Neugeborene, Geschlechterforschung

Neugeborene Studie zeigt Unterschiede bei Gesichtern und Objekten

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein Forschungsteam aus Cambridge berichtet von Geschlechtsunterschieden bei der Aufmerksamkeit von Neugeborenen. MÀnnliche SÀuglinge wandten sich im Schnitt etwas stÀrker Objekten zu, weibliche etwas stÀrker sozialen Reizen wie Gesichtern.

Rosa und blaue Nuckel fĂŒr ein MĂ€dchen und einen Jungen - Bild: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Rosa und blaue Nuckel fĂŒr ein MĂ€dchen und einen Jungen - Bild: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Schon kurz nach der Geburt zeigen sich nach einer neuen Studie Unterschiede im Blickverhalten von MĂ€dchen und Jungen.

Studie mit 130 Neugeborenen

Das Team um Yumnah Khan von der UniversitÀt Cambridge untersuchte 130 Neugeborene im Durchschnitt rund 33 Stunden nach der Geburt. Den Babys wurden gleichzeitig ein menschliches Gesicht mit wechselnder Mimik und ein bewegtes Objekt gezeigt, ein Newton-Pendel aus Metallkugeln.

UnabhÀngig vom Geschlecht blickten die Neugeborenen bevorzugt auf das Gesicht. Bei weiblichen SÀuglingen war diese Vorliebe im Schnitt stÀrker ausgeprÀgt. MÀnnliche SÀuglinge verbrachten dagegen anteilig mehr Zeit mit dem Objekt.

Hinweis auf frĂŒhe Unterschiede

Die Forschenden sehen darin einen möglichen Hinweis darauf, dass biologische Faktoren schon vor oder unmittelbar nach der Geburt eine Rolle spielen könnten. Genannt werden unter anderem Hormone und Genetik. Zugleich verweisen die Wissenschaftler auf weitere mögliche ErklÀrungen, etwa Unterschiede im Reifungsstand oder in den visuellen Eigenschaften der Reize.

Die Studie knĂŒpft an eine Ă€ltere Untersuchung der UniversitĂ€t Cambridge aus dem Jahr 2000 an, die Ă€hnliche Tendenzen beschrieben hatte. Das neue Team verweist zugleich darauf, dass die Befunde Gruppenmittelwerte betreffen und nicht fĂŒr jedes einzelne Kind gelten.

Offene Frage nach den Folgen

Die Forscher wollen nun untersuchen, ob frĂŒhe geschlechtsspezifische Unterschiede spĂ€ter mit Entwicklungen in Psyche, Gehirn und Verhalten zusammenhĂ€ngen. Der Befund sagt noch nichts darĂŒber, wie stark Umwelt und Erziehung im weiteren Verlauf wirken. Er macht aber sichtbar, dass die Debatte ĂŒber angeborene und erlernte Unterschiede deutlich frĂŒher ansetzt als oft angenommen.

Warum die Studie ĂŒber den Einzelfall hinausreicht

Die neue Cambridge-Studie greift eine Debatte auf, die Wissenschaft und Öffentlichkeit seit Jahren begleitet: Wie viel von geschlechtstypischem Verhalten ist biologisch angelegt, wie viel entsteht durch frĂŒhe Erfahrung? Der jetzt beschriebene Befund ist deshalb bedeutsam, weil er sehr nah an den Beginn des Lebens rĂŒckt. Wenn sich Unterschiede schon kurz nach der Geburt im Blickverhalten zeigen, verschiebt das die Suche nach Ursachen weiter in die Schwangerschaft und die frĂŒheste Entwicklung.

FĂŒr die Forschung ist vor allem wichtig, dass es sich um durchschnittliche Unterschiede handelt und nicht um feste Regeln fĂŒr einzelne Kinder. Genau darin liegt der praktische Wert solcher Studien: Sie zeigen Wahrscheinlichkeiten, keine Schicksale. Das ist relevant fĂŒr alle Bereiche, in denen ĂŒber Förderung, Spielzeug, Lernumfelder oder frĂŒhe Diagnostik gesprochen wird. Die Ergebnisse sprechen dafĂŒr, dass biologische Faktoren und soziale EinflĂŒsse nicht getrennt, sondern gemeinsam betrachtet werden mĂŒssen.

Auch gesellschaftlich ist der Befund anschlussfĂ€hig, weil er verbreitete Klischees weder bestĂ€tigt noch widerlegt, sondern differenziert. Er erklĂ€rt nicht, warum spĂ€tere Unterschiede in Schule, Beruf oder Sozialverhalten entstehen, liefert aber einen frĂŒhen Ausgangspunkt fĂŒr weitere Forschung. Gerade daraus ergibt sich die Bedeutung fĂŒr Leser: Solche Studien zeigen, wie vorsichtig aus Gruppenbefunden auf einzelne Kinder geschlossen werden muss und wie groß der Einfluss spĂ€terer Umwelt bleibt.

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