Navier-Stokes gelöst: OpenAI setzt 15 Millionen Dollar für KI-Beweis ein
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI hat die Lösung eines der bedeutendsten mathematischen Rätsel der Gegenwart verkündet. Das Unternehmen gibt an, dass seine künstlichen Intelligenzen das Navier-Stokes-Problem gelöst haben. Diese mathematischen Gleichungen gehören zu den sieben sogenannten Millennium-Problemen, auf deren Lösung ein hohes Preisgeld ausgesetzt ist. Laut Angaben des Unternehmens war für diesen Erfolg ein Rechenaufwand im Wert von 15 Millionen US-Dollar erforderlich.
Technischer Aufwand und Einsatz von KI-Agenten
Für die Erarbeitung des Beweises setzte OpenAI auf ein internes Modell mit dem Codenamen „Bel“. Der Prozess wurde in mehreren Phasen durchgeführt. Zunächst wurden 1.000 KI-Agenten über einen Zeitraum von 50 Stunden eingesetzt, um Berechnungen zu den Euler-Gleichungen anzustellen. In einem darauffolgenden Schritt bearbeiteten 10.000 Agenten innerhalb von elf Stunden die komplexeren Navier-Stokes-Gleichungen.
Andere Berichte zum Ablauf des Projekts weisen darauf hin, dass etwa 10.000 KI-Agenten über einen Zeitraum von insgesamt 88 Stunden aktiv waren. Zusätzlich seien 17 Stunden für die Formalisierung des Ergebnisses in der spezialisierten Programmiersprache Lean aufgewendet worden.
Der daraus resultierende Beweis umfasst laut OpenAI 100 Seiten. Das Dokument ist derzeit noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, wurde jedoch innerhalb der Lean-Umgebung zertifiziert.
Vorwürfe wegen Methodendiebstahls und Urheberrechtsstreit
Die Ankündigung von OpenAI wird von schweren Vorwürfen begleitet. Der Mathematiker Tristan Buckmaster behauptet, dass das Unternehmen seine Methoden verwendet habe, nachdem es von seiner wissenschaftlichen Arbeit erfahren hatte.
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Buckmaster und sein Kollege Alpöge hatten zuvor bereits unter Einsatz von KI Beweise für das sogenannte „Blow-up“-Phänomen bei den Euler-, Boussinesq- und IPM-Gleichungen erbracht und diese ebenfalls in Lean verifizieren lassen.
Buckmaster äußerte den Verdacht, dass seine privaten Entwürfe, die im System Codex gespeichert waren, das Modell von OpenAI beeinflusst haben könnten. OpenAI bestreitet diese Darstellung sowie die Verwendung der Arbeit von Buckmaster und Alpöge ausdrücklich. Zudem werfen die Mathematiker dem Unternehmen vor, die Veröffentlichung des Navier-Stokes-Beweises überstürzt zu haben.
Im Zuge der Auseinandersetzung kam es auch zu persönlichen Konflikten. Buckmaster gab an, unter Druck gesetzt worden zu sein, Alpöge von der Liste der Autoren zu streichen. Er berichtete zudem von einer Befragung, in der ihm nahegelegt worden sei, seine Karriere nicht zu gefährden.
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Sebastien Bubeck von OpenAI wies die Vorwürfe, er habe den Ausschluss von Alpöge vorgeschlagen, als falsch und aufwiegelnd zurück. Er kündigte zudem eine detaillierte Stellungnahme zu den Behauptungen Buckmasters an.
Wissenschaftliche Einordnung und Verifizierung
Die Fachwelt reagiert mit einer Mischung aus Interesse und Zurückhaltung auf die Meldung. Während ein öffentlicher Streit zwischen Noam Brown von OpenAI und Sholto Douglas von Anthropic über die Anerkennung der Fortschritte entbrannte, teilte Alpöge eine bereits ein Jahr alte E-Mail. Diese soll belegen, dass die Zusammenarbeit der Forscher bereits weit vor dem aktuellen Zerwürfnis begonnen hatte.
Der renommierte Mathematiker Terence Tao kommentierte die Entwicklung vorsichtig optimistisch. Er erklärte, dass die angewandten Methoden grundsätzlich das Potenzial besäßen, auf die Navier-Stokes-Gleichungen ausgeweitet zu werden. Eine endgültige wissenschaftliche Anerkennung steht jedoch noch aus, da die Behauptungen von OpenAI derzeit auf eine unabhängige Verifizierung durch die Fachgemeinschaft warten.
