Noctua und Forced Physics: JouleForce soll über 2000 Watt ohne Wasser kühlen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 02:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der österreichische Kühlungsspezialist Noctua hat mit dem US-Unternehmen Forced Physics DCT eine langfristige Forschungspartnerschaft angekündigt. Ziel ist es, die patentierte JouleForce-Mikrokanal-Kühltechnologie von Forced Physics für Desktop-PCs und Workstations nutzbar zu machen.
Die Technik soll dabei als „dritter Kühlpfad" neben klassischer Luft- und Wasserkühlung etabliert werden und laut Angaben von Forced Physics Wärmelasten von über 2000 Watt allein mit Luft abführen können – ganz ohne Flüssigkeitskreislauf, Pumpe, Schläuche oder Kühlmittelreservoir.
Unabhängige Tests bestätigen Herstellerangaben
Neue Details zur wissenschaftlichen Absicherung der Technologie liefert Forced Physics selbst: Unabhängige Tests der Villanova University hätten die eigenen Ergebnisse mit einer Abweichung von lediglich etwa 3 bis 5 Prozent reproduziert.
Demnach zeigte die JouleForce-Technologie einen um 50 Prozent geringeren Wärmewiderstand bei gleichzeitig nur etwa einem Drittel des Luftstroms, den ein Dell-Referenzkühler benötigt. Die JouleForce-Plattform ist aktuell für Anwendungen zwischen 500 Watt und über 2000 Watt ausgelegt und richtet sich damit vor allem an Server, KI-Systeme und Hochdichte-Rechenzentrumsgeräte.
Zum Vergleich: Traditionelle Tower-Luftkühler im Desktop-Bereich bewegen sich üblicherweise im Bereich von 250 bis 300 Watt, High-End-Wasserkühlungen erreichen meist 500 bis 800 Watt. Selbst aktuelle Flagship-CPUs überschreiten bereits die 250-Watt-Marke, was den Bedarf an effizienteren Kühllösungen erklärt.
Das technische Prinzip hinter JouleForce
Die JouleForce-Technologie basiert auf einem Mikrokanal-Array, bei dem Luftkanäle im Mikrometer-Maßstab komprimiert werden. Der Abstand zwischen den Lamellen liegt im Zehntelmillimeter-Bereich, während klassische Luftkühler üblicherweise ein bis zwei Millimeter Abstand aufweisen.
Eine extrem glatte Lamellenoberfläche und eine spezielle Geometrie sollen verhindern, dass sich eine isolierende Grenzschicht bildet, die den Wärmeaustausch behindert. In der Praxis passen laut Angaben vier JouleForce-Lamellen zwischen zwei Lamellen eines klassischen Serien-Luftkühlers.
Der Druck als zentrales Hindernis
Genau diese Dichte des Lamellennetzes erzeugt jedoch das Kernproblem für eine Desktop-Anwendung: Die Mikrokanal-Arrays benötigen einen Druckabfall, der eine Größenordnung und mehr über dem liegt, was konventionelle PC-Lüfter leisten. Aktuell kommen dafür Industriegebläse, Hochgeschwindigkeits-Zentrifugallüfter oder sogar Vakuumpumpen zum Einsatz – Geräte, die für den heimischen Schreibtisch ungeeignet sind.
Wer eine Workstation mit aktuellen Flagship-CPUs plant, stößt schnell an die Grenze klassischer Tower-Luftkühler — die bewegen sich üblicherweise bei 250 bis 300 Watt. Ein neuer Mikrokanal-Ansatz soll laut Hersteller über 2000 Watt allein mit Luft abführen, steckt aber noch in der Forschungsphase. Was heute realistisch geht und welche Schritte Sie jetzt festlegen sollten, steht im kostenlosen Report. Kostenlosen Praxis-Report zur Workstation-Kühlung anfordern
Noctua-CEO Roland Mossig brachte das Problem auf den Punkt: Das erforderliche Druckniveau stamme von Geräten, die niemand auf oder unter dem Schreibtisch haben wolle. Es handle sich um eine anspruchsvolle, langfristige Ingenieursaufgabe.
Forced-Physics-Gründer und CEO Scott Davis betonte seinerseits, dass Desktop- und Workstation-Systeme grundlegend andere Airflow-Herausforderungen darstellen als Rechenzentrums-Deployments – und genau hier sehe man in Noctuas Expertise bei leisem Hochdruck-Airflow den idealen Partner.
Noctua verfolgt nach eigenen Angaben zwei mögliche Wege: entweder das benötigte Druckniveau für PC-Systeme grundsätzlich zu senken, oder den hohen statischen Druck innerhalb der üblichen Geräuschgrenzen eines Desktop-Geräts zu erzeugen. Als weitere Hürde neben dem Druckproblem nennt Forced Physics zudem die Abdichtung des Systems.
Noch keine Produkte in Sicht
Trotz der ambitionierten Zielsetzung gibt es bislang kein konkretes Produkt, keine Spezifikationen, keinen Preis und keinen Releasetermin. Das Projekt befindet sich in einer langfristigen Forschungsphase; Updates sollen erst bei erreichten Meilensteinen folgen.
Der Forschungsfokus von Noctua liegt derzeit auf der Lärmreduzierung, der Prototyp steckt noch in der Engineering-Validierung. Für die Serienreife müssen laut Angaben noch Lüfterkurven abgestimmt, Resonanzen kontrolliert und das Airflow-Verhalten in Gehäusen optimiert werden.
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Die aktuelle Implementierung der Technologie benötigt eine derart starke Belüftung, dass die Systeme deutlich zu laut für den Desktop-Einsatz sind. Genau diesen Nachteil zu überwinden und die Technologie in Alltagsrechner zu bringen, ist erklärtes Ziel der Zusammenarbeit zwischen Noctua und Forced Physics.
Einordnend lässt sich anmerken, dass Noctua erst in diesem Jahr seinen ersten eigenen Wasserkühler auf den Markt gebracht hat – die JouleForce-Kooperation markiert damit einen weiteren Schritt in Richtung neuer Kühlkonzepte für das Unternehmen.
