Mangel, HIV-Mittel

Mangel bei HIV-Mittel - Aidshilfe befĂŒrchtet «fatale Folgen»

30.01.2024 - 07:38:20

Nicht nur Kondome spielen beim HIV-Schutz eine wichtige Rolle, auch spezielle Medikamente geben Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko Sicherheit. Doch die Versorgung mit dem Arzneimittel ist bedroht.

Ein von Zehntausenden Menschen in Deutschland genutztes Medikament zum Schutz vor einer HIV-Infektion ist derzeit nicht ausreichend verfĂŒgbar. Mehrere Hersteller der sogenannte PrĂ€expositionsprophylaxe, kurz Prep, haben beim Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) LieferengpĂ€sse gemeldet. Seit dem Jahreswechsel zeige sich «eine Entwicklung hin zu einer eingeschrĂ€nkten VerfĂŒgbarkeit» des in Deutschland zugelassenen Medikaments, teilte das BfArM auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Seit September 2019 ist die Prep in Deutschland fĂŒr Menschen mit einem substanziellen HIV-Infektionsrisiko eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Man nimmt dabei tĂ€glich eine Tablette mit zwei Wirkstoffen, die die Vermehrung des Virus im Körper unterdrĂŒcken.

«Nach den uns vorliegenden Daten wird sich die VerfĂŒgbarkeit dieser Arzneimittel Anfang Februar leicht stabilisieren», sagte ein BfArM-Sprecher. Die meisten LieferengpĂ€sse seien derzeit allerdings bis MĂ€rz, beziehungsweise April prognostiziert.

Aidshilfe warnt vor «fatalen Folgen»

Einer Umfrage der Deutschen Arbeitsgemeinschaft ambulant tĂ€tiger Ärztinnen und Ärzte fĂŒr Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (DagnĂ€) zufolge gibt es derzeit nicht genĂŒgend Medikamente, um alle Nutzerinnen und Nutzer zu versorgen. Demnach ist die ĂŒberwiegende Mehrheit der befragten HIV-Schwerpunktpraxen von den LieferengpĂ€ssen betroffen. Viele könnten nur noch reduzierte PackungsgrĂ¶ĂŸen herausgeben. Einige Nutzer mussten laut DagnĂ€ sogar die Einnahme unterbrechen oder ihre Therapie umstellen. Das Medikament wird auch von Menschen eingenommen, die bereits mit HIV infiziert sind.

Wenn der Schutz vor HIV weiter ausfalle, werde das «fatale Folgen» haben, warnte Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe bereits vor einigen Wochen. Sicherer Sex sei durch den Mangel gefÀhrdet. «Die Politik darf Menschen, die dieses Medikament dringend brauchen, nicht im Stich lassen.» Nach Angaben des Robert Koch-Instituts nutzen in Deutschland rund 40.000 Menschen die Prep (Stand September 2023).

Laut BfArM versuchen einige Hersteller, die Warenkontingente zu vergrĂ¶ĂŸern oder frĂŒher als ursprĂŒnglich geplant auf den Markt zu bringen. Außerdem werde derzeit geklĂ€rt, ob Medikamente aus dem Ausland zur VerfĂŒgung gestellt werden könnten. «Eine erste RĂŒckmeldung zeigt, dass Warenkontingente in den USA identifiziert werden konnten», sagte der Sprecher der Behörde.

@ dpa.de