Nahrungsergänzungsmittel, Präparaten

Nahrungsergänzungsmittel: 15 von 17 Präparaten fehlt ein Warnhinweis

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Öko-Test-Vergleich beanstandet alle 17 geprüften Nahrungsergänzungsmittel gegen Wechseljahresbeschwerden; Fachleute fordern schärfere Aufsicht.

Nahrungsergänzungsmittel: Experten verlangen strengere Kontrollen
Nahaufnahme von verschiedenen getrockneten Kräutern und pflanzlichen Rohstoffen auf einem dunklen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich der Qualität und Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) haben Wissenschaftler, Mediziner und Verbraucherschützer in einem Schreiben an zwei Bundesministerien vor erheblichen Risiken gewarnt.

Im Fokus stehen dabei insbesondere Präparate, die pflanzliche Stoffe sowie Extrakte aus Algen, Pilzen oder Flechten enthalten. Die Unterzeichner fordern eine grundlegende Überarbeitung der aktuellen Regulierungspraktiken in Deutschland.

Fehlende behördliche Prüfung vor dem Verkaufsstart

Ein zentraler Kritikpunkt der Experten betrifft den Zulassungsprozess. Derzeit müssen Hersteller ihre Produkte vor dem Verkauf lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registrieren. Eine präventive staatliche Prüfung der Sicherheit oder der Inhaltsstoffe findet nicht statt. Laut Angaben von Andreas Hensel wurden allein im Jahr 2025 mehr als 30.000 Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland angemeldet.

Fachleute fordern daher eine verpflichtende Einführung korrekter und verständlicher Produktangaben bereits bei der Anmeldung. Zudem seien laufende Rohstoff- und Produktprüfungen sowie eine strengere Kontrolle von Gesundheitsversprechen notwendig. Ein Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt alternative Wege auf: In der Schweiz, Frankreich und Belgien gelten bereits heute deutlich strengere Dokumentationspflichten für solche Produkte.

Qualitätsmängel bei Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden

Die praktischen Auswirkungen der laxen Regulierung zeigen sich in aktuellen Marktuntersuchungen. Das Magazin Öko-Test analysierte für seine Ausgabe im Oktober 2026 insgesamt 23 Präparate, die gegen Wechseljahresbeschwerden vermarktet werden. Dabei wurden sechs pflanzliche Arzneimittel und 17 Nahrungsergänzungsmittel gegenübergestellt.

Das Ergebnis fiel für die Nahrungsergänzungsmittel negativ aus: Keines der 17 untersuchten Produkte schnitt besser als mit der Note „mangelhaft“ ab. Bei 15 dieser Präparate fehlte zudem mindestens ein empfohlener Warnhinweis. Im Gegensatz dazu erhielten drei der sechs Arzneimittel die Note „gut“.

Anzeige

Wer sich mit der Einnahme von Präparaten befasst, sollte die eigenen Körperwerte genau kennen, um Fehldiagnosen und Fehlinterpretationen zu vermeiden. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Gesundheit gezielt schützen. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich? Jetzt gratis PDF-Report sichern

Die Wirksamkeit von Arzneimitteln mit Inhaltsstoffen wie Traubensilberkerze oder Rhapontikrhabarberwurzel gegen Hitzewallungen gilt als gut belegt, während Nahrungsergänzungsmittel ihre Wirksamkeit vorab nicht nachweisen müssen. Kritisiert wurde zudem der Einsatz von Hilfsstoffen wie Talkum oder Titandioxid, letzteres etwa im Produkt Remifemin Plus.

Gesundheitsgefahren durch Wechselwirkungen und Überdosierung

Fachleute mahnen zur Vorsicht bei der eigenständigen Einnahme von Präparaten. Kombinationen verschiedener Stoffe könnten unvorhersehbare Wechselwirkungen bergen. So deuten Berichte darauf hin, dass Frauen mit Brustkrebs Isoflavonpräparate meiden sollten. Zudem wird klargestellt, dass Vitamin B6 den hormonellen Rückgang von Östrogen und Progesteron weder verhindern noch ausgleichen kann.

Auch bei populären Wirkstoffen wie Omega-3-Fettsäuren herrscht Skepsis. Dr. Felix Bertram wies darauf hin, dass eine klare Evidenz für die Vorbeugung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen durch Omega-3 fehle.

Während hohe Dosen bei rheumatoider Arthritis die Morgensteifigkeit lindern könnten, berge eine Überdosierung Risiken wie Vorhofflimmern oder eine blutverdünnende Wirkung. Er rät gesunden Menschen zu einer Zufuhr von etwa 250 mg EPA+DHA täglich, was üblicherweise durch zwei Portionen fetten Seefisch pro Woche erreicht werden kann.

Anzeige

Oft werden Vitalstoffmängel durch ungenaue Interpretationen übersehen, was die gezielte Vorsorge erschwert. Erfahren Sie in diesem kostenlosen 25-Seiten-Ratgeber, wie Sie Ihre Laborwerte selbst verstehen und die 10 entscheidenden Vitalstoff-Werte für Ihre Gesundheit nutzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier herunterladen

Warnungen vor illegalen Substanzen und unbelegten Heilversprechen

Die Dringlichkeit einer strengeren Überwachung wurde durch Vorfälle in Berlin unterstrichen. Die dortige Senatsverwaltung für Gesundheit warnte im September 2026 vor dem Verzehr vermeintlicher THC-Gummibärchen, nachdem mehrere Personen Intoxikationserscheinungen mit opiattypischen Symptomen gezeigt hatten.

Ein 42-jähriger Mann verstarb nach dem Verzehr eines solchen Produkts; die genauen Todesumstände und Inhaltsstoffe sind Gegenstand polizeilicher Ermittlungen.

Parallel dazu warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vor wissenschaftlich nicht belegten Anti-Aging-Effekten von Hormonpräparaten. Studien zu DHEA oder Wachstumshormonen bei älteren Menschen zeigten keine signifikanten positiven Effekte auf das Wohlbefinden oder wichtige Stoffwechselwerte.

Stattdessen seien bei Wachstumshormonen negative Effekte dokumentiert. Bei einem symptomatischen Testosteronmangel, der laut Fachgesellschaft etwa 3 bis 5 % der Männer im Alter zwischen 60 und 79 Jahren betrifft, werden primär Gewichtsregulation und moderater Sport empfohlen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70185587 |