Nahrungsergänzungsmittel, Test

Nahrungsergänzungsmittel im Test: 15 von 17 Präparaten ohne Sicherheitshinweis

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 08:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Öko-Test fand bei allen 17 geprüften Nahrungsergänzungsmitteln höchstens die Note „mangelhaft“; Fachleute verlangen strengere Aufsicht.

Nahrungsergänzungsmittel: Experten fordern strengere Kontrollen und Reformen
Laborumgebung mit wissenschaftlichen Glasgeräten und pflanzlichen Rohstoffen auf einem Arbeitstisch. Illustration mit AI erstellt.

In einem gemeinsamen Schreiben an zwei Bundesministerien haben Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer vor erheblichen Qualitäts-, Sicherheits- und toxikologischen Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln gewarnt.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen Produkte, die pflanzliche Stoffe sowie Extrakte aus Algen, Pilzen oder Flechten enthalten. Wie aus Berichten vom 26. September 2026 hervorgeht, fordern die Unterzeichner eine grundlegende Reform der Zulassungs- und Überwachungsprozesse in Deutschland.

Regulatorische Defizite und steigende Anmeldezahlen

Die Experten weisen darauf hin, dass für den Markteintritt von Nahrungsergänzungsmitteln derzeit lediglich eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erforderlich ist.

Eine behördliche Prüfung der Sicherheit oder Wirksamkeit vor dem Verkaufsstart findet nicht statt. Diese regulatorische Praxis steht im Kontrast zu den rasant steigenden Meldezahlen: Laut Andreas Hensel wurden im Jahr 2025 in Deutschland über 30.000 solcher Mittel angemeldet.

Um den Verbraucherschutz zu stärken, verlangen die Fachleute verständlichere Angaben im Anmeldeprozess sowie kontinuierliche Prüfungen von Rohstoffen und Endprodukten. Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen liegt auf der strikteren Kontrolle irreführender Gesundheitsversprechen, die häufig auf den Verpackungen oder in Werbematerialien verwendet werden.

Qualitätsmängel bei pflanzlichen Präparaten im Test

Dass die Bedenken der Experten begründet sind, unterstreicht eine Untersuchung von Öko-Test aus dem September 2026. Das Magazin untersuchte 23 Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden, darunter sechs pflanzliche Arzneimittel und 17 Nahrungsergänzungsmittel.

Während die Wirksamkeit der Arzneimittel, etwa mit Traubensilberkerze oder Rhapontikrhabarberwurzel, von Fachleuten als gut beurteilt wurde, schnitten die Nahrungsergänzungsmittel deutlich schlechter ab.

Keines der 17 untersuchten Nahrungsergänzungsmittel erhielt eine bessere Gesamtnote als „mangelhaft“. Bei 15 dieser Produkte fehlten zudem wichtige Sicherheitshinweise, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlen werden.

Experten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Kombinationen verschiedener pflanzlicher Stoffe unkalkulierbare Wechselwirkungen bergen können. Zudem gebe es keine Belege dafür, dass Zusätze wie Vitamin B6 den Rückgang von Hormonen wie Östrogen oder Progesteron ausgleichen könnten.

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Wissenschaftliche Zweifel an der Wirksamkeit populärer Wirkstoffe

Auch bei anderen weit verbreiteten Supplementen ziehen wissenschaftliche Analysen den Nutzen für Gesunde in Zweifel. Eine aktualisierte Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Prävention von Demenz empfiehlt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nur bei einem klinisch nachgewiesenen Mangel.

Angesichts von weltweit über 57 Millionen Demenzkranken betont die WHO, dass bis zu 45 Prozent der Fälle durch veränderbare Risikofaktoren beeinflusst werden könnten, Supplemente ohne Mangelzustand jedoch keine belegte Schutzwirkung bieten.

Ähnliche Ergebnisse zeigen Untersuchungen zu Omega-3-Fettsäuren und Vitamin K2. Mediziner wiesen in aktuellen Fachgesprächen darauf hin, dass eine klare Evidenz für die Senkung des Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisikos durch Omega-3 fehle. Die sogenannte STRENGTH-Studie mit hohen Dosen von EPA und DHA musste sogar wegen mangelnder Erfolgsaussichten abgebrochen werden.

Bei Vitamin K2 zeigten zweijährige Studien zwar eine moderat langsamere Zunahme von Gefäßverkalkungen, eine Rückbildung bereits bestehender Verkalkungen konnte jedoch nicht beobachtet werden. Ob dies klinisch relevante Auswirkungen auf die Herzgesundheit hat, bleibt laut Expertenberichten vom September 2026 offen.

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Risiken bei Hormonpräparaten und Anti-Aging-Versprechen

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt zudem vor dem Einsatz von Hormonen wie Testosteron, Wachstumshormonen, Melatonin oder DHEA zu Anti-Aging-Zwecken. Laut der Fachgesellschaft sind positive Effekte auf den Alterungsprozess wissenschaftlich nicht belegt, während gleichzeitig erhebliche Risiken bestehen könnten. Bei Wachstumshormonen drohen etwa Wassereinlagerungen, Gelenkschmerzen oder eine Förderung von Krebserkrankungen.

Im Bereich der Kosmetik-Supplemente berichten Dermatologen, dass auch für oral eingenommenes Kollagen keine ausreichende Evidenz für eine Wirkung auf Haut und Haare vorliegt.

Eine Auswertung von 23 Studien ergab, dass positive Effekte nahezu ausschließlich in herstellerfinanzierten Untersuchungen dokumentiert wurden. Experten raten stattdessen dazu, die körpereigene Kollagenbildung durch eine ausgewogene Zufuhr von Eiweiß, Vitamin C, Zink und Kupfer zu unterstützen.

Zusätzlich zu diesen medizinischen Bedenken rücken auch regulatorische Anfragen den Markt in den Fokus. Im August 2026 verlangte Gerald Hauser in einer schriftlichen Anfrage Auskunft über Sicherheitsdaten und mögliche Bedenken bezüglich der Zufuhr von elementarem Lithium, nachdem Studien Zusammenhänge mit der Alzheimer-Prävention nahegelegt hatten, aber Fragen zur Dosierung und Sicherheit offenblieben.

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