Nikotinprodukte, Form

Nikotinprodukte: Keine sichere Form fĂŒr das Herz-Kreislauf-System

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Übersichtsarbeit belegt: Nikotin schĂ€digt das Herz-Kreislauf-System unabhĂ€ngig von der Konsumform. Verzicht bleibt die einzige Option ohne Restrisiko.

Nikotin in allen Formen schÀdigt das Herz-Kreislauf-System
Ein medizinisches Stethoskop liegt auf einem Holztisch vor dem unscharfen Hintergrund einer kardiologischen Praxis. Illustration mit AI erstellt.

Ob Zigarette, E-Zigarette, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel – fĂŒr das Herz-Kreislauf-System gibt es keine unbedenkliche Konsumform von Nikotin. Zu diesem Schluss kommt eine Übersichtsarbeit, die ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Thomas MĂŒnzel von der UniversitĂ€tsmedizin Mainz in der Fachzeitschrift Nature Reviews Cardiology veröffentlicht hat.

Die Autoren fassen darin den aktuellen Forschungsstand zu den kardiovaskulÀren Wirkungen unterschiedlicher Nikotinprodukte zusammen und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Nikotin schÀdigt das Herz-Kreislauf-System unabhÀngig davon, wie es konsumiert wird.

Zwei Angriffswege auf die GefĂ€ĂŸe

Der Übersichtsarbeit zufolge greift Nikotin das Herz-Kreislauf-System ĂŒber zwei voneinander unabhĂ€ngige Mechanismen an. Zum einen wirkt es auf das Endothel, die innere Zellschicht der BlutgefĂ€ĂŸe: Dort unterdrĂŒckt Nikotin die Bildung von Prostacyclin und fördert die Freisetzung von Endothelin-1, einem gefĂ€ĂŸverengenden Botenstoff. Zum anderen greift es die glatte GefĂ€ĂŸmuskulatur an, indem es ATP-sensitive KaliumkanĂ€le blockiert und die Kalziumregulation stört.

Laut UniversitÀtsmedizin Mainz hemmt Nikotin zudem KaliumkanÀle, das Enzym eNOS und Prostacyclin, wÀhrend es gleichzeitig Endothelin-1, oxidativen Stress, Blutdruck und Thromboserisiko erhöht. Bemerkenswert ist dabei, dass sich diese Effekte bereits nach einer einzelnen Exposition messen lassen.

Über EntzĂŒndungsprozesse, oxidativen Stress und die daraus resultierende endotheliale Dysfunktion begĂŒnstigt Nikotin zudem die Entstehung von Atherosklerose und das Aufbrechen bestehender Ablagerungen in den GefĂ€ĂŸwĂ€nden – ein zentraler Mechanismus bei Herzinfarkt und Schlaganfall.

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Risikohierarchie zwischen den Produkten

Trotz der grundsĂ€tzlichen SchĂ€dlichkeit aller Nikotinformen unterscheidet die Übersichtsarbeit zwischen verschiedenen Risikostufen. Am höchsten stufen die Autoren Verbrennungsprodukte wie klassische Zigaretten und Wasserpfeifen ein. Es folgen Tabakerhitzer, dann E-Zigaretten und schließlich orale Nikotinprodukte wie Nikotinbeutel.

Diese Abstufung bedeutet den Forschern zufolge jedoch nicht, dass die risikoĂ€rmeren Varianten unbedenklich seien – lediglich der vollstĂ€ndige Verzicht auf Nikotin beseitigt das kardiovaskulĂ€re Risiko vollstĂ€ndig. Abstinenz bleibt damit die einzige Option ohne gesundheitliche Restrisiken.

Globales Ausmaß des Problems

Die Dimension des Tabak- und Nikotinkonsums verdeutlichen die von der UniversitÀtsmedizin Mainz zusammengetragenen Zahlen: Weltweit konsumieren zwischen 1,20 und 1,25 Milliarden Menschen Tabak.

FĂŒr das Jahr 2023 verzeichneten die Autoren 5,81 Millionen TodesfĂ€lle durch direkten Tabakkonsum sowie zusĂ€tzlich 1,66 Millionen TodesfĂ€lle durch Passivrauchen. Bis zu 40 Prozent der tabakbedingten TodesfĂ€lle gehen dabei auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurĂŒck.

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Zu den Autoren der Übersichtsarbeit zĂ€hlen neben Hauptautor Thomas MĂŒnzel auch Filippo Crea und Thomas F. LĂŒscher, PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (ESC). Sie fordern einen einheitlichen, nikotinbezogenen Regulierungsrahmen, der alle Produktformen gleichermaßen erfasst.

Regulatorischer Kontext in Europa

Die Veröffentlichung fĂ€llt in eine phase, in der auch die EU-Kommission ihre Tabakkontrollpolitik ĂŒberarbeitet. Ein Vorschlag zur Überarbeitung der Tabaksteuerrichtlinie sieht eine Anhebung der Mindestverbrauchsteuer auf Zigaretten um 139 Prozent sowie erstmals EU-weite Steuern auf E-Zigaretten, erhitzte Tabakprodukte und Nikotinbeutel vor.

Nach Angaben der EU rauchen aktuell 24 Prozent der EuropĂ€er, jĂ€hrlich werden rund 300 Milliarden Zigaretten konsumiert und etwa 700.000 Menschen sterben an den Folgen – bei Gesundheitskosten von rund 25 Milliarden Euro. Besonders alarmierend: 11,6 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren nutzen bereits neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel.

Die Mainzer Forschungsergebnisse liefern damit wissenschaftliche Argumente fĂŒr eine Regulierung, die sĂ€mtliche Nikotinprodukte einbezieht – unabhĂ€ngig davon, ob sie verbrannt, erhitzt, verdampft oder oral konsumiert werden.

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