rung empfohlen.
Nach Angaben der US-National Institutes of Health wacht ĂŒber die HĂ€lfte der MĂ€nner und Frauen ĂŒber 60 mindestens einmal pro Nacht zum Wasserlassen auf, viele sogar mehr als zweimal. Die Japanische Urologische Gesellschaft definiert mindestens acht ToilettengĂ€nge tagsĂŒber wĂ€hrend der Wachphase als hĂ€ufiges Wasserlassen, wĂ€hrend bereits ein einmaliges nĂ€chtliches Erwachen zur Blasenentleerung als Nykturie gilt.
Medizinische Ursachen und wann ein Arztbesuch nötig ist
Ein Gesundheitsnetz nennt als Richtwerte ebenfalls mindestens acht ToilettengÀnge am Tag sowie mindestens zwei in der Nacht. Treten mindestens zwei nÀchtliche GÀnge auf oder kommen Symptome wie Schmerzen, Blut im Urin, Fieber oder Harnverhalt hinzu, wird zu einem sofortigen Arztbesuch geraten.
Als Auslöser fĂŒr hĂ€ufiges Wasserlassen kommen unter anderem BlasenentzĂŒndungen, eine ĂŒberaktive Blase, Diabetes sowie Medikamente infrage. Auch eine ProstatavergröĂerung ist hĂ€ufig ursĂ€chlich: Bei MĂ€nnern mit 60 Jahren liegt der Anteil bei 60 Prozent, mit 70 Jahren steigt er auf 80 Prozent.
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Laut der Endocrine Society ist zudem einer von drei Erwachsenen ĂŒber 65 von Diabetes betroffen, was als Ursache fĂŒr Nykturie gilt. Die Internationale Gesellschaft fĂŒr Urologie weist darauf hin, dass eine ĂŒberaktive Blase durch unwillkĂŒrliche Kontraktionen des Blasenmuskels gekennzeichnet ist; durchschnittlich eine von sechs Personen ĂŒber 40 Jahren ist davon betroffen.
Fachleute verweisen bei der Behandlung auf gezielte MaĂnahmen: Ein Blasentraining kann mit einem bewussten Aufschub des Harndrangs um 5 bis 10 Minuten beginnen.
Medikamentös kommen bei einem Mangel an antidiuretischem Hormon Desmopressin und bei Blasenentleerungsstörungen infolge einer Prostatahyperplasie Tamsulosin zum Einsatz. Tritt eine Nykturie mehr als dreimal pro Woche auf und mindert die LebensqualitÀt, wird eine Vorstellung in der Urologie oder Endokrinologie empfohlen.
Pflanzliche AnsĂ€tze und Empfehlungen fĂŒr den Alltag
In der Forschung wurden verschiedene pflanzliche Stoffe analysiert. FĂŒr das KombinationsprĂ€parat GO-LESS aus KĂŒrbiskern-Extrakt und Sojasprossen-Isoflavonen ergab eine klinische Studie aus dem Jahr 2017 in SĂŒdkorea und Japan eine Wirksamkeit bei 96 Prozent der Anwender; die nĂ€chtlichen ToilettengĂ€nge reduzierten sich von 3 bis 4 auf 0 bis 1. Zur SĂ€gepalme zeigte eine Studie im Journal of Urology eine Besserung der Harnwegssymptome einschlieĂlich seltenerer nĂ€chtlicher ToilettengĂ€nge, wenngleich weitere Untersuchungen gemischt ausfielen.
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Zu Beta-Sitosterol zeigte eine systematische Ăbersichtsarbeit randomisierter kontrollierter Studien in European Urology bei vielen Teilnehmenden einen verbesserten Harnfluss und reduziertes nĂ€chtliches Wasserlassen, wobei eine BestĂ€tigung durch Folgestudien erforderlich bleibt. Zu Pygeum, KĂŒrbiskernöl und Brennnesselwurzel ist die Datenlage hingegen begrenzt oder uneinheitlich, da bislang ĂŒberwiegend vorlĂ€ufige Untersuchungen vorliegen und die QualitĂ€t sowie die Wirkstoffkonzentration je nach Marke stark schwanken.
Auf der Ebene der allgemeinen ErnĂ€hrung gelten bestimmte FrĂŒchte als besonders blasenschonend. Bananen enthalten 3,1 Gramm Ballaststoffe pro Frucht und weisen ein sehr niedriges Reizungsrisiko auf; ihr Kaliumgehalt reguliert Kontraktionen des Detrusormuskels, wĂ€hrend das Pektin Verstopfungen vorbeugt, die zusĂ€tzlichen Druck auf die Blase ausĂŒben.
Da sie nicht sĂ€urehaltig sind, werden sie auch bei interstitieller Zystitis als sicheres Nahrungsmittel gefĂŒhrt. Es wird geraten, eine Banane tĂ€glich eher tagsĂŒber zu verzehren, um die nĂ€chtliche Ausscheidung nicht zu fördern.
Weitere gut vertrĂ€gliche FrĂŒchte sind Birnen mit 5,5 Gramm Ballaststoffen, Honigmelonen, Heidelbeeren und Papayas sowie geschĂ€lte Ăpfel mit 2,1 Gramm Ballaststoffen. Orangen weisen aufgrund ihres SĂ€uregehalts bei 2,4 Gramm Ballaststoffen hingegen ein hohes Reizrisiko auf.
FĂŒr den Alltag raten Experten dazu, die FlĂŒssigkeitszufuhr zwei Stunden vor dem Schlafengehen zu begrenzen, auf diuretische GetrĂ€nke wie Kaffee, Tee und Alkohol zu verzichten und tagsĂŒber Einzelportionen von maximal 200 Millilitern zu trinken. FĂŒr die Nachtruhe wird eine Raumtemperatur von 18 bis 22 Grad Celsius empfohlen.
Zur StĂ€rkung der Beckenbodenmuskulatur eignen sich Kegel-Ăbungen mit tĂ€glich drei DurchgĂ€ngen zu jeweils zehn Sekunden Anspannung und zehn Sekunden Entspannung; Verbesserungen der Blasenspeicherfunktion zeigen sich dabei in der Regel nach 6 bis 8 Wochen.
