Nieman Lab: ChatGPT setzt Namen von mehr als 15 Cartoonisten auf KI-Bilder
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung von Nieman Lab hat aufgedeckt, dass das KI-System ChatGPT Signaturen und Künstlernamen von mehr als 15 Cartoonisten des US-Magazins The New Yorker auf automatisch generierte Cartoons gesetzt hat. Die betroffenen Zeichner hatten die entsprechenden Werke zu keinem Zeitpunkt selbst erstellt.
Zu den betroffenen Kunstschaffenden zählen laut der am 5. Oktober bekannt gewordenen Recherche unter anderem Brendan Loper, der unter dem Kürzel BLOPER zeichnet, sowie Harry Bliss, Emily Flake, Joe Dator, Pat Byrnes, Peter Vey, Jason Adam Katzenstein, George Booth und Liza Donnelly.
Reaktionen der Künstler und des KI-Entwicklers
Die Illustratorin Emily Flake schilderte nach Ansicht der Ergebnisse, sie erkenne die genetische Spur ihrer Arbeit wieder, wobei das Resultat wie ein entfernter Verwandter wirke. Die mit ihrem Pseudonym versehenen Bilder stellten eine Mischung verschiedener Stile dar, während die Signatur eindeutig ihre eigene sei.
OpenAI stuft die Vorkommnisse als unbeabsichtigtes Verhalten des Modells ein und betonte, die Zukunft der Kreativität bleibe grundsätzlich menschlich. Zugleich verweigerte das Unternehmen eine Erklärung dazu, auf welchem Weg die realen Künstlernamen in die Ausgaben gelangten.
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Noch im Jahr 2025 hatte OpenAI geltend gemacht, ChatGPT könne zwar den generellen Stil eines Studios emulieren, nicht jedoch die Handschrift eines einzelnen individuellen Künstlers imitieren.
Nach entsprechenden Nachfragen von Nieman Lab blendet das System bei Eingabeaufforderungen im Stil des New Yorker nun Warnungen vor möglichen Konflikten mit Vorgaben zur Ähnlichkeit mit Drittinhalten ein. Trotz dieser Warnhinweise entstehen laut Nieman Lab weiterhin Zeichnungen, die mit den echten Namen der Künstler versehen sind.
Lizenzgrenzen und juristische Debatte
Der Medienkonzern Condé Nast stellte klar, dass der im Jahr 2024 mit OpenAI geschlossene Lizenzvertrag das Training von KI-Modellen mit Cartoons keineswegs gestatte.
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Ein Sprecher des New Yorker betonte, dass die Vereinbarung die Cartoons nicht abdecke und das Magazin diese Inhalte zu keinem Zeitpunkt für das Training von Künstlicher Intelligenz lizenziert habe. Auch die Nutzung von Logos oder Bildwerken sei untersagt, da die Urheberrechte direkt bei den jeweiligen Illustratoren verblieben sind.
Vor diesem Hintergrund fordern Condé Nast sowie weitere US-Verlage vom US-Kongress rechtliche Maßnahmen gegen das unautorisierte Auslesen publizierter Inhalte. Juristische Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich eine mögliche Klage vor allem auf die Frage konzentrieren würde, ob urheberrechtlich geschützte Elemente der Werke unzulässig kopiert wurden.
