Naturkontakt, Essen

Naturkontakt und Essen: Körperakzeptanz vermittelt den stärksten Zusammenhang

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine britische Untersuchung verknüpft Naturerleben über Körperakzeptanz und Selbstmitgefühl mit stärker intuitivem Essverhalten.
Ein sonnendurchfluteter Wald mit üppigem Grün und weichem Lichtspiel zwischen den Bäumen. Illustration mit AI erstellt.

Der Aufenthalt im Grünen wirkt sich nachweislich auf das psychische Wohlbefinden aus. Eine wissenschaftliche Untersuchung der britischen Anglia Ruskin University unter Leitung von Viren Swami, Professor für Sozialpsychologie, liefert im Fachjournal „Body Image“ nun erste Belege dafür, dass Naturkontakt auch das alltägliche Essverhalten positiv beeinflussen kann.

Die Analyse der Mechanismen zeigt, dass dieser Zusammenhang vor allem über eine veränderte Selbstwahrnehmung und ein verbessertes Körperbild verläuft.

Drei indirekte Pfade leiten das Essverhalten

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das sogenannte intuitive Essen. Dieses Konzept beschreibt eine Ernährungsweise, die sich an körpereigenen Signalen wie Hunger und Sättigung orientiert, anstatt strengen Diätvorgaben zu folgen. Menschen mit häufigerem Naturkontakt erweisen sich als aufmerksamer für solche Körpersignale und zeigen sich zufriedener mit ihrer äußeren Erscheinung.

Die Teilnehmenden der Erhebung verbrachten im Durchschnitt etwa 19 Stunden pro Woche in der Natur, wobei die Hälfte der Befragten auf 12,5 Stunden pro Woche oder weniger kam.

Bei der statistischen Auswertung zeigte sich, dass kein signifikanter direkter Zusammenhang zwischen Naturkontakt und intuitivem Essen bestand, sobald Faktoren wie Körperwertschätzung, Selbstmitgefühl und Naturverbundenheit kontrolliert wurden. Stattdessen identifizierte das Forschungsteam drei indirekte Wirkungspfade:

  • Naturkontakt führt zu einer höheren Körperakzeptanz und darüber zu intuitivem Essen; dies stellte sich als der stärkste statistische Pfad heraus.
  • Naturkontakt stärkt das Selbstmitgefühl, was wiederum intuitives Essen fördert.
  • Naturkontakt stärkt das Selbstmitgefühl, welches die Körperakzeptanz verbessert und auf diesem Weg das intuitive Essen begünstigt.

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Für diese Effekte führen die Forschenden zwei zentrale Erklärungsansätze an. Zum einen stärkt der Aufenthalt im Freien die Wertschätzung für den eigenen Körper. Zum anderen fördert er das Selbstmitgefühl, was wiederum impulsives Essen als Reaktion auf negative Emotionen reduzieren könnte.

Während frühere wissenschaftliche Arbeiten bereits belegten, dass Naturerleben Ängste und Depressionen mindern sowie das allgemeine Wohlbefinden steigern kann, betonte Swami, der neue Beitrag der Studie liege im Nachweis, dass der Einfluss auf das Essverhalten über ein positiveres Verhältnis zum eigenen Körper vermittelt werde.

Die Ergebnisse erwiesen sich als statistisch robust gegenüber Einflussen wie Alter, Bildung und finanzieller Stabilität. Während die gefühlte Naturverbundenheit im Gesamtmodell keine eigenständige Rolle spielte, zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei einzelnen Merkmalen: Männer erzielten im Durchschnitt höhere Werte beim intuitiven Essen, während Frauen eine stärkere Naturverbundenheit aufwiesen. Die zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen wirkten jedoch bei beiden Geschlechtern auf dieselbe Weise.

Methodische Grenzen und Bedeutung für die Praxis

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Das Forschungsteam weist darauf hin, dass es sich bei den Befunden um statistische Assoziationen und nicht um einen Kausalitätsnachweis handelt. Zudem beruhen die Daten auf Selbstauskünften.

Eine weitere Einschränkung betrifft die Zusammensetzung der Stichprobe, die ein überdurchschnittliches Bildungsniveau aufwies: Rund zwei Drittel der Teilnehmenden verfügten über einen Universitätsabschluss, verglichen mit rund einem Drittel in der gesamten britischen Erwachsenenbevölkerung. Weitere Untersuchungen in anderen Ländern seien daher erforderlich.

Eine feste Mindestdosis an Naturzeit lässt sich aus den Daten nicht ableiten; Swami rät dazu, so viel Zeit draußen zu verbringen, wie es individuell angenehm machbar ist.

Für Fachleute im Bereich der öffentlichen Gesundheit sieht der Forscher in den Ergebnissen einen praktischen Nutzen: Ein verbesserter Zugang zu Grünflächen und Naturräumen könnte künftig dazu beitragen, gesündere und nachhaltigere Essgewohnheiten in der Bevölkerung zu unterstützen.

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