Neurodermitis: Lebrikizumab kommt jetzt alle acht Wochen
13.06.2026 - 04:33:01 | boerse-global.de
Neue Zulassungen, vielversprechende Studiendaten und politische Forderungen prägen das Geschehen.
Neurodermitis: Weniger Spritzen, mehr Patienteneinblick
Das Biologikum Lebrikizumab kommt künftig seltener unter die Haut. Die FDA erteilte am 11. Juni die Zulassung für ein zweimonatliches Dosierungsschema. Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren müssen das Medikament in der Erhaltungsphase nur noch alle acht Wochen spritzen – statt monatlich. Basis der Entscheidung ist eine 32-wöchige Extensionsstudie ohne neue Sicherheitssignale. Häufige Nebenwirkungen: Bindehautentzündungen und Reaktionen an der Einstichstelle.
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Parallel rücken die Erfahrungen der Betroffenen stärker in den Fokus. Das Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK) plant für den 2. Juli eine Online-Umfrage. Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis sollen Einblicke in ihren Therapiealltag geben. Für die mehrstündige Sitzung ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen.
Experten warnen zudem vor sommerlichen Risiken. Die gestörte Hautbarriere und verstärkte Schweißbildung machen Neurodermitis-Patienten anfälliger für Hefepilzinfektionen. Bei Hautveränderungen ist eine dermatologische Abklärung nötig.
Chronische Nesselsucht: Neue Hoffnung für Betroffene
Novartis präsentierte am 12. Juni signifikante Phase-III-Daten zum Wirkstoff Remibrutinib. Das Medikament richtet sich gegen chronisch induzierbare Nesselsucht (CIndU) – eine Form, die durch Kälte, Wärme oder Druck ausgelöst wird.
Die Ergebnisse: Doppelt so viele Patienten wie in der Placebogruppe erreichten eine Symptomkontrolle. Betroffen waren Menschen mit Kälteurtikaria, cholinergischer Urtikaria oder symptomatischem Dermographismus, die auf Antihistaminika nicht ausreichend ansprachen. Ein Zulassungsantrag für eine Unterform der Erkrankung ist in den USA bereits eingereicht. Weitere weltweite Einreichungen folgen im Laufe des Jahres. Sicherheitsbedenken zur Leberfunktion traten in dieser Studienphase nicht auf.
Seltene Verläufe: Durchbruch bei pustulöser Psoriasis
Auch bei der generalisierten pustulösen Psoriasis (GPP) gibt es Erfolgsmeldungen. Ein vietnamesisches Fachkrankenhaus berichtete über den erfolgreichen Einsatz des IL-36R-Antikörpers Spesolimab. Bei einer Patientin mit akutem Schub führte die Behandlung innerhalb weniger Tage zur deutlichen Rückbildung der Symptome und Normalisierung des Hautbildes.
Ein Rheumatologie-Update-Seminar Mitte Juni thematisierte zudem die Infektionsrisiken bei systemischen Autoimmunerkrankungen. Schwere Infektionen können das Risiko für Krankheitsschübe bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) massiv erhöhen. Europäische Kohortenstudien unterstreichen die Bedeutung einer Infektionsprophylaxe – besonders bei Therapien, die das Risiko für Herpes Zoster steigern.
Gesundheitspolitik: Rheuma-Liga kritisiert geplante Reformen
Die Deutsche Rheuma-Liga geht auf Konfrontationskurs. Im Vorfeld parlamentarischer Beratungen am 12. Juni kritisierte der Verband geplante Gesetzesänderungen zur Beitragsstabilität in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Befürchtung: eine Lastenverschiebung auf chronisch Kranke durch steigende Zuzahlungen und eine Ausweitung des Festbetragssystems. Der Verband fordert stattdessen die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln.
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Ein am 12. Juni veröffentlichter Bericht zur Rechtslage bei Hausstaubmilbenallergien zeigt zudem die anhaltende Debatte um Hilfsmittel. Ein älteres Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt – Krankenkassen müssen Kosten für antiallergene Matratzenbezüge übernehmen – wird derzeit vom Bundessozialgericht geprüft.
Grundlagenforschung: Neue Erkenntnisse zu Darmerkrankungen
Die Universität Oxford veröffentlichte am 12. Juni eine Studie mit neuen Ansätzen für das Verständnis chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Forscher identifizierten bei einer Patientengruppe Autoantikörper gegen das Protein IL-10. Die Folge: Die natürliche Entzündungsbremse des Körpers wird beeinträchtigt. Die Antikörper stehen in Zusammenhang mit bestimmten genetischen Varianten.
