GefÀhrliche Mpox-Variante breitet sich aus
12.07.2024 - 08:55:10Vor zwei Jahren meldeten mehr als 100 LĂ€nder AusbrĂŒche der Infektionskrankheit Mpox. Die Welle der einst Affenpocken genannten Krankheit verlief letztlich glimpflich. Nun aber kursiert eine neue Variante. «Es ist ohne Zweifel die gefĂ€hrlichste der bekannten Mpox-Varianten», sagte John Claude Udahemuka, Dozent an der UniversitĂ€t Ruanda, kĂŒrzlich bei einer Informationsveranstaltung.Â
Die Variante Ib (römisch 1 b) verbreite sich ohne Sexualkontakte von Mensch zu Mensch, löse schwerere Symptome aus als andere Varianten und sei fĂŒr Kinder lebensgefĂ€hrlich, erklĂ€rte Udahemuka.
Die Virus-Variante greift derzeit in der Demokratischen Republik Kongo um sich. «Expertinnen und Experten sind alarmiert, weil sie sich in der abgelegenen Region unkontrolliert ausbreitet. Sie kann auch Europa erreichen», warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Krankheit hieĂ frĂŒher Affenpocken, weil sie in den 50er Jahren erstmals bei Affen nachgewiesen wurde.
FĂŒr den WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan ist die Ausbreitung nach Europa nicht die gröĂte Sorge: Reiche LĂ€nder hĂ€tten bei dem Mpox-Ausbruch 2022 gezeigt, dass sie die Ressourcen haben, eine Verbreitung einzudĂ€mmen. «Meine gröĂte Sorge ist, dass die Krankheit sich in Bevölkerungen ausbreitet, die von groĂer Armut betroffen sind, wenig Zugang zu medizinischer Hilfe haben und vielleicht Probleme haben, Behörden zu vertrauen», sagte Ryan.Â
Krankheit mit neuer Variante schlimmer
Infektionen mit der sogenannten Klade Ib sorgen fĂŒr stĂ€rkeren Ausschlag am ganzen Körper und lĂ€nger anhaltende Symptome. Frauen erleiden Fehlgeburten und fĂŒr Kinder sei die Krankheit lebensgefĂ€hrlich, erklĂ€rte Leandre Murhula Masirika, Forschungskoordinator der Gesundheitsbehörde von SĂŒd-Kivu im Kongo. Er zeigte Fotos von Frauen und Kindern mit erbsengroĂen Pusteln am ganzen Körper, auch auf dem Kopf. «Wir sind sehr besorgt ĂŒber den Ausbruch», sagte WHO-Mpox-Expertin Rosamund Lewis.Â
Die WHO versucht mit Informationskampagnen im Grenzgebiet zu Ruanda, Burundi und Uganda, die Bevölkerung ĂŒber die Gefahren aufzuklĂ€ren.Â
Gefahr der Ausbreitung - Flughafen in Goma
Die neue Variante breitete sich seit September 2023 von der abgelegenen Bergbaustadt Kamituga im Osten des Kongo ausgehend aus. Inzwischen wurden FĂ€lle aus vielen Ortschaften gemeldet, auch aus Goma, wo es einen internationalen Flughafen gibt. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich die neue Variante ĂŒber die Region hinaus ausbreite, sagte Masirika.
Spitze des Eisbergs
Wie viele Ib-Infektionen es schon gab, ist unbekannt. Nur schwer Erkrankte suchten KrankenhĂ€user auf, sagte Trudie Lang, Professorin fĂŒr globale Gesundheit an der UniversitĂ€t Oxford. «Das dĂŒrfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Es ist möglich, dass die Inkubationszeit lang ist, das heiĂt, dass Menschen andere anstecken können, ohne es zu wissen.»
Die Mpox-Ăbertragung fand bislang entweder durch Kontakt mit Wildtieren und deren Fleisch (Klade I) oder ĂŒber Sexualkontakte statt, vor allem unter MĂ€nnern, die Sex mit MĂ€nnern haben (Klade II). Die neue Variante habe sich zwar zunĂ€chst ĂŒber Sexarbeiterinnen ausgebreitet, inzwischen gehe sie aber unabhĂ€ngig von derlei Kontakten von Mensch zu Mensch, sagte Udahemuka. In einer Schule hĂ€tten sich zum Beispiel viele Kinder beim Spielen mit einem Infizierten angesteckt.Â
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Pockenschutzimpfung gab HerdenimmunitĂ€tÂ
Ob der Impfstoff gegen Pocken, der auch vor den bisher bekannten Varianten von Mpox schĂŒtzt, gegen die neue Variante wirksam ist, sei noch nicht erforscht, sagte Udahemuka.Â
Seit den 70er Jahren sind Mpox-FĂ€lle bei Menschen vor allem in Zentral- und Westafrika bekannt. Lange gab es durch die Schutzimpfungen gegen Pocken eine HerdenimmunitĂ€t. Seit die Pocken 1980 weltweit ausgerottet und die Schutzimpfungen eingestellt wurden, ist die Zahl der Mpox-FĂ€lle gestiegen.Â
2022 wurden AusbrĂŒche mit der Klade IIb aus mehr als 100 LĂ€ndern gemeldet, auch in Deutschland gab es FĂ€lle. In den meisten LĂ€ndern waren vor allem MĂ€nner betroffen, die Sex mit MĂ€nnern haben. Die meisten hatten milde Symptome.Â
Mit «Klade» bezeichnet man in der Biologie eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft, die einen gemeinsamen Vorfahren und alle seine Nachfahren enthĂ€lt.Â
Lage in Deutschland
In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher 3800 Mpox-FĂ€lle erfasst, ĂŒberwiegend im Jahr 2022. TodesfĂ€lle waren nicht darunter. Weniger als ein Prozent der registrierten Infektionen betrafen Frauen, Jugendliche oder Kinder.Â
Ende Juni ging das RKI in einer Beurteilung der Lage auf die neue Variante im Kongo noch nicht ein. «Eine GefĂ€hrdung fĂŒr die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schĂ€tzt das RKI derzeit als gering ein», heiĂt es darin.Â
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