Neurology-Studie, Frühe

Neurology-Studie: Frühe Zuckerbegrenzung senkt Alzheimer-Risiko um bis zu 28 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine britische Auswertung verbindet Zuckerrestriktionen bis zum zweiten Lebensjahr mit weniger Demenz und späterem Erkrankungsbeginn.
Minimalistisch eingerichtetes Kinderzimmer mit sanftem Tageslichteinfall auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Die Ernährung in den ersten 1.000 Lebenstagen hat nach aktuellen wissenschaftlichen Auswertungen weitreichende Konsequenzen für die neurologische Gesundheit im späteren Leben. Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Untersuchung auf Basis der UK Biobank zeigt, dass eine begrenzte Zuckeraufnahme während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren mit einem signifikant geringeren Risiko für Demenzerkrankungen einhergeht.

Historische Rationierung als natürliches Experiment

Als Grundlage für die Untersuchung diente ein historisches Ereignis im Vereinigten Königreich: Dort galt von 1942 bis Ende September 1953 eine staatliche Zuckerrationierung. Nach deren Aufhebung stieg der Zuckerkonsum der Bevölkerung sprunghaft um über 50 Prozent an. Forscher nutzten diesen Umstand als natürliches Experiment, um Kohorten miteinander zu vergleichen, die während dieser Phase oder kurz danach empfangen und geboren wurden.

In der Neurology-Studie wurden Daten von 40.963 Personen analysiert, die der Rationierung ausgesetzt waren. Davon erlebten 10.682 Personen die Einschränkungen lediglich im Mutterleib, 15.025 bis zum ersten Lebensjahr und 15.256 bis zum zweiten Lebensjahr.

Dem gegenüber stand eine Vergleichsgruppe von 23.774 unexponierten Personen. Bei den Unexponierten traten 504 Demenzfälle (2,1 Prozent), 227 Alzheimer-Fälle (1,0 Prozent) und 178 Fälle vaskulärer Demenz (0,75 Prozent) auf.

Deutliche Effekte auf Demenzrisiko und Erkrankungsalter

Die Auswertung ergab, dass eine Zuckerbegrenzung im Mutterleib plus dem ersten Lebensjahr mit einer um 21 Prozent geringeren Hazard-Rate für Demenz und einer um 23 Prozent geringeren Rate für Alzheimer verbunden war.

Wurde die Rationierung über den Mutterleib hinaus bis zu einem Alter von ein bis zwei Jahren beibehalten, fiel der Zusammenhang noch deutlicher aus: Das Risiko sank um 23 Prozent für Demenz beziehungsweise um 28 Prozent für Alzheimer. Bestand die Begrenzung hingegen ausschließlich im Mutterleib und endete vor dem ersten Lebensjahr, zeigte sich kein signifikanter Effekt.

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Zudem traten neurodegenerative Erkrankungen bei früher Zuckerbegrenzung spürbar später auf. Der Beginn einer Demenz verzögerte sich durchschnittlich um 2,55 Jahre, bei Alzheimer um 2,87 Jahre und bei vaskulärer Demenz um 2,49 Jahre. Etwa ein Viertel dieses Zusammenhangs lässt sich laut der Studie durch das spätere Auftreten von Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck erklären.

Befunde in Bildgebung und psychischer Gesundheit

Ergänzende Magnetresonanztomografien (MRI) bei einer Subgruppe von über 7.500 Personen mit einem Durchschnittsalter von 61,8 Jahren wiesen strukturelle Unterschiede auf. Personen mit früher Zuckerrationierung zeigten mehr graue Substanz sowie weniger White-Matter-Läsionen im Gehirn. Bei Kognitionstests, die bei 6.400 bis 20.600 Teilnehmenden durchgeführt wurden, erzielten sie teilweise bessere Ergebnisse.

Parallel dazu untersuchte eine in npj Aging erschienene Studie ebenfalls die Auswirkungen der frühen Kindheitsrationierung und stellte ein geringeres Risiko für Demenz, Alzheimer, Depression und Angstzustände fest.

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Eine weitere Analyse von 66.223 Erwachsenen, die zwischen Ende 1951 und Mitte 1956 geboren wurden, ermittelte bei einer Rationierung von der Empfängnis bis etwa zum zweiten Lebensjahr ein um circa 24 Prozent geringeres Risiko für Angststörungen sowie ein um 21 Prozent geringeres Depressionsrisiko.

In dieser Phase stieg die tägliche Zuckeraufnahme nach dem Ende der staatlichen Vorgaben innerhalb von 18 Monaten von rund 43 Gramm auf 74 Gramm, wobei Zucker 77 Prozent der zusätzlichen Kalorien lieferte.

Bei der Neurology-Studie handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, womit kein direkter Kausalnachweis erbracht ist. Die individuelle Zuckeraufnahme der beteiligten Personen wurde damals nicht exakt gemessen, weshalb die Daten Rückschlüsse über Bevölkerungsgruppen, nicht jedoch über Einzelfälle zulassen.

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