Östrogentherapie: Stanford-Daten zeigen 35 Prozent weniger Alzheimer
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 15:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deUntersuchungen an der Stanford Medicine liefern neue Hinweise auf den Zusammenhang zwischen postmenopausaler Hormontherapie und neurodegenerativen Erkrankungen. Daten der Forschungseinrichtung zeigen, dass Frauen, die eine reine Östrogentherapie erhielten, eine um 35 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, an Alzheimer zu erkranken.
Zudem lag die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine klinische Demenzdiagnose zu erhalten, bei diesen Anwenderinnen um 39 Prozent niedriger als bei Frauen ohne eine entsprechende Behandlung.
Signifikante Veränderungen im Gehirngewebe
Die Auswertung von Stanford Medicine stützt sich auf zwei Datenbanken mit insgesamt 21.462 Teilnehmerinnen. Einen zentralen Bestandteil bildeten 258 Gehirnautopsien von Frauen, die ausschließlich Östrogene eingenommen hatten, im Vergleich zu rund 2.701 verstorbenen Nicht-Anwenderinnen.
Bei den behandelten Frauen zeigte sich eine signifikante Abnahme von Amyloid-Plaques sowie neurofibrillären Tangles. Diese Autopsiebefunde wurden durch entsprechende Biomarker in Blut- und Liquorproben gestützt.
Darüber hinaus schnitten die Anwenderinnen in Tests zu Gedächtnisleistung und Alltagsbewältigung besser ab. Die Forschenden weisen jedoch auf wesentliche methodische Grenzen hin: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein kausaler Nachweis führen.
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Die untersuchten Frauen waren im Mittel 70 Jahre alt, und viele von ihnen hatten sich einer Hysterektomie unterzogen. Rückschlüsse auf Kombinationstherapien aus Östrogenen und Gestagenen oder auf topische Darreichungsformen lassen die Ergebnisse nicht zu.
Weitere Daten zu Hormonen und Demenzrisiko
Die Stanford-Ergebnisse fügen sich in eine Reihe groß angelegter Analysen ein. Eine in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Untersuchung auf Basis der UK Biobank, die 183.450 postmenopausale Frauen über durchschnittlich 13 Jahre und fast 4.000 Demenzfälle hinweg begleitete, verzeichnete bei einer mindestens einjährigen Hormonersatztherapie ein um zehn Prozent niedrigeres Risiko für Demenzerkrankungen jeglicher Ursache sowie ein um 16 Prozent verringertes Risiko für Alzheimer.
Nach einer chirurgischen Menopause war das Demenzrisiko um 26 Prozent geringer, und bei Frauen mit geringerer lebenslanger Östrogenexposition lag es um 16 Prozent niedriger. Der protektive Effekt fiel bei Trägerinnen des ApoE4-Gens besonders deutlich aus. Auch hier betonten die Autoren den rein beobachtenden Charakter.
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Dass ein Hormonverlust kognitive Risiken birgt, untermauert zudem eine Veröffentlichung im Journal JAMA Network Open. In der Studie mit mehr als 2.600 Frauen war jedes Jahr eines früheren Menopausenbeginns mit einem schnelleren Gedächtnisverlust, einem früheren Auftreten von Alzheimer und einer stärkeren Anhäufung von White-Matter-Hyperintensitäten assoziiert.
Trat die Menopause zehn Jahre früher ein, verkürzte sich die alzheimerfreie Zeit im Mittel um fast zwei Jahre; lag der Eintritt fünf Jahre früher, nahmen die Läsionen der weißen Substanz über zehn Jahre um rund 15 Prozent stärker zu.
Risiken und Grenzen des therapeutischen Einsatzes
Trotz dieser Assoziationen warnen medizinische Fachgesellschaften davor, eine Hormonersatztherapie als Präventionsmaßnahme gegen Demenz zu betrachten. Gynäkologische Leitlinien empfehlen den Beginn primär innerhalb der ersten zehn Jahre nach der letzten Menstruation zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer vasomotorischer Symptome.
Fachärzte weisen darauf hin, dass das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs unter jahrelanger Hormontherapie leicht von zwölf auf 14 Prozent steigt, weshalb die Einnahme meist auf maximal fünf Jahre befristet und stets individualisiert werden sollte. Liegt eine Gebärmutter vor, ist zudem zwingend eine Kombination mit Gestagenen erforderlich.
Hinsichtlich kardiovaskulärer Risiken differenzieren aktuelle Registerdaten: Eine dänische Untersuchung im BMJ zeigte zwar ein leicht erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien bei oraler Verabreichung, nicht jedoch bei transdermaler Gabe wie Pflastern oder Gelen. Eine erhöhte Gesamtmortalität ließ sich unter der menopausalen Hormonbehandlung nicht feststellen.
