Notaufnahmen-Krise: 45% der Kliniken gefĂ€hrlich ĂŒberlastet
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 00:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung gerĂ€t in Hamburg ins Wanken. Der Senat hat die Gelder fĂŒr die stĂ€dtische Clearingstelle gestoppt, die genau solche FĂ€lle koordiniert. Der zugehörige Notfallfonds wurde im Sommer lediglich um 200.000 Euro aufgestockt â die Kasse ist inzwischen leer. Betroffen ist auch die "Praxis ohne Grenzen" in Eidelstedt, deren Mietkostenzuschuss von 80.000 Euro weggefallen ist.
Steigender Andrang trotz sinkender Mittel
Wie stark der Bedarf inzwischen ist, zeigt der Alltag der GynÀkologin Dr. Cosima Vieth. In ihrer Mittwochssprechstunde ist das Patientinnenaufkommen von rund 40 Frauen auf etwa das Doppelte gestiegen.
Die Streichung der Fördermittel trifft damit auf eine wachsende Nachfrage â eine Kombination, die aus Sicht der Hamburger Linksfraktion nicht hinnehmbar ist. Fraktionsmitglied Carola Ensslen erklĂ€rte, medizinische Behandlung sei ein Menschenrecht. Ihr Kollege Deniz Celik forderte eine Anpassung der Mittel an den tatsĂ€chlichen Bedarf.
Ein Hamburger Fall im bundesweiten Kontext
Die Lage in Hamburg reiht sich in ein gröĂeres Problem der Notfallversorgung in Deutschland ein. Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft InterdisziplinĂ€re Notfall- und Akutmedizin (DGINA) mit Stichtag 2. Juni 2026 zeigt, dass fast jede zweite Notaufnahme in Deutschland gefĂ€hrlich ĂŒberlastet ist.
Die Erhebung erfasste 271 Notaufnahmen aller Versorgungsstufen aus 16 BundeslĂ€ndern und deckte rund 8,5 Millionen der jĂ€hrlich 21 bis 25 Millionen Notfallpatienten ab. Demnach waren 45 Prozent der Notaufnahmen ĂŒberlastet, 31,4 Prozent meldeten die Ampelstufe Orange, 8,1 Prozent Rot und 5,5 Prozent Schwarz â letzteres steht fĂŒr akute PatientengefĂ€hrdung.
ZusÀtzlich verschÀrfend wirkt laut der Erhebung, dass 60,6 Prozent der Notaufnahmen einen sogenannten Exit-Block meldeten, also Schwierigkeiten, Patienten weiterzuverlegen. Rund zwei Drittel der befragten Einrichtungen berichteten von unbesetzten Stellen im Àrztlichen Dienst und in der Pflege, nur knapp ein Drittel bewertete die eigene Personalausstattung als ausreichend.
Fast jede zweite Notaufnahme meldet gefĂ€hrliche Ăberlastung, ĂŒber 60 Prozent der HĂ€user kĂ€mpfen mit Exit-Blocks â und das Notfallreformgesetz liegt noch im Ausschuss. Wer sein Haus jetzt steuern will, braucht klare Schwellenwerte statt BauchgefĂŒhl. Der kostenlose Report liefert die Belastungsampel-Checkliste und zeigt, ab welcher Belegungsquote Sie Weiterverlegungen sichern mĂŒssen. Jetzt kostenlosen Reform-Report anfordern
Gesundheitsökonom Matthias Brachmann von der UniversitĂ€t Witten/Herdecke erklĂ€rte, Klinikbetreiber zahlten im Schnitt 94 Euro drauf bei der Behandlung gesetzlich versicherter Notaufnahme-Patienten â ein struktureller Kostendruck, der die Personalnot zusĂ€tzlich befeuert.
Konkrete Beispiele verdeutlichen das AusmaĂ: Das Klinikum FĂŒrth meldet Overcrowding an etwa fĂŒnf von sieben Tagen pro Woche, das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg verzeichnet rund 50.000 Notfallpatienten pro Jahr bei ĂŒber 700 Betten.
Ab einer Belegungsquote von 85 Prozent wird ein Exit-Block schwierig, ab 90 Prozent kaum vermeidbar. Ăber 60 Prozent der HĂ€user nennen fehlende Betten als Hauptgrund fĂŒr die Ăberlastung. DKG-Chef Gerald GaĂ sieht die Notaufnahmen zunehmend als Ersatz fĂŒr die wegbrechende niedergelassene Versorgung.
Reformgesetz als möglicher Ausweg
Eine politische Antwort liegt derzeit im Gesundheitsausschuss: Das Notfallreformgesetz sieht Integrierte Notfallzentren (INZ) vor, doch Betrieb und Finanzierung sind strittig.
Rund zwei Drittel der Notaufnahmen melden unbesetzte Stellen im Ă€rztlichen Dienst und in der Pflege â und pro gesetzlich versichertem Notfall zahlen Klinikbetreiber im Schnitt 94 Euro drauf. Dieser Report bĂŒndelt, welche Personal- und Refinanzierungshebel im Reformprozess realistisch bleiben, bevor der Kostendruck Ihre Personaldecke weiter aushöhlt. Refinanzierungs- und Personal-Guide jetzt sichern
GrĂŒnen-Politiker Janosch Dahmen und die Linksfraktions-Vertreterin Stella Merendino fordern eine Refinanzierung von Personal- und Sachkosten. DGINA-PrĂ€sident Martin Pin warnte, die Patientensicherheit sei gefĂ€hrdet; das Gesetz soll im Herbst im Bundestag verabschiedet werden.
Wie akut die Situation in einzelnen HĂ€usern bereits ist, zeigt ein Bericht des SPIEGEL ĂŒber eine Hamburger Asklepios-Klinik: Dort fĂŒrchteten Ărzte um das Patientenwohl, weil Patienten 24 Stunden lang auf Notfalltragen auf dĂŒnnen Gummimatratzen ohne PrivatsphĂ€re liegen mussten. Der Wegfall der Hamburger Fördermittel fĂŒr unversicherte Patienten trifft damit auf ein Versorgungssystem, das schon an anderer Stelle unter erheblichem Druck steht.
