Office-Streit: Euro-Office und Collabora spalten die Open-Source-Szene
12.06.2026 - 18:45:34 | boerse-global.de
Mit der Veröffentlichung von Collabora Office Preview und dem Start von Euro-Office 1.0 zeichnet sich ein Richtungsstreit ab, der weit über Technikfragen hinausgeht. Es geht um digitale Unabhängigkeit, Datenschutz und die Frage: Dürfen europäische Lösungen auf Microsoft-Formate setzen?
Collabora Office Preview: Fokus auf Offline-Nutzung
Am 11. Juni 2026 erschien der Release Candidate von Collabora Office Preview – eine Desktop-Anwendung auf Basis von LibreOffice. Das Besondere: Die Suite legt den Schwerpunkt auf Offline-Funktionalität und lokale Datenkontrolle. Nutzer speichern ihre Dokumente direkt auf dem eigenen Rechner, ohne Umweg über die Cloud.
Anzeige: Der Richtungsstreit zwischen Euro-Office und Collabora spitzt sich zu – während Microsoft Office 2019 ab Juli 2026 eingeschränkt wird. Unser Report liefert die entscheidende Vergleichs-Checkliste, einen Umstiegs-Leitfaden und eine Sicherheitsanalyse zur Code-Herkunft. Jetzt kostenlosen Office-Report anfordern
Die Anwendung unterstützt sowohl das offene OpenDocument-Format (ODF) als auch Microsofts Office Open XML (OOXML) – darunter .docx, .xlsx und .pptx. Damit richtet sich das Tool an alle, die professionelle Büroarbeit mit maximaler Privatsphäre verbinden wollen. Ein klarer Kontrast zu den reinen Cloud-Lösungen, die den Markt dominieren.
Euro-Office 1.0: Einheit oder Spaltung?
Nur zwei Tage zuvor, am 9. Juni 2026, feierte Euro-Office 1.0 seinen offiziellen Launch. Entwickelt von einem Bündnis aus Nextcloud, IONOS und Proton, basiert die browserbasierte Suite auf einem Fork von ONLYOFFICE. Das erklärte Ziel: europäische Souveränität und Datenhoheit.
Doch der Vorstoß sorgt für Zündstoff. Italo Vignoli, Mitbegründer der The Document Foundation (TDF), der Organisation hinter LibreOffice, schlug in einem offenen Brief Alarm. Seine Kritik: Euro-Office setze als primäres Format auf OOXML – und stärke damit indirekt Microsofts Marktmacht. Wahre digitale Souveränität, so Vignoli, erreiche man nur durch native Nutzung des offenen ODF-Standards.
Nextcloud Hub 26: Die Qual der Wahl
Am 10. Juni 2026 veröffentlichte Nextcloud mit Hub 26 Spring ein weiteres wichtiges Update – pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Plattform. Die Neuerung: Nutzer können künftig zwischen zwei integrierten Office-Lösungen wählen – dem LibreOffice-basierten Collabora Online oder dem neuen Euro-Office.
Das Update bringt zudem ein Governance-Hub mit Sensitivitätskennzeichnungen und KI-Assistenten, die den Anforderungen des EU AI Acts entsprechen. Nextcloud reagierte auf die Format-Debatte mit einem klaren Bekenntnis: Man wolle die ODF-Unterstützung in Euro-Office ausbauen und langfristig als Standardformat etablieren.
Sicherheitsbedenken: Woher stammt der Code?
Während Euro-Office als Lösung für öffentliche Einrichtungen und Unternehmen mit hohen Souveränitätsansprüchen vermarktet wird, werfen technische Analysen Fragen auf. Ein Bericht von Cybernews vom 11. Juni 2026 zeigt: Knapp 98,6 Prozent des Codes im Euro-Office-Fork (basierend auf DocumentServer 9.3.1) stammen von Entwicklern aus russischen Zeitzonen. Nur rund 0,5 Prozent lassen sich auf europäische Beitragende zurückführen.
Hinzu kommen Sicherheitsbedenken: Ein Android-Bundle soll mit nicht identifizierten Cloud-Ressourcen verknüpft sein. Die Entwickler betonen, der Fork sei ein notwendiger Schritt für den europäischen Markt. Man werde die Transparenz erhöhen, sobald die Software den aktuellen technischen Vorschau-Status verlassen habe.
Anzeige: 98,6 % des Euro-Office-Codes stammen aus russischen Zeitzonen – ein Sicherheitsrisiko für öffentliche Einrichtungen? Unser Report zeigt, wie Sie Code-Herkunft prüfen, den Umstieg planen und die richtige Suite für Ihre Souveränität wählen. Sicherheitsanalyse und Umstiegs-Leitfaden sichern
Microsoft zwingt Nutzer zum Umdenken
Die Debatte um offene Standards bekommt zusätzliche Brisanz durch ein nahendes Ablaufdatum: Ab dem 13. Juli 2026 schaltet Microsoft Office 2019 für Mac und iOS in einen eingeschränkten Modus. Grund ist der Ablauf digitaler Zertifikate. Nutzer dieser Versionen können dann keine neuen Dokumente mehr bearbeiten oder speichern.
Für viele Anwender wird der Wechsel zu einer offline-fähigen Alternative damit unausweichlich. Genau hier setzen die neuen LibreOffice-basierten Desktop-Suiten an – und könnten vom erzwungenen Umstieg profitieren.
