NahrungsergÀnzung in der Schwangerschaft: 80 Studien lassen Sicherheitsfragen offen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 06:32 Uhr | Redaktion boerse-global.deWĂ€hrend einer Schwangerschaft verĂ€ndert sich der Stoffwechsel, und der Bedarf an MikronĂ€hrstoffen steigt spĂŒrbar an. Aktuelle ernĂ€hrungsmedizinische Ratgeber befassen sich vor diesem Hintergrund eingehend mit der Rolle essenzieller NĂ€hrstoffe wie FolsĂ€ure, Jod sowie Vitamin D und stellen dar, unter welchen Voraussetzungen eine Supplementierung medizinisch geboten ist.
Eine ausgewogene ErnÀhrung reicht zur Deckung vieler NÀhrstoffe aus, doch bei einzelnen Verbindungen gilt eine gezielte ErgÀnzung als Standardempfehlung.
Gezielte ErgÀnzung von Folat und Jod
Nach EinschĂ€tzung des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (BfR) lĂ€sst sich der steigende Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen in der Schwangerschaft zwar gröĂtenteils ĂŒber die herkömmliche ErnĂ€hrung absichern, gezielte ErgĂ€nzungen seien jedoch insbesondere bei Folat und Jod angezeigt.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) gibt den Referenzwert fĂŒr Schwangere mit 550 Mikrogramm Folat-Ăquivalent pro Tag an, verglichen mit regulĂ€r 300 Mikrogramm bei Erwachsenen.
Da der Körper Folat nicht speichern kann, wird Frauen bereits bei Kinderwunsch sowie mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Trimesters eine tÀgliche Gabe von 400 Mikrogramm synthetischer FolsÀure als PrÀparat empfohlen.
Diese MaĂnahme senkt das Risiko fĂŒr kindliche Neuralrohrdefekte signifikant. Daten der Techniker Krankenkasse verweisen darauf, dass 86 Prozent eine FolsĂ€ure-Unterversorgung aufweisen.
Auch bei Jod besteht hĂ€ufig eine VersorgungslĂŒcke. Laut dem Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft erreichen 30 Prozent der Frauen den mittleren tĂ€glichen Jodbedarf nicht. WĂ€hrend der DGE-Referenzwert in der Schwangerschaft bei 230 Mikrogramm tĂ€glich liegt (regulĂ€r 200 Mikrogramm), beziffert die Fachgesellschaft den reinen Bedarf auf 220 Mikrogramm pro Tag.
Nach Ă€rztlicher RĂŒcksprache wird meist eine zusĂ€tzliche Einnahme von 100 bis 150 Mikrogramm Jod ĂŒber Tabletten angeraten. Fachkreise weisen ergĂ€nzend darauf hin, dass eine Jodprophylaxe ab der zwölften Schwangerschaftswoche mit 100 Mikrogramm pro Tag erfolgen kann, da ĂŒber Lebensmittel durchschnittlich rund 120 Mikrogramm aufgenommen werden.
Vitamin D, Eisen und B12 nur nach Bedarf
Anders stellt sich die Situation bei weiteren MikronÀhrstoffen dar. Der Bedarf an Vitamin D ist in der Schwangerschaft laut Fachgesellschaften nicht generell erhöht; die Verbraucherzentrale spricht sich daher gegen eine pauschale Einnahme aus.
Wer sich mit der gezielten Zufuhr von MikronĂ€hrstoffen befasst, sollte die Bedeutung der eigenen Blutwerte genau kennen. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt verstĂ€ndlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie man VitalstoffmĂ€ngel frĂŒhzeitig erkennt. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich?
Liegt jedoch ein labordiagnostisch nachgewiesener Mangel vor, werden 20 Mikrogramm pro Tag empfohlen. Laut Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind 29,7 Prozent der Frauen in Deutschland mangelhaft mit Vitamin D versorgt.
PrÀparate mit Eisen oder Vitamin B12 sollten ebenfalls nicht unkritisch konsumiert werden. Zwar verdoppelt sich laut DGE der tÀgliche Eisen-Referenzwert von regulÀr 15 Milligramm auf 30 Milligramm in der Schwangerschaft, eine Supplementierung sollte jedoch nach individuellem Versorgungsstatus und Blutbild erfolgen.
Bei rein veganer ErnĂ€hrungsweise lĂ€sst sich der Bedarf an Vitamin B12 â der Referenzwert steigt von 4,0 auf 4,5 Mikrogramm tĂ€glich â nicht verlĂ€sslich decken. Das BfR rĂ€t Schwangeren in solchen FĂ€llen zur Ă€rztlichen AbklĂ€rung und warnt zugleich vor einer eigenstĂ€ndigen, hochdosierten Zufuhr.
Stand der klinischen Forschung
Die wissenschaftliche Datenlage zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln in der Schwangerschaft weist unterdessen methodische LĂŒcken auf. Eine in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichte systematische Ăbersichtsarbeit analysierte 80 Studien aus 28 LĂ€ndern, darunter 63 randomisierte klinische Studien zu 13 Supplement-Kategorien.
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Fast die HĂ€lfte der Arbeiten entfiel auf Vitamin D mit 23 Studien und Omega-3-FettsĂ€uren mit 17 Untersuchungen, gefolgt von Probiotika mit elf Studien. Dabei untersuchten die Studien vor allem entzĂŒndliche und glykĂ€mische Marker bei Risikogruppen.
UnerwĂŒnschte Ereignisse oder langfristige Sicherheitsdaten fĂŒr Neugeborene wurden laut der Ăbersicht jedoch nur in einer Minderheit der Studien systematisch erfasst. Fachleute betonen daher, NahrungsergĂ€nzungsmittel in der Schwangerschaft gezielt und primĂ€r nach labormedizinischer Absprache einzusetzen.
