NEMESIS-Auswertung: Anteil anhaltender psychischer Leiden steigt auf 57,9 Prozent
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Beschwerden verlaufen bei Erwachsenen zunehmend langwierig oder treten nach vorübergehender Besserung erneut auf. Dies zeigen Auswertungen der niederländischen Bevölkerungsstudie NEMESIS, über die Medien wie metronieuws.nl und healthmedicinet.com am 22. und 23. September 2026 berichteten.
Die Forschungsreihe liefert einen direkten Vergleich zweier Erhebungszeiträume und verdeutlicht, dass die Wahrscheinlichkeit für wiederkehrende oder anhaltende Beeinträchtigungen im vergangenen Jahrzehnt spürbar zugenommen hat.
Deutlicher Anstieg bei anhaltenden und wechselnden Diagnosen
Für die Untersuchung verglichen die Forschenden Daten von Erwachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren aus zwei getrennten Erhebungsphasen. Die ältere Gruppe stammte aus den Jahren 2007 bis 2009, während die neuere Kohorte im Zeitraum von 2019 bis 2022 erfasst wurde. Beide Kohorten wurden über einen Zeitraum von jeweils rund drei Jahren nachbeobachtet.
Im Zentrum der Analyse stand der weitere Verlauf bei Personen, die bereits zu Beginn der Erhebungen unter einer psychischen Erkrankung litten. Betrachtet wurden dabei Angst-, Stimmungs- und Substanzstörungen. In der Kohorte von 2007 bis 2009 wiesen 42,7 Prozent der zu Beginn Erkrankten im dreijährigen Folgezeitraum mindestens eine dieser untersuchten Störungen auf.
In der neueren Vergleichsgruppe stieg dieser Anteil auf 57,9 Prozent. Wie die Studienauswertung betont, bedeutet dieser Wert nicht zwingend eine ununterbrochene Erkrankung über die vollen drei Jahre hinweg. Vielmehr können Diagnosen im Beobachtungszeitraum wechseln oder nach symptomfreien Phasen erneut auftreten.
Enge Persistenz bei Angst-, Stimmungs- und Substanzstörungen
Neben dem allgemeinen Wiederauftreten psychischer Leiden erfasste die Studie auch die sogenannte enge Persistenz, bei der Betroffene dieselbe diagnostische Störungskategorie beibehalten. In allen drei untersuchten Hauptbereichen verzeichnete die Untersuchung dabei deutliche Zuwächse zwischen den beiden Erhebungszeiträumen:
Die neue NEMESIS-Auswertung zeigt: Psychische Beschwerden kehren häufiger zurück oder halten länger an als noch vor einem Jahrzehnt — bei Angststörungen stieg die Persistenzrate von 24,4 auf 40,1 Prozent. Wer seine eigenen Warnsignale kennt, kann früher gegensteuern. Kostenlosen Ratgeber gegen Rückfall und Chronifizierung anfordern
- Bei Angststörungen erhöhte sich die Persistenzrate von 24,4 Prozent in der älteren Gruppe auf 40,1 Prozent in der neueren Kohorte.
- Bei Stimmungsstörungen stieg der Anteil von 33,5 Prozent auf 48,8 Prozent.
- Bei Substanzstörungen kletterte der Wert von 33,7 Prozent auf 45,5 Prozent.
Zudem belegen Auswertungen zur neueren Teilnehmergruppe, dass von den Personen mit einer anfänglichen Angststörung 41,6 Prozent erneut oder weiterhin unter einer Angstsymptomatik litten. Betrachtet man das Auftreten irgendeiner der untersuchten Störungsformen im Nachbeobachtungszeitraum, lag der Anteil bei den anfänglich von Angst Betroffenen sogar bei 57,1 Prozent.
Risikofaktoren und offene Ursachen
Die Analyse identifizierte spezifische Merkmale, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für langwierige oder wiederkehrende Krankheitsverläufe einhergehen. Ein gesteigertes Risiko zeigten demnach jüngere Erwachsene sowie Personen, die im städtischen Raum leben. Ebenfalls häufiger von anhaltenden Problemen betroffen waren Menschen mit zurückliegenden Kindheitstraumata oder einem nahezu täglichen Konsum von Drogen.
Jüngere Erwachsene, Menschen in der Stadt, mit Kindheitstraumata oder nahezu täglichem Drogenkonsum tragen laut NEMESIS-Auswertung ein höheres Risiko für anhaltende psychische Beschwerden. Ein persönlicher Risiko-Check hilft, die eigenen Faktoren zu erkennen und gezielt zu senken. Checkliste Risikofaktoren jetzt anfordern
Warum psychische Erkrankungen heute insgesamt häufiger einen chronischen oder wiederkehrenden Verlauf nehmen als noch vor über einem Jahrzehnt, lässt sich anhand der bisherigen Daten nicht abschließend erklären.
Die genauen Ursachen für den beobachteten Anstieg bleiben laut den Studienberichten ungeklärt. Die Befunde unterstreichen jedoch den Bedarf an weiterführender Forschung über die Rahmenbedingungen, die eine Chronifizierung psychischer Leiden begünstigen.
