NervenschÀden bei Krebs: Psilocybin bietet Schutz bis acht Monate
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 09:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der onkologischen Forschung markiert die Vorbeugung von Nebenwirkungen ein zentrales Feld, um die LebensqualitÀt von Patienten wÀhrend und nach einer Behandlung zu verbessern.
Aktuelle Untersuchungsergebnisse des MD Anderson Cancer Center, die Anfang September 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Psilocybin einen effektiven Schutz gegen die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) bieten könnte. Diese NervenschÀdigung stellt bisher eine hÀufige und schwerwiegende Belastung bei Krebstherapien dar.
PrÀklinische Ergebnisse zum Nervenschutz
Die in Science publizierten Daten aus prĂ€klinischen Modellen belegen, dass die Verabreichung von Psilocybin sensorische Nerven vor den schĂ€dlichen EinflĂŒssen einer Chemotherapie bewahren kann.
In Versuchsreihen mit MĂ€usen, die mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin behandelt wurden, stellten die Forscher fest, dass zwei prophylaktische Dosen des Wirkstoffs vor Beginn eines Chemotherapie-Zyklus ausreichten, um NervenschĂ€den ĂŒber einen Zeitraum von bis zu acht Monaten zu verhindern.
Die Schutzwirkung blieb den Berichten zufolge auch nach wiederholten Zyklen â konkret bis zu sechs Anwendungen â stabil. Dabei verhinderte Psilocybin weitgehend das Absterben von Nervenzellen und reduzierte die Entwicklung einer mechanischen Ăberempfindlichkeit sowie der sogenannten KĂ€lteallodynie, einer Schmerzreaktion auf KĂ€ltereize.
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung war zudem die Feststellung, dass der Wirkstoff das Tumorwachstum nicht beeinflusste, was eine Grundvoraussetzung fĂŒr den Einsatz in der Onkologie darstellt.
Wirkungsmechanismus ĂŒber den 5-HT2A-Rezeptor
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Das Forscherteam um die Wissenschaftler Amit und Dougherty konnte den zugrunde liegenden Mechanismus der Schutzwirkung identifizieren. Die Daten deuten darauf hin, dass Psilocybin den mitochondrialen Transport innerhalb der Nervenzellen aufrechterhÀlt.
Dieser Prozess ist fĂŒr die Energieversorgung und FunktionsfĂ€higkeit der langen NervenfortsĂ€tze essenziell. Die Wirkung wird dabei ĂŒber den 5-HT2A-Rezeptor vermittelt und folgt einem spezifischen Signalweg, an dem unter anderem die Proteine TrkB, Akt und MAP2 beteiligt sind.
Interessanterweise zeigten die Versuche, dass die halluzinogene Wirkung von Psilocybin fĂŒr den therapeutischen Effekt an den Nerven offenbar nicht zwingend erforderlich ist. Die Forscher testeten eine nicht-halluzinogene Verbindung namens TBG, die ebenfalls als Agonist am 5-HT2A-Rezeptor fungiert.
Diese Substanz bot in den Modellen einen Ă€hnlichen Schutz vor Neuropathien wie Psilocybin. Neben der Wirksamkeit bei Cisplatin erwies sich der Ansatz auch in Modellen mit anderen Chemotherapeutika wie Paclitaxel und Docetaxel als effektiv. Erste Experimente mit menschlichem Nervengewebe stĂŒtzten zudem die Relevanz dieser Ergebnisse fĂŒr den Menschen.
Ăbergang in die klinische Erprobung
Nachdem die prĂ€klinischen Phasen erfolgreich verlaufen sind, bereitet das MD Anderson Cancer Center den nĂ€chsten Schritt in der klinischen Entwicklung vor. FĂŒr November 2026 ist der Start einer klinischen Studie geplant, an der insgesamt 80 Patienten teilnehmen sollen. Ziel dieser Untersuchung ist es, die in den Tiermodellen beobachtete prĂ€ventive Wirkung erstmals systematisch am Menschen zu ĂŒberprĂŒfen.
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Fachleute betonen den dringenden Bedarf an Behandlungen, die Nervenverletzungen verhindern können, ohne die Wirksamkeit der eigentlichen Chemotherapie zu beeintrĂ€chtigen. Bisher existieren kaum First-in-Class-PrĂ€ventionen fĂŒr CIPN, weshalb die Erhaltung des mitochondrialen Transports ĂŒber Rezeptor-Agonisten als vielversprechender neuer Behandlungsansatz eingestuft wird.
Ob die Ergebnisse der MĂ€use-Modelle, bei denen zwei Dosen einen Schutz ĂŒber acht Monate boten, direkt auf den klinischen Alltag ĂŒbertragbar sind, wird die kommende Studienphase zeigen mĂŒssen.
