Nierenerkrankungen: 18,4% haben Symptome, nur 5% wissen es
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 16:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle medizinische Fachrichtlinien betonen die Notwendigkeit einer verstĂ€rkten FrĂŒherkennung von chronischen Nierenerkrankungen (CKD) bei Menschen mit kardiovaskulĂ€ren Leiden. Da sich Herz- und Nierenerkrankungen gegenseitig verstĂ€rken, haben Fachgesellschaften neue Empfehlungen erarbeitet, um die oft unerkannt bleibenden NierenschĂ€den frĂŒhzeitig zu identifizieren und die Behandlungspfade zu optimieren.
Neue Standards durch den ESC-Kongress in MĂŒnchen
Im Rahmen des ESC Congress 2026 in MĂŒnchen, der Ende August stattfand, stellte die European Society of Cardiology (ESC) eine neue Leitlinie vor. Diese empfiehlt ein systematisches CKD-Screening fĂŒr alle Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits zum Zeitpunkt der Diagnose. Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass eine chronische Nierenerkrankung das kardiovaskulĂ€re Risiko signifikant erhöht.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf zwei diagnostischen Parametern: der geschÀtzten glomerulÀren Filtrationsrate (eGFR) und dem Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR).
Eine gemeinsame Leitlinie der ESC und der European Renal Association (ERA), die am 28. August 2026 in MĂŒnchen prĂ€sentiert wurde, verdeutlicht, dass bereits eine eGFR von weniger als 60 ml/min/1,73mÂČ das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Ereignisse steigert. Eine zusĂ€tzlich vorliegende Albuminurie verschĂ€rft diese GefĂ€hrdung weiter.
Der STAMP-Ansatz zur strukturierten Versorgung
Um die Umsetzung in der klinischen Praxis zu erleichtern, wurde Ende August 2026 der sogenannte âSTAMP on CKDâ-Ansatz vorgestellt. Dieses Akronym steht fĂŒr ein fĂŒnfstufiges Verfahren: Screen (Screenen), Triage (Einstufen), Address (Ansprechen), Modify (Modifizieren) und Plan (Planen). Ziel ist es, durch die Kombination aus Diagnostik und gezielter Risikomodifikation die Prognose der Betroffenen zu verbessern.
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Medizinische Experten weisen in diesem Zusammenhang auf die Wirksamkeit moderner Therapieoptionen hin. Der Einsatz von RAS-Inhibitoren, SGLT2-Inhibitoren und Statinen könne das Risiko fĂŒr schwerwiegende Komplikationen deutlich senken. Dennoch bleibt die Unterdiagnose ein zentrales Problem in der Patientenversorgung.
Hohe Dunkelziffer und ökonomische Auswirkungen
Daten der NAKO-Gesundheitsstudie, die auf Untersuchungen an 195.000 Erwachsenen mit einem mittleren Alter von 50 Jahren basiert, unterstreichen die Problematik der mangelnden Wahrnehmung. Den Ergebnissen zufolge wiesen 18,4 % der Teilnehmenden auffÀllige Nierenwerte auf, jedoch waren sich nur 5 % der Betroffenen ihrer Erkrankung bewusst.
In Deutschland leben schÀtzungsweise 8 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Davon sind etwa 100.000 Patienten auf eine Dialyse angewiesen, wÀhrend rund 20.000 Menschen mit einer Spenderniere leben.
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Auch auf europĂ€ischer Ebene ist die Belastung hoch: In Europa sind rund 100 Millionen Menschen von CKD betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Allein fĂŒr Deutschland wurden die Kosten im Zusammenhang mit Nierenerkrankungen fĂŒr das Jahr 2020 auf ĂŒber 24 Milliarden Euro beziffert. Bereits im Dezember 2025 stufte die EuropĂ€ische Union chronische Nierenerkrankungen im Rahmen des âSafe Hearts Planâ als zentralen Risikofaktor ein.
WeiterfĂŒhrende Diskussionen im Herbst 2026
Die Relevanz der FrĂŒherkennung wird auch Thema kommender Fachveranstaltungen sein. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Nephrologie (DGfN) befasst sich im Rahmen ihrer Jahrestagung vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig mit der Problematik, dass Nierenerkrankungen bei Herz-Kreislauf-Patienten hĂ€ufig unentdeckt bleiben.
Die Fachleute fordern die konsequente Nutzung von eGFR- und UACR-Tests, um die IdentifikationslĂŒcke in der PrimĂ€rversorgung und Kardiologie zu schlieĂen.
