Österreichs Finanzbildungsstrategie: 235 Initiativen, 137 davon an Schulen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beschluss im Finanzbildungsrat am 20. Oktober 2026 hat Österreich die Weichen für die Weiterentwicklung seiner nationalen Finanzkompetenz gestellt. Die neue Finanzbildungsstrategie deckt den Zeitraum von 2027 bis 2035 ab und soll nach fünf Jahren die bisherigen Leitlinien ablösen.
Ein formeller Beschluss im Ministerrat ist bis Ende 2026 vorgesehen, bevor das Gesamtkonzept für 2027 finalisiert wird. Das Vorhaben wird weiterhin mit Mitteln der Europäischen Union kofinanziert und zielt darauf ab, den Umgang mit Geld und Finanzinstrumenten in der Bevölkerung strukturiert zu verbessern.
Schwerpunkte und Ressortaufteilung
Das neue strategische Rahmenwerk gliedert sich in sieben Prioritäten, die verschiedenen Ministerien fest zugeordnet sind. So zeichnet das Sozialministerium für Maßnahmen gegen Überschuldung verantwortlich, während das Finanzministerium den Bereich der Kapitalmärkte betreut.
Weitere Aufgabenfelder liegen beim Bildungsministerium sowie beim Frauenministerium. Nach Angaben von Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und dem Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher, gilt Finanzbildung als zentrale Zukunftskompetenz und wesentlicher Schutz vor Betrug.
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Im Rahmen der Initiative soll OeNB-Gouverneur Kocher zudem einen spezifischen Finanzbildungstest entwickeln. Als bestehende Plattform dient das Informationsangebot „Finanznavi“, das sich mit Texten und Videos gleichermaßen an Schülerinnen und Schüler sowie an Erwachsene richtet.
Ausbau der schulischen Maßnahmen seit 2021
Österreich hatte 2021 die erste nationale Finanzbildungsstrategie innerhalb der Europäischen Union gestartet. Wie Staatssekretärin Eibinger-Miedl darlegte, umfasste das damalige Programm zunächst 90 Einzelmaßnahmen.
Dieser Katalog wuchs im Laufe der Jahre auf mittlerweile 235 Initiativen an, von denen 137 direkt im schulischen Bereich verankert sind. Die Vermittlung von grundlegendem Wirtschaftswissen im Unterricht gilt dabei als wesentlicher Baustein, um junge Generationen frühzeitig auf finanzielle Entscheidungen vorzubereiten.
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Reaktionen aus der Wirtschaft
Aus der Wirtschaft erfährt die Strategie grundsätzliche Zustimmung. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Industriellenvereinigung (IV) sowie das Aktienforum äußerten sich positiv über den Beschluss im Finanzbildungsrat.
Gleichzeitig verknüpften die Industriellenvereinigung und das Aktienforum ihre Unterstützung mit einer konkreten bildungspolitischen Forderung: Beide Organisationen sprachen sich dafür aus, dass Österreich künftig dauerhaft am internationalen Schulleistungstest PISA Financial Literacy teilnehmen solle, um den Kenntnisstand der Jugendlichen kontinuierlich und im weltweiten Vergleich messen zu können.
Mit dem bevorstehenden Beschluss der Bundesregierung im Ministerrat bis zum Jahresende 2026 soll die operative Vorbereitung für den Beginn des neuen Strategiezyklus ab 2027 abgeschlossen werden.
