Oktopus-Roboter: IIT entwickelt 41-cm-Arm mit dezentralem Nervensystem
14.06.2026 - 09:33:45 | boerse-global.de
Das italienische Technologieinstitut IIT hat einen weichen Roboterarm entwickelt, der die Fähigkeiten eines Oktopus nachahmt.
Die Studie, veröffentlicht am 13. Juni im Fachjournal Nature Machine Intelligence, beschreibt einen 41 Zentimeter langen Arm mit zehn Saugnäpfen. Das Besondere: Jeder Saugnapf reagiert eigenständig bei Kontakt. Das dezentrale Steuerungssystem spiegelt die biologische Struktur von Kopffüßern wider, bei denen ein Großteil des Nervensystems in den Gliedmaßen sitzt.
Die technischen Daten können sich sehen lassen: Eine Empfindlichkeit von rund 400 mV/N und ein Messfehler von unter 0,1 Newton. Unter Wasser bewältigte der Arm eine maximale Nutzlast von 500 Gramm – und das über 300 Zyklen hinweg mit stabiler Genauigkeit. Entwickler sehen den Einsatz vor allem bei der Inspektion von Unterwasserpipelines und Kabeln.
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Robotik nach dem Vorbild der Natur
Das IIT-Projekt ist Teil eines größeren Trends. Auch die ETH Lausanne (EPFL) forscht an biologisch inspirierten Lösungen. Am 13. Juni veröffentlichten dortige Wissenschaftler in Nature Communications eine Studie über eine Roboterhand, die sich vom Handgelenk lösen und selbstständig Objekte einsammeln kann. Inspiriert von Oktopusarmen und Gottesanbeterinnen, krabbelt die Hand mit 3D-gedruckten Gelenken und Elektromotoren, bevor sie sich per Magnetverschluss wieder ankoppelt.
Einen Tag später präsentierte die National University of Singapore (NUS) den „OstraBot" – einen Schwimmroboter nach dem Vorbild des Kofferfisches. Angetrieben von im Labor gezüchtetem Muskelgewebe, erreichte er eine Rekordgeschwindigkeit von 467 Millimetern pro Minute. Die Nutzung biologischer Muskeln ermöglicht ein Selbsttraining durch gekoppelte Gewebekontraktion – mit einer zehnmal höheren Kraftausbeute als bei früheren Modellen.
Ebenfalls am 14. Juni wurde die Schildkrötenroboterin „BURT" auf der Regeneron ISEF vorgestellt. Entwickelt für den Meeresschutz, identifiziert die vierflossige Roboterin mit KI-gestützten Kameras Korallenbleiche und invasive Arten – mit einer Trefferquote von 96 Prozent.
Autonome Unterwasserfahrzeuge im Aufwind
Während sich weiche Robotik für feinfühlige Aufgaben eignet, erweitern industrielle autonome Unterwasserfahrzeuge (AUVs) ihren Aktionsradius. Am 12. Juni gab Saipem bekannt, dass sein Drohnentyp Hydrone-R eine vollständig autonome Mission im arktischen Korallengebiet von Njord (Norwegen) absolviert hat. Der Drohne arbeitete ohne Versorgungskabel oder Oberflächenunterstützung und erreichte damit 240 Tage ununterbrochenen Unterwassereinsatz.
Saipem bestätigte zudem die Lieferung eines Hydrone-W ROV an die Werft T. Mariotti in Genua. Das vollelektrische Fahrzeug erreicht Tiefen von 3.000 Metern und wird im Rahmen des italienischen NRRP/MER-Programms auf dem Schiff Arcadia integriert.
Auch im Verteidigungsbereich tut sich etwas: Das indische Startup Rekise Marine sicherte sich am 12. Juni 9,7 Millionen US-Dollar (rund 8,9 Millionen Euro) in einer Seed-Finanzierungsrunde unter Führung von Accel und NKSquared. Das Geld fließt in die Entwicklung von „Jalkapi", einem intelligenten autonomen Unterwasserfahrzeug für die indische Marine. Damit summiert sich das Gesamtkapital des Unternehmens auf über 14 Millionen US-Dollar.
Tiefseeforschung: Kooperation und neue Technik
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Auch bei der Integration verschiedener Robotikplattformen gibt es Fortschritte. Zwischen dem 16. und 20. März 2024 startete ein französisches U-Boot der Suffren-Klasse vor Toulon erfolgreich einen US-amerikanischen Razorback-Drohnen (REMUS) und barg ihn wieder. Diese am 12. Juni bekanntgegebene Operation war das erste Mal, dass ein US-Drohn von einem U-Boot eines Bündnispartners eingesetzt wurde – ein Meilenstein, der auf die Ziele des Strategic Interoperability Framework vom Dezember 2021 zurückgeht.
Die Identifizierung rätselhafter Tiefseeobjekte profitiert ebenfalls von besseren Analyseinstrumenten. Am 12. Juni bestätigten Forscher, dass eine 2023 von der NOAA im Golf von Alaska entdeckte „goldene Kugel" die chitinhaltige Nagelhaut der Seeanemone Relicanthus daphneae war.
Um die künftige Erkundung voranzutreiben, hat das Forschungsunternehmen Inkfish den Bau eines 162 Meter langen Tiefseeschiffs in Auftrag gegeben. Der am 12. Juni bekanntgegebene Auftrag über 814 Millionen US-Dollar (rund 750 Millionen Euro) an die norwegische Werft VARD ist der größte Einzelschiffsauftrag für eine norwegische Werft. Die Auslieferung ist für das erste Quartal 2030 geplant. Das Schiff wird Tiefen von bis zu 11.000 Metern erreichen und helfen, die verbleibenden 71,3 Prozent des unkartierten Meeresbodens zu vermessen.
