Neuromorpher, Chip

Neuromorpher Chip: Chinesische Forscher übertreffen Nvidia um 478-fach

06.07.2026 - 02:43:45 | boerse-global.de

Ein neuartiger Memristor-Chip aus Peking übertrifft Nvidias Top-GPU bei Gehirnsimulationen um ein Vielfaches und eröffnet neue medizinische Anwendungen.

Peking-Forscher entwickeln Chip: 478x schneller als Nvidia A100
Neuromorpher - Futuristischer Mikrochip mit leuchtenden neuronalen Bahnen, fortschrittliche KI-Verarbeitung andeutend, vor dunklem High-Tech-Hintergrund. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Forscher aus Peking haben einen neuartigen Chip entwickelt, der Nvidias Top-GPU bei biologischen Simulationen um ein Vielfaches übertrifft.

Ein Team der Peking-Universität und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften stellte einen spezialisierten neuromorphen Chip vor, der bei der Echtzeit-Rekonstruktion von Gehirnoberflächen bis zu 478-mal schneller arbeitet als eine Nvidia A100. Die Ergebnisse wurden am 4. Juli 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht.

Durchbruch mit Memristor-Technologie

Der Chip ist der weltweit erste seiner Art, der auf Memristoren basiert – einer Technologie, die Berechnungen direkt im Speicher ausführt. Entwickelt unter der Leitung von Yang Yuchao, nutzt das Bauteil Phasenwechsel-Memristoren für komplexe neuronale Oberflächenrekonstruktionen.

Die Zahlen sind beeindruckend: Der Chip erledigt diese Aufgaben in 426 Millisekunden – weniger als einer halben Sekunde. Je nach Arbeitslast liegt die Leistungssteigerung gegenüber der Nvidia A100 zwischen dem 50- und 478-Fachen. Dabei arbeitet der 40-Nanometer-Chip mit einer Taktfrequenz von 50 MHz und benötigt für einen einzigen Rechenschritt lediglich 2,12 Millisekunden.

Besonders bemerkenswert: Die Energieeffizienz übertrifft bestehende anwendungsspezifische Schaltkreise um das 11,75- bis 24,73-Fache. Die Oberflächengenauigkeit liegt bei unter 0,001 Millimetern, die Chipfläche beträgt kompakte 0,28 Quadratmillimeter.

Medizin und Robotik als Zielmärkte

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Die Vorteile des Chips beschränken sich derzeit auf spezialisierte neuronale Aufgaben. Für breitere KI-Anwendungen bleiben Nvidias H100- und B200-Architekturen überlegen.

Doch genau diese Spezialisierung macht den Chip für bestimmte Bereiche wertvoll: Chirurgische Navigation, Gehirn-Computer-Schnittstellen und die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer stehen im Fokus. Die Fähigkeit, in Echtzeit „digitale Gehirnzwillinge" zu erstellen, könnte präzisere medizinische Eingriffe ermöglichen und die Robotik voranbringen.

Chinas Kampf um Halbleiter-Unabhängigkeit

Die Vorstellung des neuromorphen Chips ist Teil einer größeren Entwicklung. China arbeitet intensiv daran, internationale Exportbeschränkungen zu umgehen und eine eigene KI-Lieferkette aufzubauen.

Erst am 1. Juli 2026 verließ das KI-Chip-Startup Dongfang Suanxin seine Stealth-Phase. Unter der Leitung von Wei Shaojun, Vizepräsident des chinesischen Halbleiterverbands, konzentriert sich das Unternehmen auf 3D-Stapelung und speichernahes Rechnen – bei vollständig heimischer Fertigung.

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Auch im Softwarebereich tut sich etwas: Meituan veröffentlichte am 30. Juni 2026 sein Sprachmodell LongCat-2.0. Mit 1,6 Billionen Parametern, trainiert auf 30 Billionen Tokens und über 50.000 heimischen KI-Beschleunigern, ist es eines der ersten großen chinesischen Modelle, das vollständig auf nationaler Hardware läuft.

Marktausblick: Wettbewerb verschärft sich

Finanzanalysten beobachten diese Entwicklungen genau. US-geführte Exportbeschränkungen bremsen Nvidias Umsatzwachstum in China zunehmend. Die Investmentbank Macquarie stufte in einem Bericht vom 30. Juni 2026 mehrere chinesische KI-Chip-Hersteller positiv ein.

Als Top-Pick gilt Cambricon mit einem Kursziel von 2.060 Yuan. Auch Biren Technology sieht Macquarie positiv, während Hygon eine Untergewichtung erhielt. Branchenbeobachter sehen in der „heimischen Substitution" einen Wettbewerb, bei dem lokale Firmen wie Huawei und Cambricon zunehmend die Lücke füllen, die durch die Beschränkungen internationaler Hochleistungshardware entstanden ist.

de | wissenschaft | 69700523 |