NahrungsergÀnzung bei Kindern: Jedes zehnte Kind bekommt tÀglich ZusÀtze
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ĂberprĂŒfung von Inhaltsstoffen in SĂ€uglingsnahrung sowie die gezielte Versorgung mit essentiellen NĂ€hrstoffen wie Cholin fĂŒr die frĂŒhkindliche Entwicklung stehen vermehrt im Fokus fachlicher Diskussionen. Die Bandbreite der Themen reicht von Labortests, die Etikettangaben mit tatsĂ€chlichen NĂ€hrstoffgehalten abgleichen, ĂŒber neuartige analytische Verfahren bis hin zu Risiken durch unĂŒberlegte NahrungsergĂ€nzung im Kleinkindalter.
Analytische Verfahren zur NÀhrstoff- und QualitÀtskontrolle
Die prĂ€zise ĂberprĂŒfung der NĂ€hrstoffzusammensetzung erfordert zuverlĂ€ssige Messverfahren. FĂŒr den Nachweis essenzieller Vitamine entwickelten Forschende der Liaocheng-UniversitĂ€t in China ein Verfahren auf Basis von Bor- und Stickstoff-codotierten Kohlenstoff-Nanopartikeln (B,N-CDs). Die in der Fachzeitschrift Biomedical Analysis vorgestellte Methode dient der Bestimmung von Vitamin B12 in Lebensmitteln.
Die Partikel weisen einen Durchmesser von etwa 1 Nanometer auf und erreichen eine Nachweisgrenze von 0,02 Mikromol pro Liter bei einer linearen Fluoreszenzreaktion von 0 bis 100 Mikromol pro Liter. In Tests an Eigelb- und Ziegenleberpulver lag die Wiederfindungsrate zwischen 97,09 und 101,22 Prozent.
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei mikrobiologischen Kontrollen. Das Berliner BAV Institut fĂŒhrte eine nicht-kultivierungsbasierte Analysemethode ein, mit der sich die Gesamtzellzahl probiotischer Mikroorganismen innerhalb von maximal 48 Stunden bestimmen lĂ€sst.
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Wie Lebensmittelchemiker Dirk Lorenz erklĂ€rte, sei dieses Verfahren unabhĂ€ngig von der Kultivierbarkeit, realitĂ€tsnĂ€her als klassische Methoden und kostengĂŒnstiger als eine Durchflusszytometrie. Es eignet sich unter anderem fĂŒr fermentierte Produkte und schwer kultivierbare Mikroorganismen.
Auf regulatorischer Ebene verabschiedete die EU-Kommission am 1. April 2026 die DurchfĂŒhrungsverordnung (EU) 2026/765, die Probenahme, Analyse und Interpretation bei amtlichen Kontrollen von PestizidrĂŒckstĂ€nden in Lebens- und Futtermitteln neu ordnet und ab dem 1. Januar 2027 angewendet wird.
Risiken durch eigenmÀchtige Supplementierung
WĂ€hrend die ernĂ€hrungsphysiologische QualitĂ€t der Grundnahrung essenziell ist, warnen Fachleute vor einer unkontrollierten Verabreichung von NahrungsergĂ€nzungsmitteln an SĂ€uglinge und Kleinkinder. Dr. Tanja Brunnert, Bundespressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und JugendĂ€rzt*innen, Ă€uĂerte sich kritisch zu unnötigen ZusĂ€tzen im frĂŒhen Kindesalter.
Dennoch ist der Einsatz weit verbreitet: Laut der DONALD-Studie des Dortmunder Forschungsinstituts fĂŒr KinderernĂ€hrung erhĂ€lt jedes zehnte Kind tĂ€glich mindestens ein NahrungsergĂ€nzungsmittel durch die Eltern.
GemÀà der EsKiMo-Studie betrifft dies jedes zwölfte Kind im Alter von 6 bis 11 Jahren sowie rund 20 Prozent der 12- bis 17-JĂ€hrigen. Fachleute betonen, dass Supplemente meist ĂŒberflĂŒssig sind und gesundheitliche Risiken bergen können.
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Ăffentliche Aufmerksamkeit erregten diesbezĂŒglich Angaben des Unternehmers Christian Wolf, der seiner 15 Monate alten Tochter das mit den SĂŒĂstoffen Sucralose und Stevioglycosiden versetzte Geschmackspulver âChunky Flavourâ in den Quark mischte und seinem ersten Kind bereits im SĂ€uglingsalter Kreatin ĂŒber die Milch verabreichte.
FĂŒtterungspraxis bei Beschwerden und Richtwerte
Auch bei der alltĂ€glichen FĂŒtterung und bei Verdauungsbeschwerden gelten spezifische Empfehlungen. Bei SĂ€uglingen mit Durchfall raten Fachkreise dazu, bei Babys, die bereits Pre-Nahrung erhalten, meist bei dieser leicht verdaulichen Nahrung zu bleiben, wĂ€hrend gestillte Kinder weiter gestillt werden sollten.
Nach einer Umstellung auf Beikost kann Pre-Nahrung den Verdauungstrakt vorĂŒbergehend entlasten, vorzugsweise nach Absprache mit dem Kinderarzt. Eine ausreichende FlĂŒssigkeitszufuhr und Elektrolytlösungen sind dabei zentral; bei hohem Fieber, Blut im Stuhl oder anhaltendem Erbrechen ĂŒber 24 bis 48 Stunden ist eine Ă€rztliche Konsultation erforderlich.
Zudem kann es bei FlaschenfĂŒtterung in seltenen FĂ€llen zu einer ĂberfĂŒtterung kommen, die sich durch starkes Erbrechen oder ungewöhnliche Unruhe Ă€uĂert. Als Richtwert fĂŒr die Nahrungsmenge gilt eine Spanne von etwa 150 bis 200 Millilitern Milch pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, verteilt auf mehrere Mahlzeiten.
