Nierenerkrankungen: 10 Prozent betroffen, doch oft bleibt der Schaden unentdeckt
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit zunehmendem Alter steigt das Risiko fĂŒr chronische Organ- und Stoffwechselerkrankungen kontinuierlich an. Fachberichte heben hervor, dass fĂŒr MĂ€nner ab 60 Jahren erweiterte internistische und urologische Vorsorgeuntersuchungen eine zentrale Rolle spielen, um altersbedingte Gesundheitsrisiken frĂŒhzeitig zu erkennen und schwerwiegende FolgeschĂ€den abzuwenden.
WĂ€hrend bei jĂŒngeren Erwachsenen oft grundlegende Routinechecks ausreichen, erfordert die zweite LebenshĂ€lfte eine verstĂ€rkte Aufmerksamkeit fĂŒr Organfunktionen, Stoffwechselparameter und urologische VerĂ€nderungen.
Umfassender Check-up fĂŒr Stoffwechsel und Organfunktion
FĂŒr eine aussagekrĂ€ftige internistische Vorsorge stehen neben der körperlichen Basisuntersuchung detaillierte Laboranalysen im Mittelpunkt. Das Spektrum umfasst das Blutbild sowie die gezielte Bestimmung von NĂŒchternblutzucker, Blutfetten sowie Leber- und Nierenwerten.
Um verlĂ€ssliche Messergebnisse zu gewĂ€hrleisten, erfordern diese Blutanalysen eine NĂŒchternheit von 8 bis 12 Stunden. Liegen akute Infektionen vor, sollte der Check-up verschoben werden, da EntzĂŒndungsprozesse die Laborbefunde verfĂ€lschen können.
ErgÀnzend zu den Blutuntersuchungen gehören Urinanalysen sowie bildgebende Verfahren wie der Ultraschall des Abdomens zu den zentralen Bestandteilen, um die Funktion und Struktur der inneren Organe zu beurteilen und AuffÀlligkeiten im Bauchraum rechtzeitig zu identifizieren.
FrĂŒherkennung bei VerĂ€nderungen der Prostata
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Ein wesentlicher Schwerpunkt der Gesundheitsvorsorge fĂŒr Ă€ltere MĂ€nner liegt im urologischen Bereich. Eine VergröĂerung der Prostata ist in den meisten FĂ€llen altersbedingt: Ab einem Alter von 50 Jahren ist bereits jeder zweite Mann betroffen, wĂ€hrend die VerĂ€nderung bei 90-JĂ€hrigen fast ausnahmslos vorliegt.
Eine solche gutartige Prostatahyperplasie ist zwar primĂ€r nicht lebensgefĂ€hrlich, kann jedoch erhebliche Komplikationen verursachen. Zu den typischen Symptomen zĂ€hlen ein verstĂ€rkter oder hĂ€ufiger Harndrang, nĂ€chtliches Wasserlassen, ein abgeschwĂ€chter Urinstrahl, eine verlĂ€ngerte Blasenentleerung, verzögerter Urinbeginn, Nachtröpfeln sowie das GefĂŒhl einer unvollstĂ€ndigen Entleerung und Inkontinenz.
Bösartige Neubildungen treten seltener auf, lassen sich jedoch nur durch eine Ă€rztliche Untersuchung sicher ausschlieĂen. Prostatakrebs verursacht im FrĂŒhstadium zumeist keine Beschwerden. Mögliche Warnzeichen sind neben Problemen beim Wasserlassen auch Blut im Urin oder in der SamenflĂŒssigkeit sowie Schmerzen oder VerĂ€nderungen beim Geschlechtsverkehr.
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Da Symptome allein keine Diagnose erlauben, ist bei Beschwerden der Gang zum Hausarzt oder Urologen geboten. Der Nutzen von Routineverfahren wie dem PSA-Test als allgemeines Screening gilt jedoch als nicht eindeutig geklĂ€rt, zumal ein erhöhter Wert nicht automatisch auf einen Tumor hinweist. FrĂŒherkennungsmaĂnahmen sollten daher individuell nach Alter und familiĂ€rer Vorbelastung abgestimmt werden.
Risikofaktor Niere: GroĂe Dunkelziffer bei chronischen SchĂ€den
Besondere Dringlichkeit kommt der FrĂŒherkennung von Nierenerkrankungen zu. Nach Angaben des Nephrologen Thimoteus Speer von der UniversitĂ€tsklinik Frankfurt haben rund 10 Prozent der Bevölkerung eine chronische Nierenerkrankung, doch lediglich bei 3 Prozent bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist diese bislang diagnostiziert.
Nierenerkrankungen rangieren derzeit auf Platz 16 der durch Krankheiten verlorenen Lebensjahre, fĂŒr das Jahr 2040 wird ein Anstieg auf Platz 5 prognostiziert.
Zudem gelten NierenschĂ€den als stĂ€rkster Risikofaktor fĂŒr Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt â mit gröĂerer Hebelwirkung als klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte. Zur frĂŒhzeitigen Aufdeckung gilt ein Albumin-Test im Urin als genauer im Vergleich zu gĂ€ngigen Kassenstandards.
Wie wichtig die Vermeidung eines Organversagens ist, zeigt die Situation bei schweren VerlÀufen: Die Wartezeit auf eine Spenderniere betrÀgt aktuell 10 bis 12 Jahre. Ein solches Transplantat hÀlt im Durchschnitt etwa 20 Jahre. An der UniversitÀtsklinik Frankfurt steht unterdessen die 3000. Nierentransplantation bevor.
